Politik

Seegerichtshof Russland soll ukrainische Matrosen freilassen

UN-Urteil empört Moskau

Archivartikel

Hamburg.Der internationale Seegerichtshof in Hamburg hat die Freilassung von 24 festgenommenen ukrainischen Matrosen gefordert und damit heftige Kritik in Russland ausgelöst. Das Urteil sei nicht rechtmäßig, weil der Fall nicht in die Zuständigkeit des UN-Gerichts falle, sagte der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow. Die neue Führung in der Ukraine müsse nun die Fehler der Vorgänger ausbaden. „Dabei sollten sie sich aber an die Rechtsnormen halten“, schrieb der Chef des Außenausschusses im russischen Föderationsrat auf Facebook. UN-Richter Jin-Hyun Paik hatte am Samstag angeordnet, dass Russland neben der Freilassung der Matrosen auch drei beschlagnahmte Schiffe an die Ukraine zurückgeben müsse. Dass Moskau dies sofort umsetzen wird, ist unwahrscheinlich. Russland hatte den Prozess boykottiert.

Sechs Jahre Haft drohen

Die Matrosen waren 2018 beim Versuch, aus dem Schwarzen Meer ins Asowsche Meer zu gelangen, von der russischen Küstenwache gewaltsam gestoppt und festgesetzt worden. Den Männern drohen bis zu sechs Jahre Haft.

Hintergrund ist auch die Lage nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014. Sowohl die Ukraine als auch Russland nutzen das Asowsche Meer. Russland betrachtet die Meerenge von Kertsch aber als sein Hoheitsgebiet. Deswegen will Moskau die Seeleute wegen Verletzung der Staatsgrenze vor Gericht bringen. Kiew sieht die Festgenommenen als Kriegsgefangene an. Gleichzeitig gibt es in der Ukraine Stimmen, dass Ex-Präsident Petro Poroschenko den Zwischenfall provoziert habe. dpa