Politik

USA Präsidentschaftskandidaten der Demokraten führen dritte TV-Debatte / Joe Biden mit Aussetzern

Und der Sieger heißt . . . Elizabeth Warren

Washington.Sie landete nicht so originelle Bonmots wie Kamala Harris, die Donald Trump in ihrem Eingangsstatement der Debatte die Leviten las und ihn dann, zum Gelächter des Publikums, aufforderte, nun wieder auf seinen Haussender FOX umzuschalten. Ihr fehlte die glühende Leidenschaft Beto O’Rourkes, der über den Terror weißer Suprematisten in seiner Heimatstadt El Paso redete und versprach, als Präsident Kriegswaffen in Privatbesitz konfiszieren zu lassen. Und sie ließ es nicht so menscheln wie Joe Biden, der sein Herz öffnete, als er erzählte, wie der Verlust seiner ersten Frau und Tochter bei einem Autounfall und später seines Sohnes Beau an Krebs dazu beigetragen haben, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren.

„Lizzy“ ist echt

In all diesen Momenten überließ Elizabeth Warren die Bühne ihren neun Mitbewerbern. Die Senatorin aus Massachusetts ließ Angriffe Bidens auf ihre Ideen für eine allgemeine staatliche Krankenversicherung ebenso abperlen, wie die „fröhliche Kriegerin“ selbst auf Schläge unter die Gürtellinie verzichtete.

Warren schaffte es, komplizierte Dinge, gesprenkelt mit ein paar Anekdoten, einfach zu erklären, ohne in Phrasen abzugleiten. „Lizzy“, wie ihre Fans sie nennen, ist echt. Elegant brachte sie ihre Argumentation immer wieder zu ihrem zentralen Thema zurück: Wie „das große Geld“ das Gesundheitswesen, das Militär oder die Waffen- und Steuergesetze korrumpiere.

Im Unterschied zu Bernie Sanders, der wie ein Roboter die Argumente aus dem letzten Wahlkampf wiederholte, zündete Warren ein Ideenfeuerwerk. Die 70-jährige Kandidatin, die aus ganz kleinen Verhältnissen in Oklahoma den Aufstieg schaffte, verkörpert, wonach sich viele Amerikaner sehnen: Authentizität, Unaufgeregtheit und eine Vision, die an das Beste in der Nation appelliert. Wohl auch deshalb ist sie die Einzige im Bewerberfeld der Demokraten, die in den vergangenen Monaten deutlich zulegen konnte.

Nach dieser soliden Debatte spricht alles dafür, dass ihre Chancen weiter steigen, Sanders als Hoffnungsträger der Progressiven abzuhängen und Biden die Kandidatur streitig zu machen. Zumal es der ehemalige Vizepräsident seit seinem Eintritt in das Rennen nicht vermochte, Wähler hinzuzugewinnen.

Dank seines Namens führt er das Feld zwar noch an, steckt aber an der 30-Prozent-Marke fest. Sein Auftreten in Houston erklärte, warum. Nach einem kraftvollen Auftakt baute er rapide ab. Und sagte etwas, was ihn als Kandidat definieren wird: Biden riet Eltern, bei der Erziehung ihrer Kinder am Abend öfter mal „den Plattenspieler“ anzustellen. Die Kolumnistin der New York Times, Gail Collins, ätzte, der Ratschlag sei so gestrig wie der Kandidat. Was ihn nicht disqualifizieren müsse, weil Vinyl-Platten wieder chic seien. Der 76-jährige Biden wäre bei Amtseinführung der älteste Präsident in der Geschichte der USA.

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