Politik

Tourismus Spahn verteidigt kostenfreie Untersuchungen für Rückkehrer aus Risikogebieten / Debatte um Ablauf und Zuständigkeiten

Und wer macht die Zweittests?

Berlin.Flughäfen und Gesundheitsbehörden rüsten sich für zusätzliche Corona-Tests für heimkehrende Urlauber – über die konkrete Umsetzung und die Kosten wird aber weiter diskutiert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigte am Dienstag, dass Tests für Reisende kostenfrei sein sollen. Es sei wichtig, dass Testen „keine Frage des Geldbeutels ist“, schrieb er bei Twitter mit Blick auf Forderungen, Touristen selbst zur Kasse zu bitten. Im Gespräch sind auch Wiederholungstests ein paar Tage später.

Spahn hatte am Montag angekündigt, eine Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten anzuordnen, die voraussichtlich in der kommenden Woche in Kraft treten soll –über zuvor beschlossene freiwillige Testmöglichkeiten hinaus. Laut einer Liste des Robert Koch-Instituts zählen dazu Länder wie Ägypten, die USA, Russland und die Türkei.

Luxemburg als Risikogebiet

Aus der EU ist Luxemburg dabei. Beliebte Urlaubsziele wie Italien oder Österreich stehen derzeit nicht auf der Liste. Zentrales Kriterium ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100 000 Einwohner gab. Die Tourismusbranche begrüßte zusätzliche Tests. „Gesundheit hat oberste Priorität“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Norbert Fiebig. Deutsche Veranstalter böten grundsätzlich keine Reisen in ausgewiesene Risikogebiete an. Wer auf eigene Faust zu solchen Zielen reise, müsse schon jetzt bei der Rückkehr für 14 Tage in Quarantäne. Verpflichtende Tests brächten zusätzliche Sicherheit. Es dürfe dabei aber keine Unterschiede geben, ob Reisende mit dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug nach Deutschland zurückkommen. „Hier sind tragfähige und gut umsetzbare Konzepte gefordert“, sagte Fiebig.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sieht die Entscheidung für kostenfreie Tests als starken Anreiz, tatsächlich einen Test zu machen und so eine Quarantäne zu vermeiden. Die Organisation liege nun bei den Landesbehörden – Teststellen könnten am Flughafen, bei niedergelassenen Ärzten oder in anderen Gesundheitseinrichtungen sein. „In jedem Fall ist es Aufgabe der Behörden zu kontrollieren, ob sich eine Person auch tatsächlich hat testen lassen“, sagte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz nannte die geplanten Pflichttests sinnvoll. „Jedoch muss nach drei Tagen ein zweiter Test folgen. Sonst ist das Ganze eher öffentlicher Effekt als tatsächliche Wirkung“, sagte Vorstand Eugen Brysch. „Mit Tests an Flughäfen, Bahnhöfen und Grenzen ist es also nicht getan. Denn bei den Zweittests sind die Gesundheitsämter vor Ort gefordert.“ dpa

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