Politik

Politbarometer II (November I 2019, KW 45)

Union-Anhänger wollen Merz als Kanzlerkandidat

Anhänger der Union trauen Friedrich Merz einer Umfrage zufolge eher eine Kanzlerkandidatur zu als CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. 35 Prozent glauben, dass CDU/CSU dem früheren Unionsfraktionchef die größten Chancen hätte, ein gutes Bundestagswahlergebnis zu erzielen. Den Beschluss, keine Zusammenarbeit mit der AfD einzugehen, findet Zustimmung. Kritischer wird dagegen der Ausschluss der Kooperation mit den Linken gesehen. 

CDU/CSU-Kanzlerkandidat: Wahlchancen

Zurzeit wird darüber gesprochen, wer Kanzlerkandidat/in der CDU/CSU werden soll. Die besten Chancen auf ein gutes Wahlergebnis bei der Bundestagswahl hätte die Union nach Einschätzung von 35% ihrer eigenen Anhänger mit Friedrich Merz, 15% der CDU/CSU-Anhänger sehen in Armin Laschet den erfolgversprechendsten Kandidaten, 14% nennen hier Markus Söder, 12% Jens Spahn, 8% Annegret Kramp-Karrenbauer und 9% „jemand anderen“, allerdings dann meist ohne auf Nachfrage konkrete Namen nennen zu können. Weitere 7% legen sich nicht fest.

Unter allen Wahlberechtigten ergibt sich ein tendenziell ähnliches Bild: In der Frage nach dem/r erfolgversprechendsten Unions-Kandidat/in für die Bundestagswahl liegt Merz unter allen Befragten mit 28% klar vor Laschet (13%), Söder (11%), Spahn (9%) und Kramp-Karrenbauer (8%). 17% sagen „jemand anderes“ und 14% „weiß nicht“.  

CDU-Beschluss: Keine Zusammenarbeit mit Linke bzw. AfD

In der Diskussion um politische Kooperationen der CDU mit der AfD oder der Linken gibt es insgesamt sehr viel Zustimmung für die restriktive Abgrenzung gegenüber der AfD. Überwiegend kritisch, und im eigenen Lager eher ambivalent, wird dagegen die Abgrenzung zur Linken gesehen. So finden es 75% aller Befragten und 85% der Unionsanhänger richtig, dass die CDU eine politische Zusammenarbeit mit der AfD ablehnt, 23% (CDU/CSU-Anhänger: 14%) finden das nicht richtig. Mit Blick auf die Linke finden es dagegen nur 37% aller Befragten und nur 51% der Unionsanhänger richtig, dass sich die CDU gegen Koalitionen bzw. ähnliche Formen der politischen Zusammenarbeit mit der Linken ausspricht, 58% (CDU/CSU-Anhänger: 44%) sehen das kritisch. 

SPD-Parteivorsitz: Kandidatenpaare

In der SPD sollen zukünftig zwei Personen zusammen den Parteivorsitz übernehmen. „Besser für die SPD“ wäre nach Einschätzung von 25% aller Befragten und von 40% der SPD-Anhänger das Kandidatenpaar Olaf Scholz und Klara Geywitz, 15% (SPD-Anhänger: 23%) sehen eher im Duo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken einen Vorteil. Mit 57% (SPD-Anhänger: 37%) können aber die allermeisten Deutschen diese Personalie überhaupt nicht beurteilen.

SPD: Verbleib in der Bundesregierung

In der SPD gibt es eine Diskussion darüber, ob die SPD die schwarz-rote Koalition verlassen soll. Nach Ansicht von 50% aller Befragten und von 64% der eigenen Anhänger wäre es für die SPD besser, in der Bundesregierung mit der CDU/CSU zu bleiben, 44% (SPD-Anhänger: 35%) raten der SPD jetzt zum Gang in die Opposition. 

AfD: Stärke im Osten und Westen Deutschlands

Dass die AfD zukünftig auch im Westen ihr starkes Ost-Niveau erreicht, wird allgemein bezweifelt: Auch nachdem die AfD bei den Landtagswahlen im Osten Deutschlands besonders starke Ergebnisse erzielt hat, rechnen nur 29% der Deutschen damit, dass die AfD in Zukunft bei Wahlen im Westen ähnlich viel Unterstützung bekommt, insgesamt 68% – 69% im Westen und 62% im Osten – glauben das aber nicht. 

Beurteilung von Spitzenpolitikern in Deutschland

In den Politbarometer Top 10 gibt es Anfang November weder insgesamt noch lagerbezogen einen einheitlichen Trend. Drei der zehn – nach Meinung der Deutschen – wichtigsten Politiker und Politikerinnen legen zu, das relativ stärkste Plus gibt es dabei für Markus Söder. Sechs haben Imageverluste, die vor allem bei Heiko Maas deutlicher ausfallen. Platz eins hält Winfried Kretschmann, der auf der +5/-5-Skala mit durchschnittlich 1,7 eingestuft wird. Mit etwas Abstand folgen Angela Merkel (1,4) und Robert Habeck (1,3), dann Olaf Scholz (0,9) und Heiko Maas (0,6). Markus Söder (0,4) und Christian Lindner (0,1) tauschen die Plätze sechs und sieben. Im Schlussdrittel – und alle im negativen Skalenbereich – liegen weiterhin Horst Seehofer (-0,1), Ursula von der Leyen (-0,2) und Annegret Kramp-Karrenbauer (-0,7), die nach einem leichten Minus auf ein neues persönliches Tief abrutscht. Bei der Frage, wer überhaupt die zehn wichtigsten Politiker sind, schaffen es Winfried Kretschmann und Ursula von der Leyen nicht mehr ins Ranking. Wieder dabei, und im nächsten Politbarometer dann wie immer auch bewertet, sind Jens Spahn und Friedrich Merz. 

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