Politik

Union bleibt stabil, SPD legt zu - Grüne weiter stark

Die Veränderungen nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen fallen in der bundesweiten politischen Stimmung moderat aus. Die aktuellen Regierungsleistungen werden kurzfristig verbessert eingestuft. Angela Merkels Arbeit wird positiv bewertet. Die AfD genießt im Gegensatz zu den anderen Parteien kein gutes Ansehen bei den Befragten. 

Politische Stimmung in Deutschland

Nachdem sich am Sonntag die politischen Basisgewichte in Sachsen und Brandenburg bedeutend verschoben haben, fallen die Veränderungen in der bundesweiten politischen Stimmung nach den Landtagswahlen eher moderat aus. Während die Union stabil bleibt und die SPD zulegt, kann sich die AfD nicht verbessern. Die Grünen bleiben prinzipiell stark, FDP und Linke dagegen relativ schwach. Aktuell wird die CDU/CSU bei 29% (+/-0) und die SPD bei 19% (+4) gemessen, die AfD kommt auf 9% (-1), die FDP auf 6% (+/-0) und die Linke auf 6% (+/-0). Die Grünen liegen bei 27% (-1) und alle anderen Parteien bei 4% (-2).*

Da mit Umfragen immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem weit entfernt liegenden Wahltag nicht zulässig.

Die Politbarometer-Ergebnisse sind wie immer politisch nicht gewichtet. Ein Vergleich der Wahlabsichtsfrage und der Sympathiemessungen der Politbarometer-Untersuchungen mit den politisch gewichteten Ergebnissen anderer Institute ist daher nur bedingt möglich. Aus diesem Grund veröffentlicht das Politbarometer die „Projektion“, bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen poli-tischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden, falls diese am nächsten Sonntag stattfinden würde.

Dieser errechneten Projektion liegen Erkenntnisse über die langfristige, sozial-strukturell begründete Stabilität im Wählerverhalten bei Bundestagswahlen zugrunde sowie Erkenntnisse über den theoretischen Ausgang einer Bundestagswahl unter „normalen“ Bedingungen, d. h. ohne die Überzeichnungen in der aktuell gemessenen politischen Stimmung. Neben strukturellen Faktoren werden zudem taktisches Verhalten sowie die fehlende Bekenntnisbereitschaft von Anhängern der Parteien an den Rändern des Parteienspektrums berücksichtigt.

Wäre am Sonntag Bundestagswahl, bliebe die Union im Vergleich zur letzten Politbarometer-Projektion unverändert und käme auf 28% (+/-0). Die SPD würde etwas deutlicher zulegen auf 15% (+2), die AfD käme weiterhin auf 13% (+/-0), die FDP würde nach Verlusten 6% (-1) erreichen und die Linke unverändert 7% (+/-0). Die Grünen könnten noch mit 24% (-1) rechnen und die sonstigen Parteien zusammen mit 7% (+/-0). Damit gäbe es weiterhin eine klare Mehrheit für Schwarz-Grün. Für Grün-Rot-Rot würde es knapp nicht reichen.

Zufriedenheit mit der Bundesregierung

Die aktuellen Regierungsleistungen werden kurzfristig etwas verbessert eingestuft: Auf der +5/-5-Skala (sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) erreicht die schwarz-rote Regierung durchschnittlich 0,7 (Jul: 0,2; Aug: 0,2). Im Detail liegt die CDU/CSU leistungsbezogen bei 0,5 (Jul: 0,4; Aug: 0,2) und die SPD bei 0,3 (Jul: -0,3; Aug: -0,2).  

Bundesregierung: Arbeit, Alternativen und Bestand bis 2021

Auch „alles in allem gesehen“ sprechen mit aktuell 62% (Jul: 51%; Aug: 50%)  wieder etwas mehr Wahlberechtigte von guter Arbeit der Bundesregierung, 33% (Jul: 41%; Aug: 43%) sind gegenteiliger Meinung. 

Dass eine – hypothetische – rot-rot-grüne Regierung ihre Sache besser machen würde als die große Koalition, meinen 26% der Befragten, 39% rechnen dann mit  schlechterer und 29% mit vergleichbarer Regierungspolitik. Gäbe es eine Jamaika-Koalition, sagen mit Blick auf die dann zu erwartenden Bilanzen 25% „besser“, 23% „schlechter“ und 44% „kein Unterschied“.

Die Zweifel, dass die amtierende Bundesregierung vor Ablauf der Legislaturperiode zerbricht, sind eher gering: 22% aller Deutschen rechnen zurzeit mit einem vorzeitigen Bruch der Großen Koalition, 72%  glauben dagegen, dass Schwarz-Rot in dieser Konstellation bis zur für 2021 geplanten Bundestagswahl Bestand haben wird.   

Angela Merkel: Arbeit und Bundeskanzlerin bis 2021

Wie gewohnt bewertet eine klare Mehrheit von zurzeit 73% (Jul: 73%; Aug: 70%) der Deutschen die Arbeit Angela Merkels als Bundeskanzlerin eher positiv, 23% (Jul: 23%; Aug: 26%) sprechen von „alles in allem gesehen“ eher schlechter Arbeit.

Ebenfalls ohne große Veränderungen zu den letzten Messzeitpunkten fänden es 73% (Mrz-I: 71%; Mai: 68%) der Deutschen prinzipiell gut, wenn Angela Merkel – wie von ihr angekündigt – bis 2021 Bundeskanzlerin bleibt, 24% (Mrz-I: 27%; Mai: 29%) fänden das nicht gut. Zustimmung für einen Verbleib Merkels im Kanzleramt bis 2021 kommt von 88% der Unions-, 71% der SPD-, 69% der FDP-, 59% der Linke- und 85% der Grünen-Anhänger, im AfD-Lager bewerten das umgekehrt 75% negativ. 

Ansehen der Parteien in Deutschland

Was die Reputation der Parteien in Deutschland betrifft, fällt die AfD massiv vom Ansehen aller anderen Parteien nach unten ab: Auf der +5/-5-Skala („halte sehr viel“ bis „halte überhaupt nichts“ von dieser Partei) kommt die AfD im Schnitt auf sehr schlechte -3,3. Symptomatisch ist hierbei eine inzwischen extreme Polarisierung: Während die AfD-Anhänger ihre bevorzugte Partei meist sehr positiv bewerten, geben klare Mehrheiten in sämtlichen anderen politischen Lagern der AfD jeweils die schlechteste mögliche Note. Das beste Ansehen unter den Parteien haben mit durchschnittlich 1,5 inzwischen die Grünen, gefolgt von der CDU mit 1,4 und der SPD mit 0,8. Die CSU erreicht 0,3, die FDP liegt bei -0,1 und die Linke bei -0,4. Während sich die von Beginn an negative Reputation der AfD in den letzten fünf Jahren nochmals erheblich verschlechtert hat, haben sich die Grünen und – allerdings auf deutlich geringerem Niveau – die Linke in einem längerfristigen Rückblick imagebezogen erheblich verbessert. 

* Rundungsbedingt müssen sich die Prozentwerte nicht unbedingt auf 100% addieren und die Abweichungen zur letzten Umfrage nicht gegenseitig aufheben. Der Fehlerbereich beträgt bei 1.250 Befragten und einem Anteilswert von 40% rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10% rund +/- zwei Prozentpunkte.  

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