Politik

Politbarometer Bürger haben großes Vertrauen in die Wirtschaftskompetenz von CDU und CSU / FDP tief im Umfrage-Keller

Union profitiert weiter von Krise

Archivartikel

Mannheim.Der Höhenflug der CDU/CSU hält auch im aktuellen Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen an. Unverändert 39 Prozent in der Sonntagsfrage, das ist für die Union schon ein Pfund, mit dem sie wuchern kann. „Sie profitiert in der Corona-Krise besonders vom großen Vertrauen der Bürger in ihre Wirtschaftskompetenz. Keine andere Partei schneidet da so gut ab“, sagt Matthias Jung von der Forschungsgruppe. Dieses Vertrauen war nach Jungs Worten schon immer groß, hat aber in den vergangenen Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs keine besondere Rolle gespielt und sich deshalb nicht so sehr stark auf Umfragen oder Wahlen ausgewirkt.

„Schwankungen immer möglich“

Heißt das, die 39 Prozent sind so etwas wie das Ende der Fahnenstange, weshalb es für die Union auf Sicht eher abwärts als aufwärts geht – erst recht, wenn sich die Wirtschaft nicht so richtig erholt? „Das sehe ich nicht unbedingt so, die Werte der CDU/CSU haben sich jetzt auf diesem Niveau stabilisiert“, sagt Jung. Dennoch sind „starke Schwankungen nach oben und unten“ nach seiner Einschätzung immer drin, weil die Bindung der Wähler an eine bestimmte Partei seit Jahren immer lockerer und damit der Weg von der einen zur anderen immer kürzer wird. Volatilität nennen die Experten solche Schwankungen. „Denken Sie nur daran, wie stark die Union 2013 mit ihren 41,5 Prozent wurde, nachdem sie 2009 als Volkspartei fast schon für tot erklärt wurde“, vergleicht Jung.

Insgesamt gibt es bei den meisten Parteien eher wenig Bewegung, das gilt vor allem für die SPD und die Linke. Die Grünen, die vor Monaten mit der Union gleichauf bei 27 Prozent lagen, haben sich nach ihren Verlusten jetzt wieder berappelt und bei 20 Prozent eingependelt. Bei der AfD hält der Negativtrend dagegen weiter an. Sie hat in der Corona-Krise weitere Federn lassen müssen und ist mit ihren neun Zählern in der aktuellen Umfrage von ihren früheren Ergebnissen weit entfernt.

Dass die FDP jetzt zum zweiten Mal in Folge die Fünf-Prozent-Hürde nicht schafft, muss keine reine Momentaufnahme sein. „Diese negative Entwicklung zeichnet sich schon seit längerer Zeit ab“, sagt Jung. Nach seiner Analyse schwächelt die FDP auch, weil Parteichef Christian Lindner in der „Ein-Mann-Schau“ mit seinem „Profilierungs- und Polarisierungskurs immer häufiger aneckt“. Dadurch habe auch die Glaubwürdigkeit gelitten, mit der Partei werde auch eine gewisse Beliebigkeit verbunden.

Jung stellt aber auch grundsätzlich die Frage, auf welchem Platz sich die FDP im Parteienspektrum einordnen will oder überhaupt kann. Er sieht für die Liberalen sogar die Gefahr, dass sie zerrieben werden. Die Konkurrenz sei jedenfalls groß: Hier eine säkularisierte Union, dort die Grünen. Der Neoliberalismus sei kein Selbstläufer mehr, 2013 habe der damals noch starke wirtschaftspolitische Flügel der AfD der FDP viele Stimmen abgejagt, auch deshalb reichte es damals nicht mehr zum Einzug in den Bundestag. Auch jetzt gebe es eine gewisse Konkurrenz mit der AfD, beide Parteien hätten die Pandemie-Strategie der Bundesregierung scharf kritisiert, analysiert der Wahlforscher.

Umstrittene Corona-App

Das wichtigste Thema mit weitem Abstand bleibt natürlich die Corona-Pandemie. Mittlerweile glauben 60 Prozent der Befragten, dass für sie kein persönliches Gesundheitsrisiko besteht. Eine Mehrheit von 56 Prozent hält den Grad der Lockerungen für gerade richtig. 64 Prozent, und damit etwas weniger als in den Vormonaten haben den Eindruck, dass die Mitbürger sich unterm Strich eher vernünftig verhalten. Umstritten bleibt dagegen die Einschätzung der neuen Corona-App, die demnächst freigeschaltet werden soll. 54 Prozent der Befragten wollen sie nicht nutzen oder haben kein Smartphone. In der Generation 70plus will nur ein knappes Drittel mitmachen, fast ein Drittel der befragten hat kein Smartphone.

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