Politik

Bildung Washington nimmt geplante Regelung zur Ausweisung ausländischer Studierender zurück / Bildungsministerin Anja Karliczek begrüßt den Schritt

Universitäten weisen Trump-Regierung zurecht

Archivartikel

Washington.Wegen der Corona-Pandemie wollen viele US-Universitäten im Herbst nur Online-Kurse anbieten. Ausländische Studenten an diesen Hochschulen sollten nach dem Willen der US-Regierung die USA verlassen. Nun hat die Regierung eingelenkt – nach massiver Kritik an ihren Plänen. Die US-Regierung nimmt die geplante Visa-Regelung zurück. Das geht aus dem Protokoll der Anhörung eines Bundesgerichts in Boston hervor, bei der es am Dienstag (Ortszeit) um den Fall ging.

Die Maßnahme zielte auf ausländische Studenten an US-Universitäten. Sie sollten das Land verlassen oder an Hochschulen mit persönlichen Vorlesungen wechseln. Die Universitäten Harvard und MIT hatten gegen die Maßnahme geklagt. 180 US-Universitäten sowie 26 Städte und Bezirke schlossen sich der Klage an. Außerdem gingen 17 US-Bundesstaaten sowie der Hauptstadtbezirk Washington juristisch gegen die geplante Regelung vor.

Bitte an die Bundesregierung

Nach Angaben des Instituts für Internationale Bildung (IIE) studierten im akademischen Jahr 2018/2019 knapp 1,1 Millionen Ausländer in den USA, darunter fast 9200 Deutsche. Einer Übersicht des „Chronicle for Higher Education“ zufolge planen derzeit in den USA neun Prozent der Hochschulen, im Herbst nur Online-Vorlesungen abzuhalten – darunter Harvard.

Die geplante Regelung hatte unter ausländischen Studenten zu Verunsicherung geführt. Deutsche Studenten hatten die Bundesregierung um Unterstützung gebeten.

Der deutsche Harvard-Student Maximilian Klein sagte: „Studierende aus der ganzen Welt können endlich wieder aufatmen. Das rekordverdächtig schnelle Einknicken der US-Regierung offenbart, wie falsch und ungerecht die Visa-Regelung vom 6. Juli war.“

Karliczek begrüßt Kehrtwende

Deutschlands Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) reagierte erfreut auf die Kehrtwende der US-Regierung. „Die jüngste Ankündigung der amerikanischen Behörden zum Status ausländischer Studierender in den USA ist zu begrüßen“, sagte sie am Mittwoch.

Trump dringt auf eine Öffnung aller Schulen und Universitäten im Herbst. Er hatte die Pläne von Harvard, im Herbst ausschließlich online zu unterrichten, mit den Worten kommentiert: „Ich denke, dass sie es sich leicht machen, und ich denke, sie sollten sich schämen.“

Die geplante Regelung hatte Kritik an der Trump-Regierung hervorgerufen. Der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Joybrato Mukherjee, betonte: „Die US-Administration setzt damit ihre in jeder Hinsicht schädliche Abschottungs- und Ausgrenzungsagenda fort.“ Nach einer Analyse der Bildungsorganisation Nafsa tragen ausländische Studierende umgerechnet rund 36 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt der USA bei, das gut 20 Billionen Dollar umfasst. Sie helfen, fast 460 000 Arbeitsplätze zu sichern. dpa

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