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Waldbrände Staatsanwaltschaft ermittelt / Französischer Präsident Macron kündigt an, Mercosur-Abkommen abzulehnen

„Unser Haus brennt“

Archivartikel

Berlin/Paris/Brasilia.Angesichts der verheerenden Brände im Amazonas-Regenwald verstärken die Europäer den Druck auf Brasiliens rechtspopulistischen Staatschef Jair Bolsonaro. Der französische Präsident Emmanuel Macron kündigte am Freitag an, das jüngst ausgehandelte Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und vier südamerikanischen Staaten abzulehnen. Kanzlerin Angela Merkel schloss sich seiner Forderung an, die Brände im Amazonasgebiet auf die Agenda des G7-Gipfels zu setzen. Wenn die sieben großen Industrienationen am Wochenende zusammenkommen, „gehört auch nach Überzeugung der Bundeskanzlerin diese akute Notlage des Amazonas-Regenwaldes auf die Tagesordnung. Da hat der französische Präsident die Bundeskanzlerin ganz an seiner Seite“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag.

„Unser Haus brennt. Wortwörtlich“, hatte Macron am Donnerstagabend auf Twitter geschrieben. Bolsonaro war empört über Macrons Idee. „Der Vorschlag des französischen Präsidenten, die Probleme des Amazonas’ auf dem G7-Gipfel zu diskutieren, ohne die Länder der Region zu beteiligen, lässt aber auf eine kolonialistische Denkweise schließen,“ sagte er.

„Das Ausmaß der Brände im Amazonasgebiet ist erschreckend und bedrohlich. Und nicht nur für Brasilien und die anderen betroffenen Länder, sondern für die ganze Welt“, sagte Seibert. Der Amazonas-Regenwald sei im globalen Klimasystem und für die globale Artenvielfalt von herausragender Bedeutung. Es sei nicht übertrieben, ihn die grüne Lunge der Welt zu nennen.

Viele Wissenschaftler und Umweltverbände gehen davon aus, dass ein Fünftel des weltweiten Sauerstoffs über das riesige Waldgebiet rund um den südamerikanischen Fluss in die Erdatmosphäre gelangt.

Die EU-Kommission beobachte die Feuer mit großer Sorge und sei bereit zu helfen, sagte Sprecherin Mina Andreeva. Das beste Instrument der EU, Einfluss auf die brasilianische Regierung auszuüben, sei das Mercosur-Abkommen. Dieses verpflichte die Vertragspartner, darunter Brasilien, auf Einhaltung von Umweltstandards und des Pariser Klimaabkommens von 2015.

Schulze stellt Vertrag infrage

Das Ende Juni vereinbarte Mercosur-Abkommen ist allerdings noch nicht von den EU-Staaten unterschrieben. Mit dem Vertrag wollen die EU und Argentinien, Brasilien, Paraguay sowie Uruguay die größte Freihandelszone der Welt aufbauen. Brasilien und Argentinien möchten vor allem Agrarprodukte wie Fleisch und Soja an die EU-Staaten verkaufen. Macron warf Bolsonaro vor, ihn beim Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) im Hinblick auf Zusagen zum Umweltschutz angeschwindelt zu haben.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat angesichts des Umgangs Brasiliens mit dem Amazonas-Gebiet das Handelsabkommen in Frage gestellt. Brasilien habe Hilfe für den Erhalt des Regenwalds verdient, aber die Hilfe dürfe „nicht mit einer nationalen Politik der verstärkten Rodung konterkariert werden“, teilte die SPD-Politikerin am Freitag mit. „Und für mich ist klar: Ein Mercosur-Handelsabkommen ohne Schutzgarantien für den Regenwald ist nicht verantwortbar“, sagte Schulze.

Bolsonaro kündigte auf dem Nachrichtenportal G1 an, Soldaten könnten bei der Brandbekämpfung helfen. Die brasilianische Justiz leitete inzwischen erste Ermittlungen ein. Medienberichten zufolge hatten Landwirte im Südwesten des Bundesstaats Pará Brände entfacht, um neue Weideflächen zu schaffen. Nun soll laut Staatsanwaltschaft geprüft werden, warum der von Bauern angekündigte „Tag des Feuers“ vor einer Woche nicht verhindert wurde.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung „Folha de S. Paulo“ berichtete. Insgesamt wurden demnach 72 843 Brände registriert. dpa

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