Politik

Geheimdienste Seit fünf Jahren genießt Edward Snowden Asyl in Russland / Er lebt dort so zurückgezogen wie möglich

Unsichtbar – und fast vergessen

Archivartikel

Moskau/Washington.Nach fünf Jahren Asyl in Russland hat Edward Snowden (Bild) keine Angst vor seinen Gastgebern. Mit scharfer Zunge teilt der US-Whistleblower aus gegen Präsident Wladimir Putin und dessen Führung. „Die russische Regierung ist in vielerlei Hinsicht korrupt“, sagte der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Ende Juni der „Süddeutschen Zeitung“. Damals stand Putin gerade als Gastgeber der Fußball-WM im Rampenlicht, an deren Glanz nichts kratzen sollte. Snowden fuhr die Krallen aus: „Die Russen sind warmherzig, sie sind klug. Ihre Regierung ist das Problem, nicht das Volk.“

Flucht über Hawaii und Hongkong

Fünf Jahre ist es her, dass der damals von den USA meistgesuchte Mensch nach einer Hollywood-reifen Flucht Asyl in Russland bekam. 2013 hatte Snowden Journalisten im großen Stil vertrauliche Dokumente über massive Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA und anderer Dienste zugespielt. Seine Enthüllungen wirken bis heute nach. Gegner sehen in Snowden einen Verräter, Anhänger wünschen ihm den Friedensnobelpreis. Zunächst floh Snowden von Hawaii nach Hongkong, dann flog er weiter nach Moskau. Eigentlich wollte er in der russischen Hauptstadt nur umsteigen. Doch die USA hatten seinen Pass in der Zwischenzeit für ungültig erklärt.

Plötzlich saß Snowden fest – im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo. Medien nannten ihn das „Phantom von Moskau“, kaum einer bekam ihn in den gut sechs Wochen zu Gesicht. In zahlreichen Ländern ersuchte er um Schutz, auch in Deutschland. Am 1. August 2013 gewährte ihm Russland Asyl. Es gilt noch bis 2020.

Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit lebt Snowden seitdem in Russland. Er twittert viel, tritt per Videoschalte bei Konferenzen zu Pressefreiheit und IT-Sicherheit auf. Immer wird dabei penibel darauf geachtet, dass sein Standort geheim bleibt. Ansonsten kommuniziert er über seine Anwälte.

Trotz aller Geheimhaltung lebt der 35-jährige Snowden nach eigener Darstellung ein weitgehend normales Leben. „Die Leute haben diese Vorstellung, dass ich auf einer Militärbasis oder in einem Palast lebe, mit bewaffneten Wachen (...) vor der Tür. Aber nein, ich wohne in einer gewöhnlichen Wohnung zusammen mit meiner Freundin Lindsay, und ich zahle Miete wie jeder andere auch“, sagte er. Seine Freundin war vor einigen Jahren zu ihm gezogen. „Ich benutze keine Kreditkarten, und ich versuche, mein Privatleben so weit wie möglich von der Öffentlichkeit fernzuhalten“, so Snowden.

Aus Trumps Blick verschwunden

In den USA wird Snowden per Haftbefehl gesucht. Prophylaktisch ergingen Auslieferungsersuchen an mehrere Länder. Im Falle einer Rückkehr würde Snowden nach jetzigem Stand in drei Punkten angeklagt, davon in zwei Punkten auf Grundlage des Spionage-Gesetzes.

Demnach würde Snowden nur vor einem Richter stehen, eine Jury gäbe es nicht. Alle drei Punkte der Strafanzeige sehen jeweils eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren vor. Unklar ist, ob die Justiz eine Anklage nicht doch um weitere Punkte erweitern würde. Sowohl Präsident Donald Trump als auch der Ex-CIA-Chef und jetzige Außenminister Mike Pompeo favorisieren die Todesstrafe.

Im Fall Snowden liegen bei Trump Welten zwischen Worten und Taten. Wie hat er dem Whistleblower mit Twitter-Salven zugesetzt, bevor er das Präsidentenamt antrat: Lügner, Betrüger, Spion, eine Schande, ein menschliches Stück Müll – ein Verräter, der hingerichtet werden müsse. Im Wahlkampf versprach Trump vollmundig „Schaut, wenn ich Präsident bin, sagt Putin zu Snowden: Hey, zack, du bist weg. Das versichere ich euch.“

Zurück zur Realität. Als Präsident habe Trump kein Verlangen gezeigt, Putin mit dem Fall Snowden zu konfrontieren, schreibt das Nachrichtenmagazin „Politico“. Dieser sei von Trumps Aufgabenliste praktisch verschwunden. Die US-Presse spekuliert, ob Trump und Putin den Fall auf ihrem Gipfel im Juli in Helsinki angesprochen haben.

Nach russischer Darstellung war das nicht der Fall. Putin hatte schon 2013 betont: „Russland liefert niemals niemanden nirgendwohin aus und plant dies auch nicht.“ Damals trug die Causa Snowden zu den schlechten Beziehungen zwischen Moskau und Washington bei: Der damalige Präsident Barack Obama sagte einen Besuch in Moskau ab. Was Russland vom Asyl für Snowden hat, darüber wird viel spekuliert. Experten sagen, er sei für den Kreml nützlich. Denn so könne sich der Ex-Geheimdienstler Putin als Wahrer der Menschenrechte darstellen, der einen Whistleblower vor den Fängen der USA schützt. 

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