Politik

USA: Sanders gewinnt zweite Vorwahl der Demokraten

Bernie Sanders lässt seine Anhänger in der Sportarena warten. Die stehen geduldig mit ihren blau-weißen "Bernie"-Schildern auf der Bühne. Doch der Kandidat möchte Gewissheit haben, bevor er zu ihnen spricht. Es wird eng bei den Vorwahlen in New Hampshire, die der Senator aus dem benachbarten Vermont 2016 gegen Hillary Clinton mit 22 Punkten Vorsprung gewonnen hatte.

Seit die letzten Wahllokale gegen acht Uhr abends geschlossen hatten, melden die großen TV-Sender "To Early to Call", was so viel heißt wie, es liegen nicht genügend Zahlen vor, einen Wahlsieger auszurufen. Sanders führte von Anfang an, aber sein Vorsprung auf Pete Buttigieg schrumpfte am Wahlabend mit jeder weiteren Minute der Auszählung. Der vor kurzem noch weitgehend unbekannte 38-jährige "Mayor Pete" aus South Bend kam bis auf zwei Punkte (24 zu 26 Prozent) an den mit 77 Jahren ältesten Kandidaten im Bewerberfeld heran. Während Buttigieg begleitet von "Präsident Pete"-Rufen seinen Wählern in einer blumigen Rede dankte und versprach, "die Herausforderungen mit einer neuen Generation an Führern" zu meistern, riefen die ersten Sender Bernie zum Sieger aus.

Schlag 23 Uhr bricht dann ohrenbetäubender Jubel aus, als der weißhaarige Revolutionär zur Rockhymne "Power-to-the-People" auf die Bühne schreitet. "Dieser Sieg hier ist der Anfang vom Ende Donald Trumps", richtet Sanders den Fokus auf den Präsidenten, der im Windschatten der ersten Primaries eine bedenkliche Verfassungskrise ausgelöst hat. Weil sein Justizminister William Barr allzu offensichtlich in den Prozess gegen den Trump-Intimus Roger Stone intervenierte, traten am Dienstagabend alle vier an dem Verfahren beteiligeten Bundesanwälte aus Protest zurück. Daraufhin kündigte Barr an, er werde den Fall selber übernehmen. Ein unverhohlener Angriff auf die Unabhängigkeit der amerikanischen Justiz. Sanders nannte Trump "den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte unseres Landes" und gelobte Einheit. "Egal wer gewinnt, wir werden zusammenkommen." Das war ein wichtiger Satz aus dem Mund des Kandidaten, dessen bitterer Streit mit Hillary Clinton den Demokraten 2016 entscheidende Stimmen kostete.

Das Versprechen ging Bernie an diesem Abend leichter über die Lippen, weil er nach dem zweiten Platz in Iowa und dem Sieg in New Hampshire nun den klarsten Pfad zur Nominierung hat. Sanders konnte die Herausforderung um die Führung der Linken durch Elizabeth Warren abwehren. Die Senatorin landete mit enttäuschenden neun Prozent auf dem vierten Platz landete. Die Wähler entschieden sich lieber für das Original als Warren, die für alles einen Plan hatte, aber beim entscheidenden Thema Gesundheit vor allem für Verwirrung sorgte. Auch Buttigieg appellierte an den Zusammenhalt der Partei, die in New Hampshire so gut mobilisierte wie zuletzt 2008 als Barack Obama und Hillary Clinton um die Führung rangen. "Wählt (demokratisch) blau, egal wen", reimte er vor einem Meer an Sternenbannern. Auch er und seine Anhänger durften zufrieden sein. Am Ende nur zwei Punkte hinter Sanders zu liegen, war mehr als Analysten jemals vorauszusagen wagten.

Aufgrund des komplizierten Schlüssels holte Mayor Pete am Ende genauso viele Delegierte wie Bernie und liegt nach den ersten beiden Vorwahlen im Wettlauf um die Mehrheit auf dem Parteitag mit 23 zu 21 Delegierten knapp vorn. "Wir werden neue Verbündete für unsere Bewegung gewinnen", sagt Buttigieg mit Blick auf die nächsten Vorwahlen in Nevada und South Carolina. Dort muss er beweisen, nicht nur für Moderate weiße Wähler und Unabhängige wählbar zu sein. Dasselbe Problem wartet auf Amy Klobuchar, die mit sechs Prozent Abstand auf Sanders mit 20 Prozent einen überraschenden Achtungserfolg erzielte. "Hallo Amerika! Ich bin Amy Klobuchar und ich werde Donald Trump schlagen", sagte sie vor ihren jubelnden Unterstützern. Das Land brauche einen Wechsel. "Amy" profitierte vor allem von älteren Wählern und Kirchgängern, die lange Joe Biden unterstützt hatten bevor dessen Wahlkampf in New Hampshire eine politische Kernschmelze durchmachte. Sie hat weder Geld noch Personal, aus ihrem dritten Platz etwas zu machen.

Bis zum Super-Dienstag am 3. März bleiben ihr keine drei Wochen mehr. Biden hat das umgekehrte Problem. Für den über Monate als nationaler Spitzenreiter gesehenen ehemaligen Vizepräsidenten Barack Obamas können die Wahlen in South Carolina nicht schnell genug kommen. Er landete abgeschlagen hinter Warren mit 8 Prozent auf dem fünften Platz. Jetzt klammert er sich an der Phantasie fest, der Südstaat mit seinen schwarzen Wählern werde ihn wie ein Phönix aus der Asche aufsteigen lassen. Ein Szenario an dem selbst Mitarbeiter seines Wahlkampfteams hinter vorgehaltener Hand zweifeln.

Die Nachwahl-Umfragen zeigen, dass es für sechs von zehn Wählern der Demokraten besonders wichtig war, einen Kandidaten zu finden, der Trump schlagen kann. Die meisten trauten dies Buttigieg zu, gefolgt von Sanders und Klobuchar. Wie schon in Iowa punkte der Sieger von New Hampshire stark bei den Wählern unter 44 Jahren, Arbeitern und Gering-Verdienern. Die älteren bevorzugten Klobuchar, während der schwule Buttigieg ein eher ausgewogenes Altersprofil hat. Andrew Yang und Michael Bennett zogen als erste Kandidaten Konsequenzen aus ihrem schlechten Abschneiden und beendeten ihre Kandidatur. Sanders geht nach Einschätzung von Analysten nach dem Wahlsieg von New Hampshire als Favorit in die weiteren Rennen. "Das war eine gute Nacht für ihn", sagt Obamas ehemaliger WahlstrategeDavid Plouffe. Denn während die Zentristen ihre Stimmen aufspalten, kann sich Sanders auf eine geeinte Linke stützen, die es diesmal wissen will.

Zum Thema