Politik

Mordfall 14-Jährige in Wiesbaden tot aufgefunden / Ein Verdächtiger hat ungehindert Deutschland Richtung Irak verlassen können

Verbrechen heizt Asyldebatte an

Wiesbaden.Freiburg, Kandel und nun Wiesbaden? Der Fall der von zwei Männern vergewaltigten und ermordeten 14 Jahre alten Susanna ist nicht nur ein erschütterndes Verbrechen. Er ist politisch hochbrisant. Durch die Tat dürfte die Debatte um kriminelle Flüchtlinge und den Umgang mit abgelehnten Asylbewerbern neue Nahrung bekommen. Denn unter dringendem Verdacht stehen zwei Geflüchtete. Einer von ihnen konnte nach dem Verbrechen ungehindert das Flugzeug Richtung der irakischen Heimat besteigen, der andere, ein Türke und ebenfalls Asylbewerber, wurde festgenommen, gestern Abend aber wegen mangelndem Tatverdacht wieder freigelassen. Auf die Behörden kommen unangenehme Fragen zu, da der Iraker vorher mehrfach polizeilich auffällig war, auch unter Vergewaltigungsverdacht. Aus Sicht der Ermittler hatte sich der Verdacht nicht erhärten lassen.

„Ich bin sehr traurig und es fällt schwer, Worte zu finden, für das Leid und den Schmerz, den der Tod hinterlässt“, schreibt Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) auf Facebook und kondoliert der Familie aus Mainz. „Meine Gedanken und mein tiefes Mitgefühl sind bei den Angehörigen und Freunden des getöteten Mädchens.“ Andere sind mit ihren Gedanken längst bei der Asyldebatte. Von „Mord & Totschlag im Multi-Kulti-Wahn“ spricht der AfD-Politiker André Poggenburg in einer Twitter-Botschaft. Im Netz kocht Hass hoch. Andere rufen aber zu Besonnenheit auf, warnen vor Gleichsetzen der Tatverdächtigen mit allen Flüchtlingen. Es sei „widerlich“, wenn der tragische Fall von Rechtspopulisten ausgeschlachtet werde, heißt es in einem Kommentar unter den Tausenden, die sich zu Wort melden.Der Iraker Ali B. ist für die Ermittler nicht mehr greifbar. Auf den Flugtickets von ihm und seinen Verwandten standen andere Namen als auf den vorgelegten Aufenthaltsgenehmigungen, die Familie konnte unbehelligt ein Flugzeug in Düsseldorf in Richtung Türkei besteigen. Erst einen Tag später, so die Darstellung der Polizei, benennt ein Zeuge, der in derselben Unterkunft wohnte, den 20-Jährigen als Tatverdächtigen. Ali B. soll mit seiner Familie in den Irak gereist sein.

Parallelen zu Kandel

Holger Münch, der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), hat wiederholt vor Verallgemeinerungen über Flüchtlinge und Kriminalität gewarnt. „Es ist eine allgemeine Erkenntnis aus der Kriminologie, dass junge Männer sehr viel häufiger Straftaten begehen als andere Altersgruppen oder auch Frauen“, betonte er etwa in einem Interview. Der überwiegende Teil der Zuwanderer des Jahres 2015 sei männlich und unter 30 – da sei es nicht verwunderlich, wenn die Kriminalität ansteige.

Der Fall aus Wiesbaden erinnert an den Fall von Freiburg, wo ebenfalls ein Flüchtling eine junge Frau vergewaltigt hatte und sie ertrinken ließ. Hussein K. wurde dafür im März zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch im pfälzischen Kandel ist seit dem Tod der 15 Jahre alten Mia kurz nach Weihnachten nichts mehr so, wie es einmal war. Als dringend tatverdächtig gilt dort der Ex-Freund des Mädchens, ein Asylbewerber aus Afghanistan. Der Prozess beginnt diesen Monat. Seit der Tat kommt der Ort nicht zur Ruhe. Immer wieder demonstrieren Gruppen gegen die Flüchtlingspolitik und treffen dabei auf Gegendemonstrationen.

Der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller sagt, dass ein Verbrechen wie das an Susanna auch nach vielen Jahren der Polizeiarbeit schwer fassbar sei. Er erinnert daran, dass nicht nur die mutmaßlichen Täter Flüchtlinge sein: „Auch wenn ein irakischer Staatsangehöriger dringend tatverdächtig ist, muss gesagt werden, dass ein 13-jähriger Geflüchteter durch seine Aussage entscheidend dazu beigetragen hat, dieses Verbrechen aufzuklären.“

Zum Thema