Politik

SPD I Die neue Chefin der hessischen Landtagsfraktion, Nancy Faeser, verteidigt die Auswahl des Vorsitzes

„Verfahren bietet Chancen“

Archivartikel

Wiesbaden.Die 49-jährige Nancy Faeser ist am Mittwoch als Nachfolgerin Thorsten Schäfer-Gümbels zur neuen Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten und damit Oppositionsführerin im Hessischen Landtag gewählt worden. Anfang November soll sie auch seine Nachfolge als SPD-Landesvorsitzende antreten. Im Gespräch mit dieser Zeitung äußert sie sich zu ihrem neuen Amt und zur Bundespolitik.

Frau Faeser, Sie übernehmen den Fraktions- und demnächst auch den Landesvorsitz der SPD in Hessen in einer schwierigen Zeit für die Sozialdemokratie. Freuen Sie sich trotzdem auf die neue Aufgabe?

Nancy Faeser: Ja, ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe, schon weil sie die Möglichkeit bietet zu gestalten. Ich weiß um die schwierigen Zeiten. Es ist eine besondere Herausforderung in diesen Tagen, die Sozialdemokratie, die durch die letzte Landtagswahl in Hessen noch geschwächt ist, wieder zu alter Stärke zurückzuführen. Aber ich nehme diese Herausforderung gerne an.

Werden Sie bei der nächsten Landtagswahl als Ministerpräsidentenkandidatin antreten oder ist das für die SPD eine zu hohe Hürde?

Faeser: Die SPD sollte immer den Anspruch haben, den Regierungschef oder die Regierungschefin stellen zu können, gerade in einem Bundesland wie Hessen. Wir haben ja hier lange sehr erfolgreiche Ministerpräsidenten gehabt, die das Land nach vorne gebracht haben. Da gab es wichtige Reformen, etwa den frühen und erfolgreichen Ausgleich zwischen Stadt und Land. Ob ich in diese Reihe trete, werden wir wohl in dreieinhalb Jahren sehen.

Die Wahl des neuen Bundesvorsitzes wird von vielen als quälend empfunden. Was läuft da schief?

Faeser: Wir haben nach den schwierigen Zeiten in der Bundes-SPD einen demokratischen Prozess gefunden, bei dem sich möglichst viele beteiligen können. Ich finde es richtig, den Mitgliedern die Wahl der Bundesvorsitzenden zu überlassen. Und richtig ist auch, dass wir viele Regionalkonferenzen machen und nicht wie die CDU nur ganz wenige, weil es den Mitgliedern vor Ort ja sonst schwierig wäre, daran teilzunehmen. Solche Prozesse dauern dann natürlich auch. Aber wenn man die Mitglieder mitnehmen will, geht es kaum anders. Das Verfahren bietet ja auch Chancen für alle und nicht nur die in der ersten Reihe.

Werden Sie auch für einen Sitz im neuen Bundesvorstand der SPD antreten, und wenn ja für welche Position?

Faeser: Wenn ich das tue, dann auf jeden Fall nur als Mitglied des Bundesvorstands und für keine weitergehende Position. Aber ich habe das noch nicht entschieden und schaue erst einmal, wie ich die Aufgabe in Hessen ordentlich bewältige.

Wie stehen Sie zur Fortsetzung oder Aufkündigung der Groko?

Faeser: Für mich ist entscheidend, was wir in der Koalition mit CDU/CSU für die Menschen bewirken können. Dabei ist ein ganz wesentlicher Punkt, ob wir es schaffen, die Grundrente einzuführen. Das würde sehr vielen Menschen in Deutschland helfen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, aber kaum mit der Rente über die Runden kommen. Wenn wir in der Koalition etwas Gutes bewirken für die Menschen, bin ich für eine Fortführung. Verbesserungen für die Menschen sind wichtiger als die Frage, ob man gut oder schlecht dasteht in einer Koalition.

Das Interview wurde persönlich geführt und Nancy Faeser vor Veröffentlichung zur Autorisierung vorgelegt.

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