Politik

„Vertrauen ist das Wichtigste“

Archivartikel

Berlin.Carsten Holtkamp ist Berater für strategische Kommunikation im weltweiten Agenturnetzwerk Kreab und spezialisiert auf Krisen-Kommunikation. Unser Berliner Korrespondent Werner Kolhoff sprach mit dem 43-Jährigen über die bisherige Öffentlichkeitsarbeit der Regierung in Sachen Corona.

Herr Holtkamp, was ist in der Kommunikation zu Corona schiefgelaufen, dass die Menschen Toilettenpapier, Ravioli und Desinfektionsmittel hamstern?

Carsten Holtkamp: Nichts. Man muss zwischen berechtigter Besorgnis und Panik unterscheiden. Wenn sich eine Familie für den Fall einer Quarantäne-Situation vorbereitet und ihre Vorräte aufstockt, dann ist das rational.

Worauf kommt es in der Kommunikation im Fall einer beginnenden Pandemie an?

Holtkamp: Das ist eine Gratwanderung zwischen dem Aufruf zur Wachsamkeit, der nötig ist, und Alarmismus, den man vermeiden muss. Die Verwaltungen müssen ihre Glaubwürdigkeit auf allen Ebenen bewahren, damit die Menschen ihnen weiter vertrauen und den Hinweisen folgen. Dafür ist wichtig, dass sie zu jedem Zeitpunkt ehrlich sagen, was sie wissen und was nicht, was hilft und was nicht hilft.

Verlangt wird etwas Abstraktes: Die Leute sollen sich schützen, nicht weil die Krankheit an sich für die meisten gefährlich ist, sondern um die Ausbreitung zu verlangsamen. Und um vor allem die Älteren zu schützen. Gelingt es, das zu vermitteln?

Holtkamp: Ja, das gelingt sogar besser als beim Thema Eindämmung. Das Motto ist: Aus Solidarität mit den Verwundbaren opfern wir jetzt zeitlich begrenzt einige Freiheiten und Gewohnheiten und nehmen dafür auch Konsequenzen in Kauf. Das kommuniziert Gesundheitsminister Jens Spahn unentwegt.

Macht Jens Spahn bisher einen guten Job?

Holtkamp: Vor allem sein öffentliches Zusammenspiel mit den Experten vom Robert Koch-Institut ist gut. Er formuliert auch sehr klar, was das erste Ziel ist: eine Verlangsamung der Ausbreitung, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Und er übernimmt Führung, wie etwa bei der Empfehlung, Veranstaltungen mit über 1000 Leuten abzusagen. Das gibt Orientierung.

Hätten Sie irgendetwas anders gemacht?

Holtkamp: Es gibt Diskrepanzen. Einerseits signalisiert man den Leuten: Händewaschen oder in die Armbeuge niesen reicht schon als Vorsorge. Andererseits werden ganze Messen abgesagt. Das muss besser erklärt werden.

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