Politik

Syrien II Russland und Türkei vereinbaren weitere Feuerpause und gemeinsame Patrouillen im Norden

Waffenruhe um 150 Stunden verlängert

Archivartikel

Sotschi.Russland und die Türkei haben für den Norden Syriens in mehr als sechsstündigen Verhandlungen eine längere Waffenruhe und einen weiteren Abzug der Kurdenmiliz YPG ausgehandelt. Sie vereinbarten zudem gemeinsame Patrouillen in der Region, wie die Außenminister beider Länder am Dienstag in Sotschi mitteilten.

Die Feuerpause für den YPG-Abzug, die am Abend enden sollte, wurde um 150 Stunden – oder etwas mehr als sechs Tage – bis kommenden Dienstag verlängert, hieß es nach einem Treffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit Kremlchef Wladimir Putin.

Die beiden Staatschefs hatten in dem Kurort am Schwarzen Meer zuvor mehr als sechs Stunden miteinander verhandelt. Russland unterstützt im Syrien-Konflikt vor allem den umstrittenen Machthaber Baschar al-Assad, pflegt aber als Vermittler auch enge Kontakte zur Türkei. Laut der Vereinbarung sollen ab Mittwochmittag russische Militärpolizei und „syrische Grenzwächter“ die „Entfernung der YPG-Elemente und ihrer Waffen“ aus einem Gebiet bis zu 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt unterstützen.

Zudem solle sich die Kurdenmiliz aus dem Gebiet Manbidsch vollständig zurückziehen. Das soll nach rund sechs Tagen vollendet sein. Nach Kremlangaben telefonierte Putin nach dem Treffen mit Assad. Dieser habe dem Kremlchef gedankt und ihm die volle Unterstützung für die Entscheidung zugesichert.

„Historische Vereinbarung“

Erdogan nannte das Memorandum eine „historische Vereinbarung“. Sein Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun twitterte, die Einigung markiere den „Beginn einer neuen Ära“ der türkisch-russischen Beziehungen. Altun warnte aber auch, dass das Abkommen eine zuvor mit den USA getroffene Vereinbarung über den vollen Abzug der YPG aus dem Grenzgebiet unberührt lasse.

Nach dieser Vereinbarung hatte die Türkei mit der Wiederaufnahme der Offensive gedroht, sollten „die Versprechen“ nicht gehalten werden. „Die Terroristen haben weitere 15 Minuten“, twitterte er. Nach US-Angaben hat sich die Kurdenmiliz YPG aus einer von den USA und der Türkei vereinbarten Sicherheitszone in Nordsyrien zurückgezogen. Der Kommandeur der von der YPG dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi, habe US-Vizepräsident Mike Pence in einem Schreiben darüber informiert, teilte Pences Büro am Dienstag mit. Abdi habe mitgeteilt, dass die SDF-Kämpfer aus dem „relevanten Operationsgebiet“ abgezogen seien. Pences Büro teilte weiter mit: „Der Vizepräsident begrüßt diese Entwicklung und sieht darin die Erfüllung der Bedingungen des Abkommens vom 17. Oktober, was den Rückzug der YPG betrifft.“

Die Türkei hatte am 9. Oktober zusammen mit syrischen Rebellen einen Feldzug gegen die YPG im Norden des Landes begonnen. Die Türkei betrachtet die YPG, die an der Grenze zur Türkei ein großes Gebiet kontrollierte, als Terrororganisation. Ziel der Offensive war es, entlang der Grenze eine Zone unter türkischer Kontrolle zu schaffen, aus der sich alle Kurdenmilizen zurückziehen sollten. dpa

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