Politik

Politbarometer April I 2018 (KW 15, Teil II)

Wahlberechtigte sehen Führungsstärke der Kanzlerin eher kritisch

Zusammenarbeit in der Bundesregierung

In dieser Woche der Klausurtagung der Bundesregierung auf Schloss Meseberg sind die Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit in der Bundesregierung ebenfalls von Skepsis geprägt: 50% (März: 44%) gehen davon aus, dass CDU/CSU und SPD in der Bundesregierung in den nächsten Jahren eher schlecht zusammenarbeiten werden, 43% erwarten, die Zusammenarbeit werde insgesamt eher gut funktionieren (März: 50%), 7% antworten mit „weiß nicht“ (März: 6%). Lediglich die Unions- (55%) und die SPD-Anhänger (51%) rechnen tendenziell eher mit einer gedeihlichen Zusammenarbeit, in allen anderen Parteianhängerschaften überwiegen die Zweifel.

Hält die Koalition bis 2021?

Obwohl die Befragten vom Start der Bundesregierung keinen guten Eindruck und an ihrer künftigen Zusammenarbeit große Zweifel haben, glaubt weiterhin eine Mehrheit von aktuell 65% (März: 70%), dass die Koalition für die volle Legislaturperiode halten wird. 30% gehen davon aus, dass es schon vor der nächsten regulären Bundestagswahl im Herbst 2021 zu einem Bruch kommen wird (März: 26%), 5% machen hier keine Angabe (März: 4%). In allen Parteianhängergruppen, mit Ausnahme der der AfD, glaubt jeweils eine Mehrheit, dass die Große Koalition hält. Die SPD-Anhänger zeigen sich davon allerdings weniger überzeugt (63%) als die der CDUCSU (75%).

Beurteilung der Arbeit der Bundeskanzlerin

Minimal schlechter als in der letzten Zeit bewerten die Befragten die Arbeit der Kanzlerin: 64% sind jetzt der Meinung, Angela Merkel mache ihre Sache als Regierungschefin eher gut (Februar-II: 68%; März: 68%), 32% beurteilen ihre Leistungen eher negativ (Februar-II: 27%; März: 30%), 4% antworten mit „weiß nicht“ (Februar-II: 5%; März: 2%). Bis auf die AfD-Anhängerschaft sagt jeweils eine mehr oder weniger große Mehrheit in allen anderen Parteianhängergruppen, Angela Merkel würde ihre Arbeit als Bundeskanzlerin eher gut machen. 

Führungsstärke der Kanzlerin

Die momentane Führungsstärke der Kanzlerin in der neuen Großen Koalition sehen die Wahlberechtigten eher kritisch: Nur 33% meinen, Angela Merkel zeige in der neuen Bundesregierung Führungsstärke, 58% schätzen dies nicht so ein, 9% urteilen darüber nicht. Während sich die Unionsanhänger hier uneins sind (Führungsstärke: 45%; nein: 47%), attestieren in den anderen Parteianhängergruppen jeweils nur Minderheiten der Kanzlerin Führungsstärke.

Gewünschte Koalition

Wenn es um die gewünschte Koalition nach der nächsten Bundestagswahl geht, liegen drei Modelle in der Präferenz der Befragten ungefähr gleichauf: 14% hätten gerne weiterhin eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD (März: 18%), 11% sprechen sich für Rot-Grün aus (März: 10%) und 13% sind für Schwarz-Gelb (März: 13%). 9% der Befragten plädieren für ein Bündnis aus CDU/CSU und Grünen (März: 5%). Noch geringer fällt der Zuspruch für eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen mit jetzt 5% (März: 5%) sowie für Rot-Rot-Grün mit 4% (März: 5%) aus. Insgesamt 22% nennen verschiedene sonstige Konstellationen (März: 20%), 22% machen bei dieser Frage keine Angabe (März: 24%). 

Beurteilung von Spitzenpolitikern in Deutschland

Beim letzten Mal konnten die Befragten neu bestimmen, wer ihrer Meinung nach zu den zehn wichtigsten Politikerinnen und Politikern in Deutschland gehört: Erstmals im Ranking vertreten ist jetzt Finanzminister Olaf Scholz, wieder zu den Top Ten gehören nach einer mehr oder weniger langen Pause Außenminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Ausgeschieden sind Cem Özdemir, Markus Söder und Martin Schulz. Die meisten Politiker, die auch bislang schon auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker vertreten waren, werden etwas schlechter als zuletzt eingestuft. Die Beurteilung nach Sympathie und Leistung wurde wie immer mittels der Skala von +5 bis -5 (halte sehr viel von / halte gar nichts von) vorgenommen.

Im Einzelnen ergibt sich in den letzten Monaten folgende Entwicklung:

Beurteilung der zehn wichtigsten Politiker:

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble führt das Ranking mit einer leicht verschlechterten Beurteilung von 1,9 weiter an. Ebenfalls mit Verlusten folgt der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel, der mit 1,3 eingestuft wird. Neueinsteiger Olaf Scholz wird bei 1,1 gesehen. Mit einem Durchschnittswert von ebenfalls 1,1 wird Bundeskanzlerin Angela Merkel beurteilt, deren Benotung zuletzt im Spätsommer 2016 ähnlich schwach ausgefallen war. Die beiden Wiedereinsteiger Heiko Maas und Ursula von der Leyen kommen auf 0,7 bzw. 0,3. Die Linke-Ko-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht wird erneut mit 0,3 eingestuft, minimal verbessert auf 0,2 hat sich die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles. FDP-Chef Christian Lindner wird unverändert mit 0,2 bewertet, Bundesinnenminister Horst Seehofer fällt auf 0,1 zurück. 

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