Politik

Ursachen Der Mannheimer Politikwissenschaftler Thomas König analysiert das Ergebnis der AfD bei der Landtagswahl in Thüringen

„Wahlerfolg kommt aus der Mitte“

Archivartikel

Mannheim.Thomas König, Politikwissenschaftler der Uni Mannheim, sieht die Ursachen für das starke Abschneiden der AfD bei der Wahl in Thüringen in dem Ruck der Linken in die politische Mitte und in strukturellen Problemen auf dem Land.

Herr König, Björn Höcke spricht von einem „grandiosen Wahlerfolg“ für die AfD. Stimmen Sie zu?

Thomas König: Wenn man die Wahlergebnisse betrachtet, dann hat die AfD viel erreicht – das ist sicherlich ein Wahlerfolg. Ähnliches haben wir ja auch bei den Wahlen in Sachsen und Brandenburg erlebt.

Welche Ursachen haben denn zu diesem Ergebnis geführt?

König: Wenn man sich die Wahlen - nicht nur in Thüringen, sondern auch in Brandenburg und Sachsen - anschaut, lohnt sich ein Blick auf die Verteilung der Erststimmen. Dabei fällt auf, dass sich in allen drei Ländern ein Wettbewerb zwischen der AfD auf der einen Seite und der jeweiligen Regierungspartei auf der anderen Seite entwickelt hat. Die jeweiligen Regierungsparteien repräsentieren gewissermaßen die Mitte und die AfD ist dort als Gegenpol zum stärksten Mitbewerber geworden. Es ist nicht so, dass die AfD nur von Rechtsextremen gewählt wird. Der zahlenmäßige Wahlerfolg kommt ja von Wählern aus der Mitte und von früheren Nichtwählern.

Nun ist in Thüringen die Ausgangslange zur Regierungsbildung denkbar schwer. Spielt das der AfD in die Karten?

König: Die AfD hat in Thüringen vor allem in den ländlichen, strukturschwachen Kreisen gewonnen, in Brandenburg und Sachsen vor allem in den strukturschwachen Grenzgebieten der Republik. Nachdem die Linke ihre protektionistische Agenda aufgegeben hat, bleibt nur noch die AfD, die verspricht, die strukturschwachen Gebiete vor Konkurrenz etwa in einem europäischen Binnenmarkt zu schützen. Das erklärt die unterschiedlichen Wahlergebnisse innerhalb der drei Länder besser als die vielfach zitierten Ost versus West-Vergleiche. Wenn es den anderen Parteien nicht gelingt, diese Fragen anzugehen, kann das der AfD in die Hände spielen – unabhängig davon, ob das eine Minderheits- oder Mehrheitsregierung sein wird.

Die Thüringer AfD gehört ja eher dem rechten Flügel der Partei an. Wird sich das Machtgefüge innerhalb der Partei nun verschieben?

König: Das kann passieren. Die Frage, die sich stellt, ist, inwieweit sich eine zahlenmäßig relativ kleine, aber effektive Gruppe innerhalb der Partei durchsetzen kann. Das wird sicherlich sehr spannend. Dass diese Gruppen dort vertreten sind und man sie auch gewähren lässt, ist offensichtlich. Interessant wird aber auch, wie die anderen Parteien mittelfristig mit der AfD umgehen werden, ob es eher Minderheitsregierungen geben wird, oder man die AfD – wie die Linken – irgendwann auch an einer Regierung beteiligen wird.

Das Interview wurde telefonisch geführt und zur Autorisierung vorgelegt.

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