Politik

Pandemie Gesundheitsbehörden sind angesichts steigender Corona-Fallzahlen entsetzt über Pläne des US-Präsidenten

Wahlkampf als Risiko-Veranstaltung

Archivartikel

Washington.Das Wahlkampfteam des US-Präsidenten prahlt damit, mehr als eine Million Interessierte hätten sich für Donald Trumps erste Kundgebung seit Beginn der Pandemie angemeldet. Wer ein Ticket für die Veranstaltung in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma haben möchte, muss auf der Webseite eine Erklärung unterschreiben, die Trump von jeder Verantwortung für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus freihält. Sicher ist sicher. Tulsas Gesundheitsbehörden sind angesichts steigender Infektionszahlen entsetzt über den Plan des Präsidenten, an diesem Samstag 19 000 Menschen in eine Veranstaltungshalle zu packen.

„Covid ist in Tulsa und verbreitet sich sehr effizient“, warnt der Direktor der Behörde Bruce Dart. Trump möchte mit seinen Kundgebungen Normalität demonstrieren. Die „radikale Linke“ habe kein Problem „mit Randalierern und Plünderern“, versuche aber, Covid zu benutzen, „um uns mit Scham von großen Kundgebungen abzuhalten“, twitterte der Präsident am Montag. „Das wird nicht funktionieren!“

Kritiker halten dem Präsidenten vor, die Gesundheit und das Leben seiner Anhänger zu riskieren. „Er sorgt sich mehr darum, seine Wiederwahl zu gewinnen, als Amerikaner zu schützen“, sagt etwa Joe Bidens Sprecher T.J. Ducklo. „Deshalb ignoriert er mit seinen Kundgebungen die Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC, obwohl in mehr als 20 Bundesstaaten die Covid-19-Fallzahlen steigen.“ Dazu gehören neben Oklahoma auch Alabama, Arizona, Florida, North Carolina und Texas, wo Trump in den kommenden Wochen Kundgebungen abhalten will. Weil der Gouverneur von North Carolina für den Parteitag der Republikaner im August auf Abstandsregeln bestand, verlegte der Präsident seine Re-Nominierung nach Jacksonville in Florida.

Trump benutzte die „Black-Lives-Matter“ („Schwarze Leben sind wertvoll“)-Proteste, um den Fokus der Regierung von der Pandemie zu nehmen. Es gibt keine Covid-19-Briefings mehr. Im Weißen Haus trägt kaum jemand Maske oder befolgt die von der Gesundheitsbehörde empfohlenen Abstandsregeln werden. Der Infektions-Berater der Regierung Anthony S. Fauci warnte vor den Konsequenzen, falls die Wachsamkeit nachlasse. „Das ist mein schlimmster Alptraum.“

200 000 Tote befürchtet

Angesichts der rapide steigenden Fallzahlen in Bundesstaaten, die sich bei der Lockerung der Schutzmaßnahmen nicht an die Richtlinien der Behörden halten, gehen Experten der University of Washington von einem Anstieg der Corona-Toten auf rund 200 000 bis zum Oktober aus. Neue Erkenntnisse der US-Gesundheitsbehörde aus dem Verlauf der mehr als zwei Millionen bisherigen Infektionen deuten darauf hin, dass Menschen mit Vorerkrankungen ein um ein zwölffach erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben.

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