Politik

Serie Bayerns ehemaliger Ministerpräsident zieht im politischen Geschäft noch immer die Strippen

Was macht … Edmund Stoiber ?

München/Berlin.Edmund Stoiber steht wieder im Rampenlicht. Als einer von acht CSU-Unterhändlern läuft er Anfang Juli bedeutungsschwer zur Berliner CDU-Zentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus. Er ist gekommen, um Innenminister Horst Seehofer (CSU) demonstrativ den Rücken zu stärken. Dass er und Seehofer nicht das beste Verhältnis haben, zählt in diesen Stunden nicht. Der Grandseigneur fühlt sich ausschließlich seiner Partei verantwortlich: „Mir geht es heute gut. Ich bin in der CSU jetzt nicht mehr drin, aber als Ehrenvorsitzender auch noch nicht draußen. Ich schaue mit Optimismus auf die Verantwortungsträger und die Zukunft.“

Wer die Auseinandersetzungen zwischen den Schwesterparteien verfolgt, kommt an Stoiber nicht vorbei. Das „blonde Fallbeil“, wie er als Generalsekretär unter Franz Josef Strauß hieß, ist zurück. Ein Comeback, das so niemand erwartet hat. Denn es ist elf Jahre her, dass Stoiber nach innerparteilichen Querelen vom Amt des Ministerpräsidenten in Bayern zurücktrat. Doch an Einfluss scheint er nichts eingebüßt zu haben. Mit seinen 76 Jahren ist der einstige „Aktenfresser“, der zwischen 1993 und 2007 die Geschicke Bayerns geleitet hatte, ein gefragter Mann: „Es gibt nach wie vor zu viele Anfragen von Medien, aber ich kann auch aus zeitlichen Gründen nicht alles machen“, sagt Stoiber. Aber in den Landtagswahlkampf in Bayern wird er sich natürlich einbringen. Langeweile kam und kommt nicht auf. Nur wenige Monate nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident wurde Stoiber Leiter einer hochrangigen Gruppe zum Bürokratieabbau in der Europäischen Union. Diese ehrenamtliche Tätigkeit war ursprünglich auf nur zwei Jahre angesetzt; es wurden sieben. Anschließend fungierte er bis März 2016 als Sonderberater der EU-Kommission für bessere Rechtsetzung. Anders als in seinen jungen Jahren setzt sich Stoiber mittlerweile sogar leidenschaftlich für Europa ein.

FC Bayern seine große Liebe

Doch seine ganz große Liebe gilt dem FC Bayern. Pro Saison sieht er sich zwölf bis 13 Heimspiele in der Allianz Arena an: „Der FC Bayern hat immer intensiv zu meinem Leben gehört“, sagt Stoiber und fügt hinzu, dass er länger Mitglied beim FC Bayern sei, als er der CSU angehöre. Also mehr als 50 Jahre. Dabei ist er weit mehr als ein Edelfan: „Als Vorsitzender des Verwaltungsbeirates und Aufsichtsratsmitglied gibt es auch immer etwas zu besprechen, mit Kalle Rummenigge, Uli Hoeneß oder den Kollegen aus dem Beirat.“

Der Vater von drei Kindern und sieben Enkeln wohnt mit seiner Frau Karin im Münchener Speckgürtel, in Wolfratshausen. Ob Gespräche mit den Enkeln über ihre Probleme oder die Sorgen seiner Partei- und Geschäftsfreunde, der Terminkalender des Politpensionärs ist sehr gut gefüllt. Der promovierte Jurist unterhält ein repräsentatives Büro im Herzen von München. Von hier aus übt er seine Mandate als Vorsitzender des Beirates der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, oder des Beirates von ProSiebenSat.1 Media aus. Letztere Aufgabe handelte ihm viel Kritik ein, hatte er sich doch zuvor viele Jahre als Verwaltungsbeirat für das ZDF stark gemacht.

Auch an anderer Stelle ist Stoiber in den Medien präsent. So erlangten einige seiner Reden im Internet Kultstatus. Auf seine Lieblingsrede angesprochen, schmunzelt Stoiber: „Die bekannteste Rede ist zweifelsohne die Transrapid-Rede.“ Mehr als 3,3 Millionen Mal wurde diese bisher bei YouTube aufgerufen, unter den deutschen Politikern belegt er damit noch vor Günther Oettinger den Spitzenplatz. Bei so viel Präsenz ist es kein Wunder, dass ihn die Passanten ansprechen: „Es gibt beispielsweise keinen Flug nach Berlin oder Brüssel, wo mich die Leute nicht um ein Selfie bitten.“

Der Autor Aljoscha Kertesz arbeitet als Buchautor und hat unter anderem einen Interviewband mit Politikern erstellt („Bundestag adieu!“), die 2017 ausgeschieden sind. Hauptberuflich ist er Pressesprecher des Unternehmens Caterpillar.