Politik

Serie Der ehemalige FDP-Außenminister beschäftigt sich noch immer mit der Weltpolitik

Was macht … Klaus Kinkel?

Archivartikel

Bonn.In einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, sehnt sich mancher nach den geordneten Verhältnissen der Bonner Republik zurück. Auch der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP) ist froh, dass er derzeit „keine politische Verantwortung tragen muss“. Mit deutlichen Worten spricht der 81-Jährige über die aktuelle Weltpolitik: US-Präsident Donald Trump sei „in jeder Beziehung ein gigantischer Unordnungsstifter“. Doch dürfe man vor dem „irrlichternden, trumpelnden Trump“ nicht kuschen. Vielmehr rät der einstige Präsident des Bundesnachrichtendienstes dazu, die Verbindungen in die USA zu nutzen, um das, „was der Präsident da anrichtet, auszugleichen“.

Wenig schmeichelhaft auch sein Kommentar über den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dennoch hält er ihn unter den Machthabern, die derzeit in der Welt das Sagen haben, für den Klügsten und Kalkulierbarsten. Von Deutschland wünscht sich der ehemalige Außenminister eine aktivere Rolle: „Wir sind in der Weltpolitik immer sehr stark kommentierend unterwegs. Wenn es um die wirklich großen Fragen geht, ist Deutschland als große Mittelmacht oft leider nicht in der Lage, gestaltend mitzuwirken.“

Trotz seiner Weltgewandtheit ist Kinkel bodenständig geblieben. Er stammt aus dem schwäbischen Hechingen, wo er 1967 als Parteiloser für das Bürgermeisteramt kandidierte. Heute wohnt er mit seiner Frau Ursula in der Nähe von Bonn, pflegt aber nach wie vor intensive Kontakte in seine baden-württembergische Heimat. Hier, im Südwesten Deutschlands – der Herzkammer der Liberalen –, zog er zwischen 1994 und 2002 als Spitzenkandidat über die Landesliste in den Bundestag ein. Anschließend arbeitete er als Anwalt und amtierte bis 2014 als Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung.

Karrierehöhepunkt: Vizekanzler

Auch wenn er der FDP eng verbunden ist, war Kinkel nie ein Politiker, der die Ochsentour durch die Niederungen der Partei absolviert hat. Der Karrierebeamte trat den Liberalen spät bei: 1999 mit 55 Jahren. Damals war er längst zum Justizminister ernannt worden. Gegen seinen Wunsch und aus Mangel an Alternativen übernahm Kinkel zwei Jahre später die Parteiführung. Als Vorsitzender sei er „nicht die absolute Glanznummer“ gewesen, sagt Kinkel selbstkritisch. In seine zweijährige Amtszeit fielen mehr als elf Landtagswahlen, in denen die FDP teils herbe Verluste hinnehmen musste.

Die Karriere von Klaus Kinkel lässt sich nicht vom Werdegang des populären FDP-Übervaters Hans-Dietrich Genscher trennen: „Ich habe ihm viel zu verdanken, habe ihm auch einiges geben können“, sagt Kinkel über seinen Freund. Bis zu dessen Tod im Jahr 2016 hatte Kinkel ihn 46 Jahre lang begleitet. Zuerst gestaltete er als Staatssekretär im Innenministerium unter Genscher die deutsche Einheit mit. Anschließend wurde er kurz Justizminister und folgte 1992 dem Hallenser als Außenminister.

Ein Jahr später erreichte Kinkel den Höhepunkt seiner Karriere: Vizekanzler Jürgen Möllemann verließ nach einem Skandal das Kabinett, Kinkel wurde für fünf Jahre Vizekanzler von Helmut Kohl, zu dem er ein gutes Verhältnis hatte: „Ich habe ihn auch in den schwierigen Jahren vor seinem Tod immer wieder besucht. Seine Frau hat mir die Möglichkeit gegeben und mich eingeladen, dass ich mich am Totenbett von ihm verabschieden konnte.“ Noch immer absolviert Kinkel ein hohes Reisepensum. Seit 2016 ist er Vorsitzender der Ethik-Kommission des Deutschen Fußball-Bunds. Sport findet für ihn aber nicht nur im Fernsehen statt. Der ehemalige Tennispartner von Wolfgang Schäuble hält sich intensiv fit. Auf dem Court steht er seltener, dafür joggt Kinkel und geht drei Mal am Tag mit seinem Labrador Jago spazieren.

Der Autor Aljoscha Kertesz arbeitet als Buchautor und hat unter anderem einen Interviewband mit Politikern erstellt („Bundestag adieu!“), die 2017 ausgeschieden sind. Hauptberuflich ist er Pressesprecher des Unternehmens Caterpillar.