Politik

USA Die Tochter des Präsidenten galt einst als gemäßigte Stimme – nun ist ihr Ruf im liberalen Amerika ruiniert

Was nun, Ivanka Trump?

New York.Es muss eine eigenartige Stimmung im Weißen Haus geherrscht haben, als um die Mittagszeit des 7. November der TV-Sender CNN den Wahlsieg von Joe Biden bekannt gab. Donald Trump war auf dem Golfplatz, seine Frau Melania wird mit stoischem Gesicht die Nachrichten betrachtet haben. Und Ivanka? Trumps Tochter und ihr Ehemann Jared Kushner, als Power-Paar oft „Javanka“ genannt, ahnten da wohl schon, dass sich ihre Zukunft anders gestalten dürfte, als sie es sich vorgestellt hatten.

39-Jährige gilt als Lieblingskind

Ivanka gilt als Trumps Lieblingskind, die 39-jährige Tochter aus erster Ehe gehört zu den engsten Vertrauten des US-Präsidenten. Spätestens seit in der Wahlnacht die Bilder vom New Yorker Times Square auf allen Kanälen liefen, dürfte sich die Laune der First Daughter verdüstert haben: Im Herzen ihrer Heimat Manhattan, keinen Steinwurf vom Büro der Trump Organization sowie von jenem Wolkenkratzer an der Fifth Avenue entfernt, der einmal Jared gehörte, hatten sich Zehntausende zu einer spontanen Party zusammengefunden, um das Ende der Trump-Ära zu feiern. Das Fest tobte bis tief in die Nacht.

Es ist kaum verwunderlich, dass Ivanka seither auf Instagram und Twitter an die Anhänger ihres Vaters eiserne Durchhalteparolen versendet. Die Alternativen, die für „Javanka“ nun plötzlich sehr real werden, sind nicht sehr attraktiv.

Noch im vergangenen Jahr, bevor der Kampf um Trumps Wiederwahl richtig rollte, hatte sich Ivanka einer Journalistin des „Atlantic“ gegenüber absolut sicher gezeigt, dass ihr Leben vor der Washingtoner Zeit noch auf sie warte: die New Yorker Bälle und Partys, die schicken Restaurants von Manhattan, die Kunstauktionen und Vernissagen und die teuren Boutiquen der Madison Avenue. Bevor „Javanka“ mit Donald Trump nach Washington ging, war das Paar in der New Yorker Society wohlgelitten. „Es ist ja nicht so, dass diese Leute nachts um zwei Rosa Luxemburg lesen“, sagt der New Yorker Rechtsanwalt Richard Farley. Um Zugang zur New Yorker Gesellschaft zu finden, braucht man eigentlich nur eines: Geld. Davon brachten die beiden Milliardenerben reichlich mit.

Um diesen Status nicht zu gefährden, hielten sie stets eine gebührende Distanz zu ihren Vätern. Ivanka zu Donald, der in New York als ungehobelter Außenseiter galt. Jared zu seinem Vater Charlie, der wegen dubioser Geschäftspraktiken und Zeugenerpressung gar 14 Monate im Gefängnis gesessen hatte.

Ivanka und Jared galten als die kultivierten, salonfähigen Versionen ihrer problematischen Eltern. Als Donald Trump gewählt wurde, knüpften beide jedoch ihre Geschicke an den Patriarchen. Kushner besetzte eine schwindelerregende Vielzahl von Posten. Ivanka galt zunächst als mäßigende Stimme im Ohr ihres Vaters. Kanzlerin Angela Merkel pflegte den Kontakt zu ihr, traf sie mehrmals. Spätestens dann aber, als sie offizielle Beraterin im Weißen Haus wurde, war sie eine hundertprozentige Trumpistin.

Beobachter: Kein Weg zurück

Nach ihrer flammenden Rede für ihren Vater beim Wahlkonvent der Republikaner und ihrer Twitter-Attacke auf die amerikanische Demokratie in den vergangenen Wochen kann sie nicht mehr behaupten, Skrupel gehabt zu haben. Deshalb gibt es jetzt, so glauben viele Beobachter, für beide keinen Weg zurück, zumal Kushner neben Trump als Hauptverantwortlicher für die vermasselte Reaktion der USA auf Corona gilt. Im liberalen New York dürften sie jedenfalls in Ungnade gefallen sein. „Niemand mit Respekt vor sich selbst, einer Karriere, mit Moral und einer Achtung vor der Demokratie wird sich noch mit ihnen blicken lassen wollen“, sagte eine ehemalige Vertraute der „Vanity Fair“-Journalistin Emily Jane Fox.

Zum Thema