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Heike Rentsch meint, dass der Welthunger-Index gute Ansätze zur Bekämpfung der Not liefert

Millionen hungernde Menschen sind für die meisten von uns bloß eine Statistik. Eine Zahl, die zwar Mitleid auslöst - deren Auswirkungen aber weit entfernt auftreten und somit leicht verdrängt werden können. Doch Hunger bedeutet für die Betroffenen nicht nur den Kampf ums Überleben. Er birgt auch die Gefahr von Unruhen und Konflikten. Das wiederum hat weitreichende Folgen - eine davon sind Menschen, die vor der Not flüchten. Hunger ist somit ein Problem aller Länder.

Vieles ist schon angestoßen worden. So haben die Vereinten Nationen sich zum Ziel gesetzt, den Hunger bis 2030 zu besiegen. Organisationen und Menschen auf der ganzen Welt arbeiten hart an der Umsetzung. Auch die Bundesregierung stellt jährlich mindestens eine Milliarde Euro für Ernährungssicherung und ländliche Entwicklung in betroffenen Ländern zur Verfügung. Somit kann der aktuelle Welthunger-Index auch Gutes vermelden: Im Vergleich zum Jahr 2000 haben sich 2017 die Werte von 14 Ländern um mindestens 50 Prozent verbessert.

So positiv dies auch ist: Vom Ziel, den Hunger zu beenden, ist die Menschheit weit entfernt. Immer noch ist die Not in 52 von 119 Ländern gemäß Welthunger-Index "ernst" bis "gravierend". Das hat viele Gründe: Oft toben jahrzehntelang politische Krisen oder gewalttätige Konflikte - so in der Zentralafrikanischen Republik oder in Nigeria. Naturkatastrophen wie Dürren oder Überflutungen zerstören Ernten und stürzen Regionen in Hungersnöte. Ihre Zahl dürfte sich durch den Klimawandel künftig noch erhöhen.

Meist trifft es dabei die Ärmsten der Armen - also jene, die über die geringste soziale, wirtschaftliche oder politische Macht verfügen. So sind etwa 60 Prozent der Hungernden Frauen und Mädchen. Auch ethnische Minderheiten sind in größerem Ausmaß betroffen.

So sehr die Auswirkungen die ganze Welt betreffen - die Auslöser lassen sich nur in den Ländern selbst lösen: tief verwurzelte gesellschaftliche Strukturen, unsichere politische Verhältnisse, fehlende Mitsprache, die Ausbeutung natürlicher Reserven durch internationale Konzerne. All dies wird die Welt sicher auch nach 2030 in Atem halten. Die Empfehlung des Welthunger-Index, Bürgerbewegungen und unterrepräsentierte Gruppen stärker in Entscheidungsprozesse vor Ort einzubinden, wäre ein wichtiger Schritt. Bleibt zu hoffen, dass dies die betroffenen Länder ähnlich sehen.