Politik

Corona-Ausbruch Mitarbeiter des RKI geben Empfehlung, wie es im Kreis Gütersloh weiter geht / Zahl der Infektionen gestiegen

Weitere Maßnahmen erwartet

Gütersloh.Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit inzwischen mehr als 1500 nachweislich infizierten Mitarbeitern zeichnen sich weitere Schritte zur Eindämmung des Infektionsherdes ab. Fachleute des Robert Koch-Instituts (RKI) und andere Wissenschaftler sind im Kreis Gütersloh laut Behörden im Einsatz. „Deren Empfehlungen folgen weitere Maßnahmen“, teilte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, ohne dabei Details zu nennen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte einen kurzen Lockdown mit massiven Tests in der Region. Er warnte vor einem freien Reiseverkehr der Menschen aus der Region Gütersloh.

Regionaler Lockdown möglich

Inzwischen hält auch der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) einen Lockdown in der Region für vorstellbar. „Ich würde sagen ja“, sagte Adenauer am Montagabend auf die Frage, ob es nach einem Lockdown „rieche“. Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld. „Insofern ist das für mich schon eine neue Situation“, erklärte Adenauer. Die mobilen Teams hätten einige positive Fälle gefunden. Eine Zahl wollte der Landrat aber zunächst noch nicht nennen, da erst einmal ausgeschlossen werden solle, dass es in der Region doppelte Zählungen gebe, wie Adenauer weiter erläuterte.

Laschet verwies auf Twitter darauf, dass Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh bereits vorsorglich geschlossen sind. Die Quarantäne werde konsequent für 7000 Menschen durchgesetzt, auch für Nicht-Infizierte, die in Kontakt waren, erklärte der Regierungschef. Im betroffenen Tönnies-Werk, der größten deutschen Fleischfabrik, ruhe zudem der Betrieb. Die NRW-Landesregierung will am Dienstag zu einer Sitzung zusammenkommen, wie aus der Staatskanzlei in Düsseldorf verlautete. Der Landrat geht davon, dass er bei einer möglichen Entscheidung der Landesregierung zu einem regionalen Lockdown vorab informiert werde.

Die Zahl der nachweislich infizierten Tönnies-Mitarbeiter ist nach jüngsten Daten weiter gestiegen. Es gebe 1553 positive Befunde von den Personen, die unmittelbar im Werk tätig sind, sagte der Leiter des Krisenstabes im Kreis Gütersloh, Thomas Kuhlbusch, am Montagabend bei einer Pressekonferenz in Gütersloh. Insgesamt seien 6650 Proben genommen worden. Zuvor hatten die Behörden von 1331 bestätigen Corona-Fällen (Stand Sonntag) in der Tönnies-Belegschaft berichtet.

Die hohe Zahl der Corona-Infizierten hat im Kreis Gütersloh eine Kennziffer für die Pandemie-Bekämpfung deutlich nach oben getrieben. Die sogenannte 7-Tages-Inzidenz zu den Corona-Neuinfektionen ist dort auf den Wert von 263,7 gestiegen. Er zeigt an, wie viele Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner gemeldet wurden. Auch im benachbarten Kreis Warendorf geht der Wert nach oben. Dort liegt er nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landeszentrum Gesundheit zum Stand 22. Juni 0 Uhr bei 41,8.

Bei der Marke von 50 sollen für eine betroffene Region wieder stärkere Einschränkungen in Betracht gezogen werden. Bund und Länder haben allerdings auch vereinbart, dass diese Zahl keine Rolle spielt, wenn es sich um einen lokal eingrenzbaren Infektionsherd handelt. So wird auch der Ausbruch bei Tönnies bisher von der Landesregierung eingestuft. 

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