Politik

Wem das Fremde der Feind ist

Archivartikel

Rassismus hat verschiedene Erscheinungsformen. In Frankreich zeigt er sich als Ausgrenzung der arabischstämmigen Bevölkerung – und das, obwohl diese oftmals eines der wichtigsten Merkmale für eine gelingende Integration erfüllt: die Beherrschung der Sprache des Ziellandes, hier des Französischen. In Italien wiederum richtet sich Fremdenfeindlichkeit zum einen gegen die Zuwanderung von Flüchtlingen aus Afrika, zum anderen versuchen Exilanten aus der vormaligen italienischen Kolonie Somalia, sich in Italien eine Existenz aufzubauen – die Autorin Francesca Melandri schildert entsprechende Vorbehalte in ihrem Roman „Alle, außer mir“.

In Deutschland ist der Rassismus gegenüber Afrikanern das eine, die soziale Ächtung von dunkelhäutigen Deutschen das andere. Seit Jahrzehnten machen Afro-Deutsche auf ihr Schicksal aufmerksam, darunter die 1996 verstorbene Aktivistin und Dichterin May Ayim oder die Moderatorin und Musikproduzentin Noah Sow mit ihrer Studie „Deutschland Schwarz Weiss. Der alltägliche Rassismus“ aus dem Jahr 2008.

Initiative des Goethe-Instituts

Das Besondere in Deutschland sind dabei die doppelten Erinnerungs- und Erfahrungslinien, bedingt durch die Teilung Deutschlands. Saisonkräfte vor allem aus Mosambik mussten für die Aufbauhilfe der DDR in Ostdeutschland arbeiten, manche von ihnen blieben – der im Jahr 2000 in Dessau von Neonazis getötete Fleischer Alberto Adriano war einer von ihnen. Genauso wie der 1986 in einem Zug von Berlin nach Dessau ermordete Zimmermann Antonio Manuel Diogo.

Erst Ende vergangenen Jahres wies das Goethe-Institut mit seinem „Latitude“ genannten Schwerpunkt den Stimmen schwarzer Deutscher mehr Gewicht bei und versuchte, unter dem Motto „Machtverhältnisse umdenken – für eine entkolonialisierte und antirassistische Welt“ den Strukturen der Verachtung entgegenzutreten und die Erfahrungswelt der nicht-weißen Deutschen zu berücksichtigen.

Doch richtet sich Rassismus in Deutschland nicht nur gegen Menschen afrikanischer Herkunft. 1992 etwa waren Vertragsarbeiter aus Vietnam die Zielscheibe des rechten Mobs in Rostock-Hoyerswerda. Und die Ortsnamen Mölln und Solingen stehen seit 1992 und 1993 für rechtsextreme Attacken auf Menschen islamischen Glaubens.

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