Politik

Experiment 2000 erwerbslose Finnen bekommen zwei Jahre lang 560 Euro pro Monat zusätzlich – jetzt liegen erste Ergebnisse vor

Weniger gestresst, weniger krank

Berlin.Zwei Jahre haben 2000 erwerbslose Einwohner in Finnland ein Grundeinkommen erhalten. Bereits die erste wissenschaftliche Untersuchung ermöglicht nun unterschiedliche Sichtweisen auf die Ergebnisse des Experiments. Die Situation der Teilnehmer am Arbeitsmarkt ist nicht deutlich besser als die einer Vergleichsgruppe. Allerdings schauten die Bezieher des Grundeinkommens optimistischer in die Zukunft, empfanden weniger Stress und waren weniger krank.

In vielen Staaten, auch in der Bundesrepublik, ist seit Jahren eine Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen im Gange. Die Befürworter sehen darin eine nötige Modernisierung des Sozialstaates, die Gegner kritisieren es als Anstiftung zu verbreiteter Faulheit. So entschied sich die Mitte-Rechts-Regierung des finnischen Premierministers Juha Sipilä im Jahr 2016, ein Experiment durchzuführen. Von Anfang 2017 bis Ende 2018 erhielten 2000 ausgeloste Arbeitslose 560 Euro monatlich zusätzlich vom Staat, wenn sie eigene Einnahmen erwirtschafteten. Der Zuschuss und das selbst verdiente Geld wurden nicht miteinander verrechnet.

Vertrauen in die Zukunft gestiegen

Die zentrale Frage lautete: Wirkt dieses Geld als Anreiz, sich selbst um neue Jobs zu kümmern, also als bessere Hilfe, aus dem Arbeitslosen-Zustand herauszukommen? Die erste Auswertung für 2017 zeigt nun, dass die befragten Teilnehmer des Experiments an 49,6 Tagen des Jahres einer bezahlten Arbeit nachgingen, während die Angehörigen einer Kontrollgruppe ohne Grundeinkommen an 49,3 Tagen arbeiteten.

Studienleiter Olli Kangas und Minna Ylikännö, Forscherin der finnischen Sozialversicherung Kela, betrachten diesen Unterschied als „nicht signifikant“. Aus dem Ergebnis lässt sich nicht ableiten, dass das Grundeinkommen als Anreiz für eigene Aktivität funktionierte. Kangas wies allerdings auf eine weitere mögliche Schlussfolgerung hin: „Die Teilnehmer des Experiments waren nicht fauler als die Vergleichsgruppe.“ Soll heißen: Das Vorurteil, quasi bedingungsloses Geld vom Staat begünstige das Nichtstun, treffe offenbar nicht zu.

Eindeutig sind die Ergebnisse in anderer Hinsicht. „Das Grundeinkommen hatte einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden der Empfänger“, sagte Ylikännö. 55,4 Prozent der Teilnehmer erklärten, ihre Gesundheit sei sehr gut oder gut. Unter den normalen Erwerbslosen waren es 46,2 Prozent. 54,8 Prozent der Teilnehmer gaben an, sie empfänden keinen oder wenig Stress, während es bei der Vergleichsgruppe nur 45,6 Prozent waren.

Ähnliche Unterschiede gab es bei der Fähigkeit sich zu konzentrieren und beim Vertrauen in die Zukunft – auch da schnitten die Grundeinkommen-Bezieher besser ab. Wie es politisch weitergeht, ist unklar. Gegenwärtig scheint das Grundeinkommen keine Rolle in den Überlegungen der Regierung zu spielen.