Politik

Weniger Migranten in Europa

Archivartikel

Brüssel.Im Jahr 2020 sind Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks zufolge bis einschließlich Oktober rund 72 000 Migranten in die EU gekommen. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr verringert, im gesamten Jahr 2019 kamen 123 700 Migranten. Kein Vergleich zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015, als mehr als eine Million Migranten nach Europa kamen. Dennoch können diese Zahlen nicht über das Problem hinwegtäuschen. Zudem war es den EU-Staaten auch 2020 nicht möglich, sich auf ein System zur Verteilung von Flüchtlingen zu einigen, die an den Außengrenzen ankommen. Unter anderem Ungarn, Bulgarien, Tschechien und Polen weigern sich, nach einem Quotenschlüssel Flüchtlinge aufzunehmen.

Südländer besonders betroffen

Die leidtragenden Länder sind Griechenland, Italien und Spanien. Allein in Griechenland kamen bis zum Herbst fast 15 000 Menschen an, vornehmlich auf den Inseln der Ostägäis. Dort sind die Lager überfüllt – wohl auch, um Abschreckung zu erzeugen, wie Hilfsorganisationen kritisieren. Trauriger Höhepunkt: Der Brand, der das Flüchtlingslager Moria am 9. September fast vollständig zerstörte. Rund 12 000 Menschen wurden über Nacht obdachlos. Die griechische Regierung brachte Tausende aufs Festland, doch weiterhin harren rund 7000 Menschen in einem schnell errichteten, provisorischen Zeltlager aus. Hilfsorganisationen kritisieren die Zustände, denn das Lager ist nicht für den Winter ausgelegt. dpa

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