Politik

Arbeitsmarkt Zahl der Erwerbstätigen mit rund 40 Millionen höher als kurz nach der Wiedervereinigung

Weniger Vollzeitjobs, mehr Beschäftigte

Archivartikel

Berlin.Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich nach einer dieser Zeitung vorliegenden Datenübersicht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in den vergangenen fast drei Jahrzehnten stark gewandelt. Gab es 1991 noch 28,9 Millionen Vollzeitbeschäftigte, so waren es 2018 nur noch 24,7 Millionen. Parallel dazu ist in diesem Zeitraum aber die Zahl der Teilzeitbeschäftigten deutlich von 6,3 auf 15,9 Millionen gestiegen. Aktuell gibt es demnach insgesamt 40,6 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland. Das sind rund 5,4 Millionen mehr als kurz nach der Wiedervereinigung, die im Osten zunächst mit massiven Arbeitsplatzverlusten verbunden war.

Enzo Weber, Wirtschaftswissenschaftler am IAB, verwies im Gespräch darauf, dass die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in letzter Zeit allerdings wieder deutlich zugenommen hat. „Mittlerweile geht die Vollzeitbeschäftigung sogar wieder stärker nach oben als die Teilzeitbeschäftigung“, erklärte Weber. „Dass der Anteil der Teilzeitbeschäftigung insgesamt so deutlich gestiegen ist, hat damit zu tun, dass besonders in den alten Bundesländern immer mehr Frauen einer Arbeit nachgehen als früher, wenn auch verkürzt. Das ist durchaus ein Erfolg“, meinte der Arbeitsmarktexperte.

Gleichwohl gebe es auch eine stärkere Lohnungleichheit und einen deutlich ausgeweiteten Niedriglohnsektor. „Hier besteht noch politischer Handlungsbedarf“, so Weber. Vorstellbar sei zum Beispiel, den Mindestlohn „in vorsichtigen Schritten“ stärker anzuheben, als das bislang anhand der gesamtwirtschaftlichen Lohnentwicklung praktiziert werde. Auch nach Einschätzung der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, hat die grundsätzlich positive Entwicklung am Arbeitsmarkt ihre Schattenseiten. „Das vermeintliche deutsche Jobwunder bedeutet für viele Arbeitnehmer prekäre und nicht Existenz sichernde Beschäftigung“, sagte die Linken-Politikerin. „Viel zu viele Menschen sind arm trotz Arbeit“.

Zimmermann bekräftigte vor diesem Hintergrund die Forderung ihrer Partei nach einer deutlichen Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde. Gegenwärtig liegt die Lohnuntergrenze bei 9,19 Euro. Aus den IAB-Daten geht auch hervor, dass sich die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Arbeitnehmern in Vollzeit zwischen 1991 und 2018 nur um etwa 60 Minuten auf 38,01 Stunden verringert hat. Bei den Arbeitnehmern in Teilzeit ist sie mit gut 16 Stunden sogar weitgehend unverändert geblieben.

Ein weiterer Befund: Der durchschnittliche tarifliche Regelurlaub pro Jahr hat sich seit 1991 ebenfalls nur wenig verändert. Damals waren es 28,2 Tage. Aktuell sind es 29,8 Tage.