Politik

Medizin Bei der Behandlung fremdsprachiger Patienten ist die Finanzierungsfrage ungeklärt

Wer bezahlt den Dolmetscher?

Archivartikel

Mannheim.Behandlungsgespräche sind ja so eine Sache. Oft fällt es schwer, dem Arzt zu folgen: viele Fremdwörter, schwierige medizinische Zusammenhänge. Noch komplizierter wird es, wenn man des Deutschen gar nicht mächtig ist. Seit 2015 – dem Höhepunkt der Flüchtlingsthematik – stoßen verstärkt Migranten an jene Sprachbarrieren.

Seitdem schlagen aber auch Ärzte Alarm. Die Sprachbarrieren bringen sie in ein Dilemma. „Wir haben eine Aufklärungspflicht“, sagt Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim.

Im Sozialgesetzbuch steht, dass das Aufklärungsgespräch im Vorfeld jeder Behandlung für den Patienten verständlich sein muss. Dafür hat der Arzt Sorge zu tragen. Und wenn dabei die Sprache Probleme bereitet, muss jemand herangezogen werden, der das Gesagte entsprechend übersetzt.

Laien springen ein

„Bei Missverständnissen kann es im schlimmsten Fall zu Fehldiagnosen kommen“, sagt Meyer-Lindenberg. Aber auch nach dem Aufklärungsgespräch lösen sich Sprachbarrieren nicht einfach in Luft auf. Kliniken behelfen sich mit Angehörigen oder Mitarbeitern, die beider Sprachen mächtig sind. An der Uniklinik Mannheim komme man so gut durch den Alltag, erklärt ein Sprecher. Auch am ZI, sagt Meyer-Lindenberg. Für gängige Sprachen habe man schnell einen anderen Muttersprachler parat. Bei anderen wiederum, Persisch zum Beispiel, gestalte sich die Suche schwieriger.

Gesetzlich ist diese Lösung einwandfrei. Denn die Person muss kein ausgebildeter Dolmetscher sein. Sie muss das Gesagte eben nur verständlich übersetzen können.

Also, im Alltag alles gar nicht so schlimm? Doch, sagt der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). Familienangehörige oder Laien seien schnell persönlich betroffen und übersetzten nicht alles, um den Patienten zu schonen, so heißt es vom Verband. Zum anderen komme es zu Fehlern in der Kommunikation, weil Laien selbst nicht alles verstehen würden.

„Brauchen Profis“

Der Verband dringt deshalb darauf, dass in Kliniken nur professionelle Dolmetscher eingesetzt werden. Ärzten wäre das auch lieber. Medizinische Sachverhalte seien komplex. „Wir brauchen Profis“, sagt Meyer-Lindenberg.

Doch Profis kosten Geld. Die Finanzierung ist das wohl drängendste Problem bei der Dolmetscherfrage. Wird ein Patient ambulant behandelt, muss er die Kosten tragen. Dolmetschen ist keine ärztliche Leistung, weshalb die gesetzlichen Krankenkassen nicht zur Kasse gebeten werden könnten. Rechtlich verhält es sich anders, wenn die Behandlung stationär stattfindet. Dann lässt sich ein Dolmetscher als allgemeine Krankenhausleistung interpretieren, womit die Kliniken auf den Kosten sitzenbleiben. In zu vielen Punkten bleibe das Gesetz vage, kritisieren Ärzte.

Im vergangenen Jahr wandte sich der Deutsche Ärztetag deshalb an die Regierung: Dolmetscher müssten in den Pflichtleistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden. Es brauche eine verpflichtende Regelung, so die Forderung der Mediziner an den Gesetzgeber.

Ungeklärt ist auch die Frage, wer zahlt, wenn zum Beispiel andere Mitarbeiter als Dolmetscher einspringen. Denn auch dann entstünden Kosten, betont ein Sprecher der Uniklinik Mannheim: „Der Mitarbeiter fällt schließlich an anderer Stelle aus. “

Das Problem könnte sich auch auf ganz andere Weise lösen. Meyer-Lindenberg arbeitet gerade gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in einer klinischen Studie an einer Art Computer- Übersetzung. Im Moment werde das System in der Diagnostik getestet. Künftig könnten also auch Sprachassistenten das Gespräch zwischen Patient und Mediziner übersetzen.