Politik

Schwarze, Frauen, Latinos – das Team des neuen Präsidenten soll so vielfältig sein wie noch nie

Wer kommt in Bidens Kabinett?

Washington.Es ist das beliebteste Spiel nach jeder Präsidentenwahl in den USA: Wer bekommt die wichtigsten Kabinettsposten in der neuen Regierung? „President-elect“ Joe Biden hat versprochen, seine Regierungsmannschaft werde nach Geschlecht und ethnischer Herkunft so bunt gemischt sein wie nie zuvor. Weil Biden von der Mitte aus Politik machen will und auf Persönlichkeiten setzt, die a) ideologisch zu ihm passen und b) allesamt kein Training am Arbeitsplatz benötigen, ist Groll vom linksprogressiven Flügel der Demokraten vorprogrammiert. Wer wird wofür gehandelt? Eine Liste möglicher Kandidaten:

Stabschef

Eine erste Top-Personalie ist geregelt: Ron Klain (59), seit über 30 Jahren im Biden-Orbit, seit der Ebola-Krise 2014 auch Experte bei der Bekämpfung von Epidemien, wird Manager in der Regierungszentrale. Er entscheidet über den Tageskalender und den direkten Zugang zum Präsidenten. Bidens Lob ist üppig: „Seine tiefgreifende, vielfältige Erfahrung und Fähigkeit, mit Menschen aus dem gesamten politischen Spektrum zusammenzuarbeiten, ist genau das, was ich von einem Stabschef brauche.“

Auswärtiges

Die frühere UN-Botschafterin Susan Rice ist die heißeste Anwärterin auf den Kabinettsposten. Die frühere Nationale Sicherheitsberaterin unter Barack Obama hat jedoch einen Makel: Die Bestätigung der 55-Jährigen in einem republikanisch regierten Senat (Entscheidung nach Stichwahl in Georgia) würde schwierig. Rice spielte beim tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi 2012 keine optimale Rolle. Alternativ dürfen sich darum William Burns, der bereits mit den Alt-Außenministern Warren Christopher und Madeleine Albright gearbeitet hatte, und Senator Chris Coons aus Bidens Heimat-Bundesstaat Delaware Hoffnungen machen.

Verteidigung

Sie könnte die erste Pentagonchefin in der US-Geschichte werden. Michèle Flournoy war dort in der Obama-Zeit bereits Staatssekretärin. Die 60-Jährige leitet heute eine Denkfabrik (Center for a New American Security) und gilt als Befürworterin breiter Allianzen, um den geopolitischen Hauptgegner China einzuhegen. In puncto Nato-Beitrag würde Flournoy Deutschland allerdings in der Sache genauso hart angehen, wie Donald Trump das getan hat.

Finanzen

Als Favoritin wird die in Hamburg geborene, in Polen aufgewachsene und in Bonn zur Schule gegangene Lael Brainard (58) gehandelt. Sie ist seit sechs Jahren im Gouverneursrat der US-Notenbank, war früher Staatssekretärin im Finanzministerium. Brainard ist in internationalen Expertenrunden der G20 und der G7 als besonnene Zuhörerin bekannt. Die dreifache Mutter ist finanzpolitisch keine Hardlinerin, hat stark den Arbeitsmarkt im Auge. Dem linken Flügel der Demokraten ist sie nicht progressiv genug.

Veteranen

Joe Bidens Rivale Pete Buttigieg hat in Afghanistan gedient und genießt in militärischen Kreisen Ansehen. Er gilt seit seinen guten Ergebnissen bei den Vorwahlen mit 38 Jahren als Hoffnungsträger der Demokraten für die kommenden zehn, 20 Jahre. Buttigieg, der einst Bürgermeister der Industriestadt South Bend (Indiana) war, befürwortet die bessere Versorgung der Veteranen, die für Amerika in Übersee gekämpft haben. Er spricht sechs Sprachen fließend und ist außerdem für den Posten des UN-Botschafters in New York im Gespräch.

Arbeit und Soziales

Der parteiunabhängige Senator Bernie Sanders aus Vermont hat nach eigenen Worten ein hohes Interesse an der Position. Der Ex-Rivale Bidens um das Präsidentschaftsticket ist ein Verfechter höherer Mindestlöhne und starker Gewerkschaften. Mit Sanders hätte der progressive Flügel der Demokraten ein Schwergewicht am Kabinettstisch.

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