Politik

Wer traut sich?

Die Nachfolgesuche läuft: Markus Söder sieht sich weiterhin als Ministerpräsident in Bayern, aber der frühere CDU-Fraktionschef Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn machen kein Geheimnis aus ihren Ambitionen. Doch da gibt es noch Armin Laschet, den NRW-Regierungschef.

Friedrich Merz

Jurist, Finanzexperte, glänzender Redner: Schon nach dem Verzicht Angela Merkels auf den Parteivorsitz hat sich der frühere CDU-Hoffnungsträger 2018 als Kandidat ins Spiel gebracht. Auf dem Höhepunkt des Parteispendenskandals war er im Februar 2000 als Nachfolger Wolfgang Schäubles zum Vorsitzenden der Unionsfraktion gewählt worden – und wurde 2002 von Parteichefin Merkel verdrängt. Der Wertkonservative zog sich danach von wichtigen Posten in Fraktion und Partei zurück und arbeitete als Rechtsanwalt. Von seinem Posten als Aufsichtsratschef des US-Finanzkonzerns Blackrock in Deutschland zieht er sich zum April zurück, um sich wieder mehr der Partei zu widmen. Begonnen hatte er seine politische Laufbahn 1989 mit der Wahl ins Europaparlament. 1994 zog Merz für den Hochsauerland-Wahlkreis in den Bundestag ein.

Sein größtes Problem ist, dass er an der Basis zwar umjubelt wird, aber die Mandatsträger von seiner Performance wenig halten. So ist etwa in der Bundestagsfraktion die Zahl der Merz-Fans deutlich gesunken, weil der 64-Jährige entgegen seinen Versprechen zu wenig mitarbeitet.

Merz will, das ist klar. Den hochkarätigen Job in der Finanzbranche hat er schon aufgegeben. Er selbst sieht sich als jemand, der der Union neues Profil geben kann, besonders in der Abgrenzung zur AfD. Eine Entscheidung für ihn als Parteichef und Kanzlerkandidat wäre eine Entscheidung für einen Kurs- und Richtungswechsel der Union. 

Jens Spahn

Der ehrgeizige Gesundheitsminister hat sich als konservativer Kritiker der Bundeskanzlerin profiliert und hatte im Rennen um den CDU-Vorsitz schon 2018 den Hut in den Ring geworfen. Als Stimme vieler Konservativer und Jüngerer in der Partei brachte sich der Münsterländer in mehr oder minder offener Abgrenzung zu Kanzlerin Angela Merkel für mögliche höhere Aufgaben in Stellung.

Der langjährige Gesundheitspolitiker und frühere Finanzstaatssekretär profilierte sich mit provokanten Äußerungen zu Themen von Zuwanderung bis hin zu Recht und Ordnung. Als Gesundheitsminister glänzte er mit einem Feuerwerk an Initiativen und Gesetzesnovellen. Der jüngste Minister in Merkels Kabinett sitzt im Bundestag schon seit 2002.

Angeblich ist Spahn aber vielen in der CDU zu jung, er wird im Mai 40 Jahre alt. Andere in der Union verweisen auf den Österreicher Sebastian Kurz – der sei erst 33 Jahre alt, aber schon Kanzler.

Nach seiner Niederlage im Kampf um den Parteivorsitz 2018 gegen Annegret Kramp-Karrenbauer hat Spahn seine Strategie gewechselt – er hat sich voll auf seine Arbeit als Gesundheitsminister konzentriert. In der Coronavirus-Krise hat der Minister eine gute Figur gemacht. Außerdem ist er bei konservativen Wählern beliebt.

Dass Spahn Bundeskanzler werden will, steht außer Zweifel. Schon in seiner Abiturzeitung hatte er dies als Berufswunsch angegeben.

Armin Laschet

Der Aachener gilt als loyaler Stellvertreter Angela Merkels in der Bundes-CDU. Als Ministerpräsident und Vorsitzender des stärksten Landesverbandes Nordrhein-Westfalen könnte er schon qua Amt einen Anspruch auf den Vorsitz der Bundespartei und die Kanzlerkandidatur anmelden.

Als Oppositionsführer in Nordrhein-Westfalen hatte er bis zum Wahlerfolg 2017 auf Landesebene zunächst viel Kritik ertragen und so manche Niederlage wegstecken müssen. Doch der Fußballfan gilt als beharrlich und geduldig. Laschet studierte Jura, arbeitete als Journalist und eroberte die politische Bühne schließlich als Bundestags- und Europa-Abgeordneter.

Für viele Parteifunktionäre ist der NRW-Ministerpräsident jetzt der heißeste Favorit auf den Posten des Parteivorsitzenden und damit auch für die Kanzlerkandidatur. Aber ist er es auch für die Basis? Der liberale Armin Laschet würde ein „Weiter so“ der CDU bedeuten, was viele nicht wollen. Gleichwohl verfügt der 58-Jährige mit der NRW-CDU über eine starke Hausmacht. Er hat, anders als Friedrich Merz, Regierungserfahrung. Und aus seinen Ambitionen sowie seiner kritischen Sicht auf AKK hat er keinen Zweifel gelassen – wenn auch eher durch indirekte Bemerkungen. Mit ihm wäre ein Bündnis mit den Grünen machbarer.

Zu einer möglichen eigenen Bewerbung um die Kanzlerkandidatur oder den Parteivorsitz äußerte sich Laschet am Montag nicht. 

Markus Söder

Außerhalb Bayerns gilt der CSU-Chef vielen noch immer als Scharfmacher und Populist – mit markigen Aussagen hat sich der vierfache Vater über die Jahre hinweg das Image des Hardliners erworben. Auch in der CSU gehen die Meinungen über den ehrgeizigen Juristen aus Franken weit auseinander, doch er hat viele Unterstützer. Zudem hat er sich als akribischer Arbeiter Respekt erworben.

Spätestens seit seiner Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten im März 2018 feilt Stratege Söder an einem neuen Image, hat sich vom Haudrauf zunehmend zum sanfteren Landesvater gewandelt. Zuvor war der Ziehsohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber CSU-Generalsekretär, Europa-, Umwelt- und Finanzminister. Seit 1983 ist er CSU-Mitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern.

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder könnte so zumindest versuchen, nach der Kanzlerkandidatur greifen. Denn der Bayer hat diesbezüglich ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Söder hat in den vergangenen Monaten an Profil dazugewonnen, obwohl seine Partei in Bayern derzeit schwächelt. Der umjubelte Auftritt des 53-Jährigen auf dem CDU-Parteitag im November in Leipzig ist noch in Erinnerung. Manch einem in der Union ist Söder aber mittlerweile zu grün geworden. Er selbst hat immer betont, er wolle nicht Kanzlerkandidat werden. Aber in der Politik geht’s manchmal schneller, als man denkt – siehe Annegret Kramp-Karrenbauer. 

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