Politik

Spionage Moskaus Militärgeheimdienst soll auch Bundestag attackiert haben / Niederländische Ermittler legen Beweise vor

Westen wirft Russland Hacker-Angriffe vor

Archivartikel

Washington/Den Haag/London.Der Westen beschuldigt Russland, hinter großen Cyberattacken der vergangenen Jahre zu stecken. Die USA klagten sieben Agenten des Militärgeheimdiensts GRU unter anderem wegen des Hackerangriffs auf die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA an. Niederländische Behörden erwischten nach eigenen Angaben GRU-Agenten beim Versuch, sich ins Computernetz der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu hacken. Die britische Cyberabwehr rechnet dem GRU auch die Hackergruppe „APT 28“ zu, die hinter den Cyberattacken auf den Deutschen Bundestag und das Datennetzwerk des Bundes vermutet wird.

Die Enthüllungen aus London, Den Haag und Washington sind die bisher schärfsten Anschuldigungen im Zusammenhang mit mutmaßlich russischen Hackerangriffen. Besonders ausführlich und gut dokumentiert waren die Vorwürfe der Niederländer. Sie veröffentlichten gestern unter anderem Bilder von der Spionageausrüstung sowie Daten von beschlagnahmten Geräten. Nach Angaben der Ermittler wollten die GRU-Agenten im April ins WLAN-Netz der OPCW eindringen. Die Organisation untersuchte damals Chemiewaffen-Angriffe in Syrien sowie die Nervengift-Attacke auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien.

Von Doping ablenken

Aus den Gerätedaten gehe hervor, dass auch Hacker-Attacken in der Schweiz und auf die strafrechtliche Untersuchung zum Abschuss des Passagierfluges MH17 geplant gewesen seien, hieß es. Mit den Angriffen auf die WADA und den Leichtathletikverband IAAF wollten die russischen Hacker laut US-Ermittlern von den Vorwürfen eines staatlich betriebenen Dopings gegen Russland ablenken. Sie hätten aber auch versucht, sich in den US-Atomkonzern Westinghouse zu hacken.

Bereits am Morgen veröffentlichte die britische Cyberabwehr eine Liste von Hackergruppen, hinter denen „so gut wie sicher“ der GRU stehe. Darunter ist auch „APT 28“. Beim Angriff auf den Bundestag im Jahr 2015 hatten sich die Angreifer so weitreichenden Zugang verschafft, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden musste. Beim im Februar bekannt gewordenen Angriff auf das Datennetzwerk des Bundes hatten Cyberspione unter anderem das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium attackiert. Dabei sollen sie Daten erbeutet haben.

Das britische National Cyber Security Center fand nach eigenen Angaben heraus, dass der GRU auch für Attacken auf die Demokratische Partei vor den US-Präsidentschaftswahlen 2016, einen Flughafen in der Ukraine sowie eine TV-Station in Großbritannien verantwortlich ist.

Britische Politiker wählten scharfe Worte: Laut Außenminister Jeremy Hunt zeigen die Angriffe, dass Russland agiere, ohne das Völkerrecht zu beachten. Er hält weitere Sanktionen gegen Russland für möglich. Verteidigungsminister Gavin Williamson sagte: „Das sind Handlungen eines Pariastaates.“ Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte Russland auf, die Angriffe auf ausländische Computer und Datennetze einzustellen. dpa