Politik

Wichtiger Startschuss

Archivartikel

Die EU hat in Gesundheitsfragen eigentlich keine Zuständigkeit. Doch beim Kampf um Krebs geht es nicht um Ordnungspolitik, sondern um eine Kraftanstrengung, bei der die gemeinsame Ebene der Mitgliedstaaten genutzt werden sollte. Das beginnt bei Geldern aus dem milliardenschweren Forschungsrahmenprogramm. Das geht weiter beim Austausch über Therapien und hört auf bei der Frage, wie die Union ihre Arzneimittel-Versorgung langfristig sicherstellen will, noch lange nicht auf.

Wenn es stimmt, dass 40 Prozent aller Krebserkrankungen durch Prävention vermeidbar wären, dann muss die EU handeln. Dann gehören Autobauer, deren Fahrzeuge für Lungenschäden sorgen, ebenso an den Tisch wie Lebensmittelhersteller, die Agrarlobby und die Sozialverbände.

Die EU nimmt keiner Klinik, keinem Mediziner und keinem nationalen Forschungslabor etwas weg – sie ergänzt sie. Und wer wollte wirklich sagen, dass beim Kampf gegen den Krebs nicht jeder gebraucht würde?

Der Startschuss, den die EU gestern in Brüssel gegeben hat, war beeindruckend. Nicht wegen der Versprechen, die sehr viel mit persönlicher Betroffenheit zu tun hatten, sondern vor allem wegen der Entschlossenheit und der Breite der Themen, die nun aufgegriffen werden sollen. Hinzu kommen bisherige Defizite, die beseitigt werden müssen. Dazu zählen die Probleme bei der Nutzung nationaler und regionaler Datensammlungen über Tumor-Erkrankungen, die aber nicht vergleichbar sind. Dazu gehört auch der Austausch über Therapie-Methoden, weil es nicht sein kann, dass Betroffene wie Touristen durch die EU vagabundieren müssen, weil sie im einen Land eine Behandlung bekommen, die im anderen Land noch nicht zertifiziert wurde – oder von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt wird.

Zum Thema