Politik

Pandemie Robert Koch-Institut meldet fast 1200 weitere Covid-19-Tote / Angst vor der Virus-Variante aus Großbritannien wächst

Wie gefährlich ist die Corona-Mutation?

Berlin/London.Es ist eine bittere Zahl: Weitere 1188 Menschen sind in Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) nach einer Covid-19-Infektion gestorben. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit Corona binnen eines Tages hat damit einen neuen, traurigen Höchststand erreicht. Zugleich wurden 31 849 Neuinfektionen gemeldet. Den bisher höchsten Wert von 1129 neuen Todesfällen in 24 Stunden hatte das RKI am 30. Dezember verzeichnet. Nur eine Woche später ist diese Marke übertroffen. Die Pandemie lässt nicht nach. Der Blick nach Großbritannien lässt befürchten, dass es noch heftiger kommen könnte.

Seit Mitte Dezember grassiert dort eine Mutation des Covid-19-Erregers. Forscher haben herausgefunden, dass diese neue Form bis zu 70 Prozent ansteckender ist. Seit Wochen melden die britischen Behörden täglich über 50 000 Neuinfektionen. Es gilt ein sehr harter Lockdown. Die deutsche Politik ist aufgerüttelt. In Deutschland ist die Mutation bereits angekommen, sie wurde erstmals an Heiligabend nachgewiesen. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte, zwar sei die Mutation bisher nur vereinzelt in Deutschland aufgetreten. Doch sei sie bereits von Großbritannien nach Irland geschwappt und sorge dort für hochschnellende Ansteckungszahlen. „Das kann in Deutschland auch passieren, wenn wir nicht sehr, sehr darauf achten, die Mutation möglichst aus dem Land zu halten“, mahnte Braun.

Auflagen verlängert

Jetzt soll es schnell gehen. Bund und Länder haben sich auf verschärfte Auflagen für Reisende aus Gebieten geeinigt, „von denen aufgrund von der Verbreitung von Mutationen des Virus“ ein besonderes Risiko ausgeht. Kurz darauf wurden die Auflagen für Flugreisen aus Großbritannien um weitere 14 Tage bis zum 20. Januar verlängert. Dies gilt auch für Südafrika, wo eine weitere hochansteckende Variante des Virus umgeht. Allein die Mutation aus Großbritannien wurde offenbar schon in 32 Staaten nachgewiesen.

Allerdings ist fraglich, ob es tatsächlich eine „britische Variante“ ist. Denn kein anderer europäische Staat untersucht so viele Erbgut-Proben von Covid-19-Getesteten wie Großbritannien. Zum Vergleich: Für Deutschland liegen für die gesamten Pandemiemonate 1742 Genanalysen des Erregers vor. Bei den Briten waren es zuletzt weit über 100 000 – pro Woche. Es könnte also sein, dass die Mutation längst in anderen Staaten weit verbreitet ist, aber nicht erkannt wurde. Auch die Bundesregierung setzt nun auf eine „verstärkte Sequenzierung“ der Virenproben. Auf diese Weise soll geklärt werden, ob und wie stark mutierte Varianten in Deutschland um sich greifen.

Was die Impfungen angeht, so gehen Wissenschaftler zwar davon aus, dass die neuen Vakzine auch gegen die veränderten Viren wirken. Einer Studie des Konzerns Pfizer zufolge soll der Biontech-Impfstoff auch gegen die Coronavirus-Mutation aus Großbritannien schützen. Das Vakzin sei auch gegen 15 weitere Varianten wirksam, erklären die Forscher.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist dennoch überzeugt, „dass die Mutation zu einem besorgniserregenden Verlauf der Pandemie führt“. Eine Verbreitung der Mutation in Deutschland würde zu einer „dramatischen Zunahme der Ansteckungen“ führen, „und zwar um die 50 Prozent“, sagte Lauterbach unserer Redaktion. In der Folge käme es auch zu deutlich mehr Todesfällen. Es sei daher wichtig gewesen, die Lockdown-Maßnahmen noch einmal zu verschärfen. „Wir sollten auch nicht davon ausgehen, dass wir am 1. Februar aus dem Lockdown herauskommen.“

Um sich vor den Mutationen zu schützen, haben sich viele Staaten abgeschottet, auch Deutschland. Nach der bis zum 20. Januar verlängerten Verordnung dürfen nur Bundesbürger oder in Deutschland wohnhafte Menschen aus Großbritannien und Südafrika einreisen. Sie müssen vor dem Abflug einen negativen Test vorgelegt haben. (mit jor)

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