Politik

Justiz Journalist erhebt Vorwürfe gegen Erdogan

Yücel: „Ich bin gefoltert worden“

Berlin.Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel ist während seiner Haftzeit in der Türkei eigenen Angaben zufolge gefoltert worden. Yücel machte dafür gestern in einer Aussage vor dem Amtsgericht in Berlin den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verantwortlich. „Ich wurde im Gefängnis Silivri Nr. 9 drei Tage lang gefoltert“, hieß es in Yücels Aussage in dem Strafverfahren. „Womöglich auf direkte Veranlassung des türkischen Präsidenten oder dessen engster Umgebung,“

Opposition will deutliches Signal

Deutsche Oppositionspolitiker forderten Konsequenzen von der Bundesregierung. Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Sevim Dagdelen, verlangte die sofortige Einbestellung des türkischen Botschafters ins Auswärtige Amt. Das sei nötig, „auch um weitere in türkischer Haft befindliche deutsche Staatsbürger vor Folter und Misshandlung zu schützen“, sagte die Vorsitzende der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe. Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour sagte: „Die Bundesregierung muss Präsident Erdogan klar zu verstehen geben, dass sie die wahllose Folter und Inhaftierung deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger nicht länger akzeptiert. “

Der AKP-Politiker und Erdogan-Vertraute Mustafa Yeneroglu bezweifelte, dass Yücel während seiner Haft in Istanbul gefoltert worden ist: „Ich kann es mir nicht vorstellen. Es widerspricht den mir bekannten Vorfällen und auch seinen späteren Äußerungen mir gegenüber.“