Politik

Lübcke-Prozess Arbeitskollege belastet den Angeklagten

Zeuge spricht von Vorfällen bei der Arbeit

Archivartikel

Frankfurt.Im Prozess um den Mordfall am ehemaligen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat ein Arbeitskollege rechtsextreme Äußerungen des Angeklagten Stephan E. geschildert. E. habe über Ausländer, die kriminell geworden oder ohne Bleiberecht seien, gesagt, diese müsse man in ein Flugzeug setzen und über dem Mittelmeer herauslassen, sagte der Zeuge am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt am Main. E. habe sich enttäuscht über die Politik der Bundesregierung geäußert und härteres Durchgreifen verlangt.

Aggressives Verhalten

In seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Kollege des Hauptangeklagten noch ausgesagt, E. habe Gewalt gegen Ausländer und Politiker propagiert, doch nun berief sich der Zeuge auf Erinnerungslücken. Der 55-Jährige berichtete von E.’s aggressivem Verhalten am Arbeitsplatz. Bei zwei Vorfällen sei es zu Schubsereien mit Kollegen gekommen. Der Zeuge bestätigte zudem Angaben aus seiner Vernehmung, bei der er E. als „Wildtier in Lauerstellung“ bezeichnet hatte.

Der Zeuge berichtete, E. habe ihn zu einer Kagida-Demonstration mitgenommen, des Kasseler Ablegers der damaligen Pegida-Bewegung. Dort habe er den Eindruck gewonnen, E. habe viele der Anwesenden gekannt. Auch die Lektüre entsprechend ausgerichteter Zeitungen habe er angeregt. E. habe ihm erzählt, dass er früher NPD-Mitglied gewesen sei.

Walter Lübcke war im Juni 2019 vor seinem Haus im Landkreis Kassel erschossen worden. E. soll ihn aus rechtsextremistischen Motiven getötet haben. Er ist wegen Mordes angeklagt, dem Mitangeklagten Markus H. wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. 

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