Ratgeber

Baden-Württemberg in Sachen Digitalisierung mit an der Spitze

Archivartikel

Satiresendungen und etliche private Gespräche nutzen die Digitalisierung gerne als Aufhänger. Allgemein kommt es der Bevölkerung gerne so vor, als sei Deutschland in diesem Punkt das reinste Entwicklungsland, was auf einige Gebiete bezogen sogar noch stimmen könnte. Dennoch ergab eine Studie, dass Deutschland gar nicht schlecht dasteht. Immerhin schafft es Deutschland im internationalen Vergleich auf Rang Fünf. Regional betrachtet schneidet Baden-Württemberg gemeinsam mit Bayern auf den Spitzenpositionen ab. Aber was bedeutet dieser Vergleich eigentlich und was bedeutet die Digitalisierung für Unternehmen?

Worum ging es in der Untersuchung?

Die Studie von Cisco befasste sich mit der »Digital Readiness«, also dem Status, der besagt, wie gut ein Land auf die neue Zeit vorbereitet ist. Insgesamt wurden Länder in sieben Kategorien bewertet:

  • Technologische Infrastruktur - sie beschreibt die Verfügbarkeit von digitalen Vorgängen und den Zugang zum Internet der Dinge.
  • Technologische Adaption - wie stark werden digitale Dienstleistungen und Produkte nachgefragt?
  • Humankapital - wie viele Fachkräfte stehen zur Verfügung?
  • Grundbedürfnisse - wie sind die menschlichen Bedürfnisse gedeckt? Diese bestehen unter anderem aus Strom, Wasser, Nahrung.
  • Rahmenbedingungen - wie sehen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus, gibt es Förderungen?
  • Investitionen - investieren Regierungen und Betriebe in die Digitalisierung? Start-up - fördert das Land Start-ups in dem Bereich?

Deutschland, insbesondere aber Baden-Württemberg, konnte sich in den Bereichen der technologischen Infrastruktur, den Rahmenbedingungen und natürlich bei den Grundbedürfnissen deutlich durchsetzen.

Was bedeutet Digitalisierung für Unternehmen?

Nicht nur in der Bevölkerung, auch in vielen Unternehmen ist die Digitalisierung zwar ein tägliches Thema, doch wird sie gerne falsch verstanden. Sicher gehören selbstfahrende Autos, automatisierte Lager und Produktionen oder Roboter mit in den Bereich. Die Digitalisierung besteht aber auch aus klassischen Punkten und auf diese will heute schon kein Betrieb mehr verzichten. Denn genau genommen ist auch das typische Textverarbeitungsprogramm in dem Bereich anzusiedeln. Nutzt ein Betrieb diese Softwares bereits in der Cloudversion, wie es bei Windows teils üblich ist, arbeitet es digital. Ein Überblick über alles, was in den digitalen Bereich fällt:

  • Cloud-Dienste – drucken, schreiben, Dateien verschieben, all dies basiert heute gerne auf einer Cloud. Für Betriebe gibt es freilich weitaus mehr Möglichkeiten. Softwares werden häufig cloudbasiert genutzt, da dies einfacher ist, als die Programme auf jeden PC oder den Firmenserver zu installieren. Der automatische und aktuelle Datenabgleich kann mit der Cloud sichergestellt werden – und zwar auch für den Außendienstmitarbeiter, der sich am anderen Ende Deutschlands aufhält.
  • KI-Nutzung – künstliche Intelligenz kann sich für viele Unternehmen lohnen. Schon jetzt gibt es ausreichend Programme, die eigenständig Daten analysieren oder den Markt begutachten. Künftig wird es weitaus mehr Möglichkeiten geben. Es ist gut, wenn ein Betrieb heute schon prüft, welche Bereiche er an die KI auslagern könnte und sicherstellt, dass er Mitarbeiter hat, die diese Aufgaben überwachen können.
  • Automatisieren – mit Softwares wie ERP oder CRM lassen sich Prozesse des Arbeitsalltags automatisieren. Ein ERP bietet unter anderem die Möglichkeit, mit kleineren Lagern zu arbeiten, da der Markt überwacht wird. ERP-Systeme, das Bekannteste ist sicher SAP, können so vielseitig eingesetzt werden, dass nicht nur Niederlassungen miteinander verbunden sind, sondern Hintergrundarbeiten völlig eigenständig und automatisch ablaufen. Es gibt eine große Auswahl verschiedener Systeme, die ausgewählt werden können, so dass ein vorheriger Vergleich sehr wichtig ist.
  • Logistik – in der Logistik ist die Digitalisierung bereits angekommen. Touren werden getrackt, Waren zuverlässig gescannt und jeder weiß genau, wo sich welches Stück aktuell befindet. Auch dies kann noch ausgearbeitet werden, unter Umständen mit KI oder speziellen Robotern.
  • Natürlich wird immer wieder gescherzt, dass die Digitalisierung nur dazu führt, dass der Kühlschrank dem Herd sagt, welche Lebensmittel ablaufen und was abends gekocht wird, doch ist sie so viel mehr. Sie bietet Chancen, aber nur, wenn Unternehmen bereit sind, den Schritt zu wagen.

Was muss in Deutschland noch getan werden?

Trotz der Studie darf nicht vergessen werden, dass es in Deutschland in jedem Bundesland Ortschaften oder Flecken gibt, die weder eine vernünftige stationäre Internetanbindung, noch ein gutes Mobilfunknetz aufweisen. Diese weißen Flecken müssen verringert werden, denn geschieht dies nicht, werden die ländlichen Gebiete immer weiter verkümmern. Zudem könnten mit einem guten Ausbau in diesem Bereich die Landflucht aufgehalten oder gar Unternehmen aufs Land gezogen werden. Auf der anderen Seite gilt:

  • Mentalitätswechsel – der betrifft nicht allein Unternehmer, jeder muss sich gegenüber der Digitalisierung mehr öffnen. Das heißt auch, sich mit ihr zu beschäftigen und nicht nur die Standardargumente einiger Gegner zu wiederholen, sondern selbst zu schauen, was eigentlich das Internet der Dinge ist und was die Digitalisierung beinhaltet.
  • Förderungen – zugleich muss die Politik jetzt schon Weiterbildungen fördern und mithelfen, dass heutige Arbeitnehmer fit für neue Aufgaben gemacht werden. Wegfallende Arbeitsplätze lassen sich nur auffangen, indem die Arbeitnehmer für neue Aufgabengebiete geschult werden.
  • Wichtigkeit – gerade kleinere Betriebe müssen beginnen die Digitalisierung wichtiger zu nehmen und zu überlegen, wie sie einzelne Komponenten in ihren eigenen Betrieb integrieren können. Selbst der kleinste Handwerksbetrieb kann profitieren – und sei es, weil die Säge schlichtweg sauberer schneidet, wenn ein Programm dahintersteht.

Es gibt also durchaus noch etwas zu tun, damit Deutschland vollends gewappnet für die Digitalisierung ist. Und ist dies geschehen, dürften auch selbstfahrende Autos oder sprechende Kühlschränke nicht mehr belächelt werden.

Der Breitband-Ausbau in Deutschland sollte weiter forciert werden.

Fazit - an den Besten orientieren

Auf dem fünften Platz darf sich Deutschland natürlich nicht ausruhen, zumal gerade die Deckung der Grundbedürfnisse für Punkte gesorgt hat. Baden-Württemberg ist bereits allgemein gut aufgestellt, trotzdem ist hier noch Luft nach oben. Start-ups finden so in Hamburg die besten Bedingungen, nicht im Süden. Wichtig ist, dass sich die gesamte Denkweise bezüglich der Digitalisierung ändert und sich Betriebe mehr und mehr den Möglichkeiten öffnen, anstelle sie aus Prinzip abzulehnen. Wer jetzt nicht umdenkt und sich mit der Materie beschäftigt, der wird früher oder später abgehängt. Und ob es dann noch möglich sein wird, die Veränderung anzustoßen und die Konkurrenz wieder einzuholen, ist mehr als fraglich. Also: Lieber heute schon planen und morgen vorangehen, statt den anderen hinterher zu winken.