Ratgeber

Big Data – das Geschäft mit persönlichen Daten

Archivartikel

Für Unternehmen sind Big Data ein großer Schritt im Marketing, für Kunden grenzt es an einen Mangel an Privatsphäre. Unter Big Data sind große von Unternehmen gesammelte Datenmengen zu verstehen. Diese Datenmengen dienen der Analyse und Optimierung des eigenen Geschäftsmodells. Ein wesentlicher Wunsch von Unternehmen ist es, die Kunden und deren Bedürfnisse genauestens zu kennen. Entsprechend wird das Marketing ausgerichtet, damit die Verkaufswahrscheinlichkeit an Kunden steigt. Bei den Kunden stößt dieses Vorgehen nicht immer auf Verständnis, denn es verführt zu Käufen und dem Ausgeben von Geld. Verhindern lässt sich dieses Vorgehen von Unternehmen nicht, aber es existieren Möglichkeiten, um personalisierte Werbungen zu umgehen und die eigenen Daten generell besser zu schützen.

VPN etabliert sich zunehmend als Standard für generelle Datensicherheit

VPN ist die Abkürzung für ein Virtuelles Privates Netzwerk. Mit Hilfe dieses Dienstes, den Nutzer bei einem Anbieter buchen, erfolgt eine verschlüsselte Verbindung zum Internet. Aufgrund der Verschlüsselung entsteht um die Internet-Nutzung herum der sogenannte VPN-Tunnel: Der gesamte Datenverkehr innerhalb des Tunnels ist für Außenstehende nicht einsehbar. Dies schützt einerseits vor Datendiebstahl bei der Nutzung öffentlicher WLAN-Hotspots, andererseits vor den Zugriffen durch Behörden.

Ein VPN ist in Zeiten, in denen vermehrt Daten über Nutzer verfügbar sind, generell von Vorteil. In Bezug auf die Werbung von Unternehmen kann es Nutzern dabei helfen, der Preisdiskriminierung aus dem Weg zu gehen. Unter einer Preisdiskriminierung ist zu verstehen, dass Nutzer auf Basis ihrer Serverstandorte verschiedene Angebote zugespielt bekommen. Diese Angebote können teurer oder günstiger als für Personen aus anderen Ländern sein. Das VPN trägt durch die Wahl eines anderen Serverstandorten als des tatsächlichen zu einer eventuellen Senkung des Preises bei. Dies funktioniert wie folgt:

  • Ein Nutzer wählt beim Anbieter den Serverstandort „USA“ aus.
  • In der Folge prüft er den Preis für Hotel und Mietwagen auf dem Portal seiner Wahl, z. B. auf Trivago.
  • Im nächsten Schritt ändert der Nutzer den Serverstandort und wählt „Großbritannien“ aus. Er prüft dasselbe Angebot nochmal.
  • Der Preis könnte – falls es bei Trivago eine Preisdiskriminierung gibt – entweder höher oder geringer ausfallen.
  • Durch die Prüfung der Preise mit verschiedenen Serverstandorten können sogar mehrere Hunderte Euro bei einem Urlaub gespart werden.

Der Vorteil eines VPNs, verschiedene Serverstandorte anwählen und sich als Nutzer aus einem anderen Land ausgeben zu können, tritt auch bei der Nutzung der Streaming-Dienste zutage. Denn durch die Wechsel der Serverstandorte sind Inhalte bei Netflix, Amazon Prime und anderen Diensten verfügbar, die standortabhängig durch das Geoblocking in einzelnen Staaten gesperrt sind.

Damit Unternehmen über die Daten von Nutzern keine Preisdiskriminierung durchführen, ist ein VPN nützlich. Es sorgt dafür, dass höhere Kosten durch einen ungünstigen Serverstandort vermieden werden.

Personalisierte Werbung durch spezielle Maßnahmen blocken oder reduzieren

Das VPN kann zum Verhindern einer Preisdiskriminierung hilfreich sein. Aber personalisierte Werbung lässt sich mittels VPN nicht verhindern. Hierfür oder zumindest zur Reduzierung personalisierter Werbung existiert eine Reihe anderer möglicher Maßnahmen:

  • In den Browsereinstellungen die Auswahl der Cookies von Drittanbietern blockieren.
  • Im Browser einstellen, dass Cookies nach dem Schließen des Browsers automatisch gelöscht werden.
  • Getrennte Browser verwenden und nicht-anonyme Anwendungen (z. B. Facebook, Login-Portale) nur in einem Browser nutzen.
  • Spezielle Tracking- und Ad-Blocker nutzen.

AdBlocker sind effektiv und haben weiterführende Vorteile. Dadurch, dass sie das Laden von Werbungen verhindern, fällt die Ladezeit von Webseiten kürzer aus. Somit ist schnelleres Surfen möglich. Es existieren mehrere VPN-Anbieter, die damit werben, auch Werbungen blocken zu können. Ein VPN mit solcher Funktion ist meist nicht zuverlässig oder es verweigert den kompletten Zugriff auf Internetseiten mit Werbung. Das ideale Vorgehen ist demnach, ein VPN ohne Werbeblockaden zu verwenden. Dazu ein separater Ad-Blocker ist eine sinnvolle Kombination zum Schutz der persönlichen Daten.

Bei Ad-Blockern zeigt sich in Statistiken eine steigende Nutzung auf Smartphones. Dies ist insofern zu begrüßen, als dass der Anteil des Surfens über Mobiltelefone seit Jahren konstant steigt. Wer die persönlichen Daten ganzheitlich schützen möchte, verwendet fürs Smartphone idealerweise dieselben Anwendungen wie auf stationären Endgeräten. Der Anteil der Nutzer von Ad-Blockern in Deutschland beträgt rund 33 %.

Die nächsten Schritte gehen über Big Data hinaus

Nutzer, die die persönlichen Daten schützen und das personalisierte Marketing verhindern möchten, sind mit VPN und Ad-Blockern langfristig gut gerüstet. Die Unternehmen gehen schon heute die nächsten Schritte zu einem ganzheitlichen Kundenerlebnis. Mittlerweile ist von Smart Data die Rede: Große Datenmengen werden miteinander verknüpft und automatisiert umfassend ausgewertet. Ohne eine automatisierte Verknüpfung und Auswertung nutzen die Unternehmen die vorhandenen Potenziale der hohen Datenmengen für das eigene Marketing noch längst nicht aus. So viele Daten, wie aktuell generiert werden, können nicht ausgewertet werden. Smart Data soll diesem Problem entgegenwirken und aufschlussreichere Analysen liefern. Für die Kunden ist dies noch mehr mit der Konsequenz verbunden, zielgruppengerechte Werbung ausgespielt zu erhalten. Die Unternehmen werden durch Prämien und Programme bei diesen und weiteren Maßnahmen gefördert. So steigt die Versuchung zum Kauf für die Kunden. Das Geschäft der Unternehmen mit den persönlichen Daten hingegen – das brummt.