Ratgeber

Die Wahl des ‚richtigen‘ Pflegeheims

Archivartikel

Wann ist ein Heimaufenthalt notwendig oder wann ist er die bessere Wahl im Vergleich zur häuslichen Pflege? Oder ist er überhaupt erforderlich? Diese Frage ist eine sehr individuelle und persönliche. Außerdem hat es auch mit den äußeren und familieninternen Umständen zu tun. Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Aber wenn ein Umzug in ein Heim beschlossene Sache ist: Wie findet und wählt man das richtige Heim aus? Hier ein paar Hilfestellungen…

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Es gab für mich zwei Ansätze: Entweder ich lasse meine Mutter in der Stadt, in der sie sozial gut verankert war oder ich nehme sie zu mir. Allerdings waren das nur knapp 20 km Entfernung, doch sie machten auch irgendwann den Unterschied. Meine Mutter kam sehr lange sehr gut zu Hause zurecht. Zu einem bestimmten Zeitpunkt haben wir das Wohnzimmer im Erdgeschoss zum Schlafzimmer umfunktioniert, so dass sie keine Treppen mehr laufen musste. Aber sie wusste immer noch intuitiv, wo der Lichtschalter war und wo die einzelnen Zimmer waren. Das war im Pflegeheim dann nicht mehr der Fall und umgewöhnen konnte sie sich nicht mehr. Und dennoch, am Ende war alles viel zu beschwerlich: für sie, für mich, für uns alle. Ich hatte es im Gefühl, dass sie nicht mehr allzu lange bei uns sein wird, aber ich hatte auch Angst, was wäre, wenn ich mal tagsüber weg bin und sie stürzen würde. Kurzum – ich brauchte einen Heimplatz.

 

Die Kriterien

Zur damaligen Zeit hatte ich schon einige Häuser besucht und uns auf die Warteliste setzen lassen. Es war für mich wichtig, nicht nur mit dem Auto gut hinzukommen, sondern dass es auch eine gute Lage hatte. In der Großstadt kann man da schon ein wenig anspruchsvoller sein. Leider ist das auf dem Land nicht möglich, denn da sind Heimplätze eher rar und man hat schon Glück, wenn man überhaupt eines im näheren Umkreis findet. Aber in einer größeren Stadt hat man mehr Auswahl. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich mir immer lieber selbst ein Bild mache und nichts auf irgendwelche Internetbewertungen gebe. Schon eher Empfehlungen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Aber auch da ist es wichtig herauszufinden, was jemand als wichtiger empfindet: wie das Heim aussieht oder wie der Mensch betreut wird. Und zwar nicht nur ‚versorgt‘ sondern als Mensch wertgeschätzt und ernst genommen. Besonders, je nach Krankheit des Menschen. Meine Mutter war an Demenz erkrankt und war im letzten Stadium. Klar, war das nicht einfach. Aber etwas mehr Einfühlungsvermögen und Akzeptanz ihres Verhaltens seines des Pflegepersonals hätte ich mir gewünscht. Doch wichtig ist es, sich das Heim einmal mit Anmeldung und einmal ohne Voranmeldung anzuschauen. Spüren Sie die Atmosphäre. Schauen Sie die Menschen an und versuchen Sie ein wenig die Stimmung zu begreifen. Und natürlich achten Sie auch auf Äußerlichkeiten, wie z.B. Sauberkeit im Heim, wie sehen die Heimbewohner*Innen aus? Sind sie ein wenig zurecht gemacht oder haben sie einfach irgendwas an und das gar noch mit Flecken? All das kann einen Eindruck hinterlassen. Aber trotz allem – richten Sie nicht nur nach dem Äußeren oder nach dem ersten Eindruck. Fragen Sie nach, wenn Sie Zweifel haben.

Covid-19

Die Wahl des richtigen Pflegeheims in Coronazeiten ist eine enorme Herausforderung, denn heute kann man nicht einfach so in ein Pflegeheim reingehen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen oder gar mit Heimbewohner*Innen und Besucher*Innen plaudern. Heute würde ich auf jeden Fall darauf achten, welche Maßnahmen bei einem Corona-Ausbruch im Heim ergriffen werden.

  • Gibt es ausreichend Informationen auf der Webseite?
  • Gibt es einen Notfallplan?
  • Wie ist die Kommunikation im Heim intern und extern geregelt?
  • Werden Sie Auskunft erhalten? Gibt es eine Person, die Ihnen immer Auskunft erteilen kann und erreichbar ist?
  • Gibt es Besuchsregeln und wenn ja, wie sehen diese aus? Können Sie diese mit Ihrem Alltag vereinbaren? In vielen Heimen konnte man z.B. nur zwischen 16.00 und 17.00 nach Voranmeldung die Bewohner*Innen besuchen.

In Zeiten der Pandemie würde ich auf jeden Fall zusätzlich noch im Internet recherchieren, denn man sollte schon auch ein Gefühl dafür bekommen, ob das Heim irgendwelche Fälle hatte oder in der Kritik eines schlechten Corona-Managements hatte. Aber auch hier Obacht! Denn selbst, wenn es solche Vorfälle gab und das Heim in der Kritik stand, kann es gut möglich sein, dass es im Gegensatz zu anderen, daraus lernte und heute viel besser da steht als die anderen. Bei der Recherche also immer auf das Datum des Beitrags achten. Sie können die Heimleitung auch auf die Vorfälle ansprechen und ihr die Möglichkeit geben zu erläutern, was geändert wurde. Einen Ruf zerstört man schnell, aber ihn aufzubauen benötigt es sehr lange.

Videotelefonie, W-LAN und digitale Angebote

Manch ein Heim hat die Möglichkeit der Videotelefonie eingeführt oder gar den Einsatz digitaler Hilfsmittel, um die Bewohner*Innen fit und bei Laune zu halten. Der Norden Deutschlands scheint dem Ganzen etwas offener und aufgeschlossener zu sein als der Süden. Hier gibt es schon einige Heime, die diese Richtung eingeschlagen haben.

Sie sehen, es gibt sehr viele Punkte, die man beachten sollte. Und vor allem noch einen abschließenden Tipp: Auch wenn Sie auf der Warteliste sind sollte Sie sich immer mal wieder bei der Heimleitung melden und nachfragen, wie es aussieht und ob sie auch wirklich noch auf der Liste stehen. Ansonsten könnte es ein böses Erwachen geben.

In diesem Sinne – Bleiben Sie gesund und bis nächste Woche!

Ihre Waltraud Gehrig