Ratgeber

Diebstahl im Ausland: Tipps für den Notfall

Was tun, wenn in Asien, Afrika oder Down Under Langfinger aktiv werden und buchstäblich über Nacht das ganze Geld weg ist? Sind Geld- und Kreditkarten, Smartphone, Rückflugtickets und Schlüssel ebenfalls gestohlen, kann sich der Urlaub in Sekundenschnelle zu einem Albtraum entwickeln. Die folgenden Tipps helfen, den schlimmsten Befürchtungen den Schrecken zu nehmen.

 

Ruhe bewahren!

Es ist nicht einfach, die Panik niederzukämpfen, die sich in einer solchen Situation breit macht, doch es nutzt wirklich gar nichts, sich aufzuregen. Stattdessen ist es ratsam zuerst in Ruhe die zuletzt besuchten Orte nach den offenbar gestohlenen Sachen zu durchsuchen. Koffer, Hotelzimmer, Restaurant – es sollte alles möglichst schnell überprüft werden. Dieser Schritt darf nicht allzu viel Zeit kosten, denn wenn Geldkarten gestohlen wurden, könnten sich Diebe bereits an den Konten zu schaffen machen oder auf fremde Rechnung shoppen gehen.

Erste Hilfe mobilisieren und Geld beschaffen

Wer mit Freunden oder Bekannten unterwegs ist, hat meist Glück, denn diese können vorübergehend mit Geld aushelfen. Manchmal unterstützen auch Reiseveranstalter oder die Mitarbeiter im Hotel mit Bargeld. Sie setzen die finanzielle Hilfe mit auf die Rechnung. Findet sich vor Ort niemand, sollte der Kontakt zu Familie und Freunden zuhause in Betracht gezogen werden.

  • Falls auch das Smartphone gestohlen wurde ist es oft möglich vom Telefon der Ferienunterkunft aus ein Gespräch nach Hause zu führen.
  • Alternativ können öffentlich zugängliche PCs in Stadtbibliotheken oder in der öffentlichen Verwaltung vor Ort den Zugriff auf Facebook oder den E-Mail-Account ermöglichen.

Über einen der beiden Wege lässt sich eine Vertrauensperson zuhause kontaktieren. Diese kann zum einen die Sperrung der Karten veranlassen oder zumindest die nötigen Informationen besorgen. Zum anderen kann sie von Deutschland aus per Sofortüberweisung Geld ins Ausland schicken, damit der Bestohlene schnell wieder flüssig ist und handlungsfähig wird.

Schnell an Bargeld kommen

Wie ein Geldtransfer funktionieren kann, erklärt das folgende Beispiel: Die Kontaktperson in Deutschland nutzt einen Geldtransferdienstleister, wählt das Zielland aus und übermittelt das Geld zur Barauszahlung einem Vertragspartner, der in der Nähe des bestohlenen Urlaubers ansässig ist. Bei der Transaktion wird ein Code genannt, den der Urlauber benötigt, um das Geld bei der auszahlenden Stelle im Urlaubland abzuholen. Dort müssen Ausweis und Code vorgelegt werden, um das Geld zu erhalten.

Wer sich vorab beim Geldtransferdienstleister registriert, ist etwas flexibler. In diesem Fall kann nämlich ein konkretes Konto hinterlegt werden, auf welches das Geld überwiesen werden soll. Mit der App von Western Union lassen sich Überweisungen sehr schnell realisieren. Wird als Zahlungsmittel eine Kreditkarte angegeben, ist das Geld in bar innerhalb kürzester Zeit verfügbar. Nutzer, die die App bereits installiert haben und verwenden, können als zusätzliche Möglichkeit auch Geld auf ein Bankkonto überweisen. Zu bedenken ist dabei, dass es mehrere Tage dauert bis der Zugriff erfolgen kann und das Geld auf dem Konto nichts nützt, wenn die dazugehörige Karte gestohlen wurde.

Karten sperren lassen

Falls nicht bereits geschehen, sollten die Kredit- und Geldkarten umgehend gesperrt werden. Diebe können mit den Karten online und offline großen finanziellen Schaden anrichten und das Konto bis ans Limit überziehen. Falls auch die Ausweispapiere gestohlen wurden, ist eine Anzeige bei der örtlichen Polizei dringend ratsam. Denn mit einer offiziellen Anzeige wird es später wesentlich leichter bzw. überhaupt erst möglich, die gestohlenen Dokument neu ausstellen und den finanziellen Schaden bei der Versicherung geltend zu machen.

Anzeige bei der Polizei im Ausland und in Deutschland erstatten

Es gibt gute Gründe, die für den Aufwand sprechen, eine Anzeige bei der ausländischen Polizei aufzugeben. Die wichtigsten sind die folgenden:

  • Die Anzeige bestätigt offiziell, dass die Dokumente im Ausland gestohlen wurden. Mit der Bestätigung ist es erheblich unkomplizierter, in Deutschland rasch neue Papiere zu bekommen.
  • Nutzt der Dieb den Ausweis zum Zwecke des Identitätsdiebstahls ist die Beweislage klar, wenn es um die Aufklärung der Straftat geht. Im Übrigen erstatten Banken und Versicherungen den finanziellen Schaden nur, wenn eine offizielle Anzeige vorliegt.
  • In Deutschland ist später das ausländische Dokument nötig, um die zwingend erforderliche Anzeige bei der deutschen Polizei erstatten zu können. Die Anzeige ist schon aus Sorgfaltspflicht der eigenen Person gegenüber unbedingt zu machen. Denn sobald die Anzeige in Deutschland aufgenommen worden ist, werden die Dokumente im Schengen-Raum zur Fahndung ausgeschrieben. Das heißt auch, dass der Bestohlene selbst nicht für eine Straftat haftbar gemacht werden kann, die mit der gestohlenen Identität begangen wurde. 

Alle Karten, Papiere und Tickets weg: Die Deutsche Botschaft aufsuchen

Falls alle Stricke reißen und es keine Möglichkeit gibt, im Ausland von Fremden Hilfe zu bekommen, dann bleibt in jedem Fall noch der Weg zur Deutschen Botschaft. Die staatliche Hilfe im Ausland  ist eine offizielle Anlaufstelle, die weiß, was zu tun ist. Die Deutsche Botschaft wird vor allem in Sachen Reisepass aktiv, denn sie kann ein Ersatz-Dokument ausstellen, mit dem die Rückreise nach Deutschland angetreten werden kann. Bargeld aber zahlt sie in der Regel nicht aus! Für den Ersatz-Reisepass sind zwei Lichtbilder nach biometrischen Vorgaben nötig, das Polizeiprotokoll, in dem der Diebstahl angezeigt wird und nach Möglichkeit irgendein Identitätsnachweis.

Falls eine Rückreise nach Deutschland aber nicht in Frage kommt, beispielsweise weil sich der Bestohlene auf einer Weltreise oder auf der Durchreise in ein anderes Land befindet, dann dauert es eine gewisse Zeit, bis die Ersatz-Papiere ausgestellt werden. Die Bearbeitungszeiten variieren und liegen im Schnitt bei 5 bis 15 Werktagen, was ein bis drei Wochen sind. Grund ist, dass die Deutsche Botschaft sich mit den zuständigen Behörden am Heimatort des Bestohlenen in Verbindung setzen und die Einzelheiten bürokratisch genau und vollständig klären muss.

Notfalltipp zur kostengünstigen Übernachtung während der Überbrückungszeit

Wenn es einige Zeit dauert, bis das Geld verfügbar und der neue Pass ausgestellt sind, brauchen von Diebstahl betroffene Reisende eine günstige Unterkunft. Zu den Geheimtipps gehören kirchliche oder caritative Einrichtungen, die kostenfrei oder gegen eine Spende eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Wer die Landessprache beherrscht, kann bei einem Kloster nachfragen und um Herberge bitten. Reisende, die sich ohnehin der Community der Couchsurfer angeschlossen haben, finden sicherlich über diese Plattform rasch Hilfe und Unterstützung.