Ratgeber

Wenig Zinsen

Dispozinsen auch weiterhin auf hohem Niveau – was können Betroffene tun?

„Keine Zinsen mehr auf Zinseinlagen – Sparer werden enteignet“, „Kredite werden immer günstiger“ – solche Schlagzeilen haben viele Medien in den letzten Jahren produziert. Während die Sparzinsen sich aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB tatsächlich im absoluten Tief befinden, sieht das Bild bei Krediten differenzierter aus. Baukredite und mit Abstrichen auch herkömmliche Ratenkredite lassen sich zu sehr günstigen Konditionen bekommen.

Doch bei den Dispozinsen sieht es anders aus, wie eine Finanztest-Auswertung schon im letzten Jahr herausfand. Demnach sind die durchschnittlichen Dispozinsen zwischen 2017 und 2018 kaum gesunken. Doch warum ist das so? Wie teuer sind Dispokredite aktuell und was können Verbraucher tun, um eine teure Dispofalle zu umgehen?

Wie sieht es bei den Dispozinsen im Detail aus?

Im Jahr 2018 lagen die Dispozinsen bei durchschnittlich 9,72% pro Jahr. Im Vergleich zu 2017 (9,78%) ist dies nur eine minimale Absenkung. In der Spitze verlangen einzelne Banken nach wie vor Zinssätze zwischen 12 und 13,75% pro Jahr. Angesichts der niedrigen Leitzinsen ist dies kaum verständlich, denn Banken können sich schon seit Längerem zum Nullzins Geld von der EZB leihen.

Glücklicherweise existieren bei den Banken mit reiner Online-Kontoführung jedoch mittlerweile zahlreiche Kontomodelle, die einen Dispo-Zins zwischen 5 und 7% verlangen. Trotzdem lässt sich festhalten, dass die Banken hier auf Kosten der Verbraucher große Gewinnmargen abgreifen. Diese lassen sich auch nicht mit der großen Flexibilität rechtfertigen, die ein Dispokredit für die Betroffenen mit sich bringt.

Die Dispofalle – die Entstehung einer dauerhaften Kostenmühle

Ein Dispokredit ist für viele Kontoinhaber zunächst ein Segen. Es entsteht eine flexible Kreditlinie, die nach Bedarf ausgenutzt werden kann. Auf den ersten Blick ist dies sehr vorteilhaft:

  • Finanzielle Engpässe lassen sich überbrücken
  • Größere Anschaffungen könnten mit dem Dispokredit getätigt werden
  • Die Rückzahlung lässt sich je nach finanzieller Situation timen

Was zunächst gut klappt, entpuppt sich schnell als eine Finanzfalle. Viele Betroffene nutzen den Dispo einmal komplett aus und können diese mit ihrem monatlichen Einkommen nur noch gerade so ausgleichen. Da der laufende Monat jedoch wieder die herkömmlichen Kosten entstehen, beginnt das „Leben im Dispo“. Auch hier ließe sich einwenden, dass dies nicht wirklich schlimm ist – doch ein Blick auf die Kosten sagt etwas anderes:

Kosten für einen Dispo – ein genauerer Blick

Wer seinen Dispo über 3.000 zu einem Zinssatz von 10% ein Jahr lang nahezu immer ausgereizt hat, zahlt letztlich 300 Euro zusätzlich an Zinsen. Ein erheblicher Kostenpunkt, der nur dadurch verschleiert ist, dass die Zinsen vierteljährlich mit der Kontogebühr abgebucht werden. Gerade bei einem engen Portemonnaie kann dies auf Dauer echte Probleme ergeben, ohne dass der Dispo tatsächlich noch Vorteile bringt.

Wege aus der Dispofalle – welche Möglichkeiten bestehen?

Wer selbst seinen Dispo voll ausgereizt hat und regelmäßig hohe Zinsen zahlt, hat mehrere Möglichkeiten, diesen Zustand in Zukunft zu beenden. Hier einige Vorschläge:

1. Dispo umschulden und abtragen

Der beste Weg besteht darin, den Dispokredit schnellstmöglich umzuschulden. Heute lassen sich viele unkomplizierte Kreditanbieter finden, bei denen eine Umschuldung problemlos möglich ist. Wer dann seinen 3.000 Euro Dispo in 18 Monatsraten ablöst, muss laut einer Berechnung auf Bon-Kredit.de nur eine monatliche Rate von 180 Euro zahlen. Nach 18 Monaten ist er zudem schuldenfrei und hat keinerlei Kosten mehr.

2. Monatliche Kosten sparen und Dispokredit abzahlen

Wer keine festen kreditraten in Anspruch nehmen möchte, kann selbst eine monatliche Ersparnis festlegen und damit den Dispo immer weiter abbezahlen. So lassen sich in den meisten Fällen mindestens 10-30 Euro pro Monat sparen, die dann i die Abzahlung fließen. Der Vorteil liegt darin, dass die Kontoinhaber bei finanziellen Engpässen flexibel bleiben. Der Nachteil liegt darin, dass die Bequemlichkeit siegen könnte, da keine feste Abzahlung zu leisten ist.

3. Kontowechsel mit günstigerem Dispositionskredit durchführen

Als dritte Möglichkeit existiert natürlich auch noch der Kontowechsel. Betroffene können sich verschiedene Girokonten anschauen und sich für ein Angebot mit möglichst niedrigen Dispozinsen entscheiden. Hier liegt der Vorteil klar auf der Hand, denn die finanzielle Flexibilität wird deutlich günstiger. Nachteilig wirkt sich hier allerdings die Tatsache aus, dass ein Kontowechsel mitunter auch administrativen Aufwand beim Umleiten aller Buchungen bedeutet. Glücklicherweise stellen verschiedene Banken heute Kontowechsel-Services zur Verfügung, die die Prozedur erheblich erleichtern.

Die Dispofalle künftig vermeiden – welche Möglichkeiten gibt es?

Wer einmal in der Dispofalle war, möchte künftig nicht wieder hineintappen. Doch welche Möglichkeiten existieren, um dies in Zukunft zu verhindern? Der wichtigste Aspekt ist dabei der Aufbau einer Notreserve, die bei finanziellen Engpässen dafür sorgt, dass sich Betroffene nicht verschulden müssen. Wie funktioniert dies?

Je nach den eigenen finanziellen Rahmenbedingungen wird jeden Monat eine kleine Summe auf einem Sparkonto geparkt. Dies können sowohl 20 als auch 50 oder 100 Euro im Monat sein. Dies sollten Sparer so lange wiederholen, bis die Reserve die Kosten für mindestens 3 Monate decken kann. Danach lässt sich der Sparbetrag dafür nutzen, mit der Zeit ein kleines Vermögen aufzubauen, um besondere Ausgaben tätigen zu können oder finanzielle Freiheit zu erlangen.

Eine bessere Ausgabendisziplin kann natürlich ebenfalls dabei helfen, künftig nicht mehr auf den eigenen Dispokredit angewiesen zu sein. Dies fühlt sich anfangs hart an, aber lässt sich das Trainieren von Gewohnheiten nach einer gewissen Zeit deutlich einfacher durchziehen.

Hohen Dispozinsen entgehen und finanziell wieder Luft zum Atmen erlangen

Auch wenn der Dispokredit als flexible finanzielle Nothilfe durchaus sinnvoll sein kann, sollten sich Verbraucher vor der sogenannten Dispofalle hüten. Das Geld ist leider allzu leicht ausgegeben und dann greifen nur noch die hohen Dispozinsen. Wer es schafft, den Dispo nur in Notfällen zu nutzen und dann schnell wieder abzutragen, hat bereits den ersten richtigen Schritt getan. Einmal in der Schuldenfalle, hilft hingegen nur die Ablösung des Dispokredits oder die langsame Abtragung in monatlich sehr kleinen Raten. Gegen eine künftige finanzielle Verlegenheit kann es zudem hilfreich sein, langsam eine finanzielle Reserve aufzubauen.