Ratgeber

Internet Wie Nutzer Desinformationen im Netz entlarven können / Oft etwas Detektivarbeit erforderlich

Gefälschten Fotos auf der Spur

Kaiserslautern/Darmstadt.Spektakulär sind sie – und verbreiten sich im Netz rasend schnell. Doch gerade solche Bilder und Videos sind oft gefälscht oder aus dem Zusammenhang gerissen. Doch wie erkennt man Fakes? Wer allein auf technische Lösungen hofft, wird enttäuscht: „Es gibt keine Webseite und kein Tool, das Ihnen mit Sicherheit bestätigen kann, dass ein Foto nicht manipuliert ist“, warnt Professor Martin Steinebach vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT).

Das bedeutet aber nicht, dass Technologie nicht wertvolle Hilfe leisten kann. „Die einfachste und häufigste Art von Desinformation ist die Wiederverwendung von alten Fotos oder Videos in neuem Kontext“, sagt Steinebach. Wird Archivmaterial seriös eingesetzt, informiert ein Hinweis darüber und verweist auf das ursprüngliche Aufnahmedatum. Doch es kann auch unkommentiert instrumentalisiert werden, um die Wahrnehmung von Ereignissen zu verfälschen.

Umgekehrte Bildersuche

So ein irreführender Einsatz lässt sich oft durch die inverse Bildersuche von Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yandex sichtbar machen. Letztere findet etwa tendenziell mehr Suchergebnisse von Seiten aus Osteuropa. Ist ein Bild tatsächlich schon einmal im Netz aufgetaucht, finden es Suchmaschinen mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Allerdings klappt das nicht mit allen Fotos gleich gut. Lädt man etwa bei der Google-Bildersuche eine Aufnahme einer Demonstration in Berlin hoch, werden als „optisch ähnliche Bilder“ Demos an unterschiedlichsten Orten und zu verschiedensten Anlässen angezeigt. Sobald etwa Transparente auf dem Bild zu sehen sind, erhöht das die Trefferwahrscheinlichkeit.

„Allerdings können schon kleine Veränderungen am Bild oder der Trick, es spiegelverkehrt zu publizieren, die Bildersuche ins Leere laufen lassen“, warnt Steinebach. Um Veränderungen oder Bildmontagen zu entdecken, gibt es Webtools wie Fotoforensics.com oder Forensically.

Diese Tools arbeiten basierend auf der Annahme, dass durch die verschiedenen Komprimiervorgänge, die ein Digitalfoto meist durchläuft, sich dessen Bildflächen am Ende unterscheiden – etwa in den Farbwerten oder genereller im Bildrauschen, erläutert IT-Forensiker Steinebach. Teilweise analysierten diese Tools auch Metadaten wie Aufnahmeort oder -zeitpunkt. „Doch wenn das Foto nach der Manipulation nochmals komprimiert wird, kann das frühere Manipulationen verdecken“, erklärt Steinebach.

Auch mit Videos wird der Versuch unternommen, falsche Tatsachen vorzuspielen oder zu untermauern. Die Nutzung bereits vorhandener Aufnahmen in neuem, falschem Kontext, ist auch hier die häufigste Manipulationsform.

Amnesty International stellt auf der Seite Citizenevidence eine Suchmaske bereit, in die Links verdächtiger Youtube-Videos kopiert werden können. Die Seite stellt dann Metadaten wie Aufnahmeort oder Zeitpunkt des Hochladens fest und extrahiert einzelne Bilder, die wiederum für eine inverse Bildersuche verwendet werden können.

Skeptischer Blick

Oft hilft auch ein skeptischer Blick: Sind im Bild auftauchende Schriftzüge in der Sprache des Landes verfasst, wo das Ereignis angeblich stattgefunden hat? Stimmen Jahres- und Tageszeit überein? Außerdem sei es wichtig, mindestens eine zweite Quelle für das Ereignis zu finden, betont Pina Merkert vom IT-Fachmagazin „c’t“.„Wenn es keine zweite Quelle gibt oder die erste behauptet, andere Medien würden das Ereignis bewusst verschweigen, ist das eher ein Hinweis, dass ich gerade angelogen werde.“ Oft berichten auch Medien über wiederkehrende zweifelhafte Behauptungen und unterziehen sie einem Faktencheck.

Im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) arbeitet man derzeit an einem Browser-Add-on namens News Verifier. Es vergleicht ähnliche Fotos, analysiert, ob Teile hinzugefügt oder ausgeschnitten wurden, sucht mittels Gesichtserkennung nach bekannten Persönlichkeiten und filtert die wichtigsten Begriffe der Ursprungs-Webseite. Der News Verifier könnte noch in diesem Jahr auf den Markt kommen – und das Entlarven von Fakes für alle deutlich erleichtern. (dpa)

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