Ratgeber

Häusliche Pflege oder Leben im Heim: eine schwierige Entscheidung für Betroffene und Familien

Archivartikel

Es passiert meist schneller, als einem lieb ist: Mutter, Vater oder andere Familienmitglieder erleiden einen schweren Schicksalsschlag und werden pflegebedürftig. Das ist nicht nur belastend für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Angehörigen, wie Kinder und Enkel. Entscheidungen müssen getroffen und Maßnahmen eingeleitet werden und letzten Endes steht man vor der Frage: Häusliche Pflege oder Leben im Heim? Diese Entscheidung ist keine leichte und von eine Vielzahl von Faktoren abhängig.

Formen der häuslichen Pflege

Wenn die betroffene Person in vertrauter Umgebung gepflegt werden möchte, dann gibt es für die Unterbringung zu Hause mehrere Möglichkeiten.

  • Angehörige pflegen: Familienmitglieder, wie Partner*innen, Kinder oder Enkel*innen übernehmen hier die Pflegerolle. Das stellt zumeist einen erheblichen Aufwand dar, der nicht nur körperliche, sondern auch psychische Belastungen mit sich bringt. Der Grad dieser Belastung für die Angehörigen ist jedoch von der zugrundeliegenden Krankheit und dem Gesamtzustand abhängig. Um die Pflege stemmen zu können, werden im Vorfeld spezielle Kurse besucht. Die Angehörigen werden mit dem Pflegegeld finanziell unterstützt.
  • Pflegedienst: Neben der Pflege durch Angehörige kommt häufig ein sogenannter ambulanter Pflegedienst in Frage. Je nach Pflegegrad der zu behandelnden Person wird ein monatlicher Betrag dazu von der Pflegeversicherung zur Verfügung gestellt. Ambulante Pflegedienste übernehmen dann Aufgaben wie etwa körperliche, medizinische und betreuende Maßnahmen.
  • 24-Stunden-Pflege: Eine dritte Option, die oft die beste Lösung für alle Beteiligten darstellt, ist die 24-Stunden-Pflege. Dabei wird die betroffene Person rund um die Uhr betreut. Eine Betreuungskraft wohnt vor Ort und kann immer jederzeit schnelle Hilfe leisten, sollte es zu einem Notfall kommen. Jedoch sollten Patienten und Angehörige sich immer vor Augen halten, dass so eine 24-Stunden-Pflege keineswegs die Intensivpflege ersetzen kann.  

Unterbringung im Pflegeheim

Hier findet die Betreuung nicht in der vertrauten Umgebung des Zuhauses der Patienten statt, sondern in einer neuen Unterkunft, dem Alten- oder Pflegeheim. Der grundsätzliche Vorteil an solchen Heimen ist, dass sie besser medizinisch ausgestattet sind. Das Pflegepersonal kann in einem Notfall schnell reagieren. Eine medizinische Versorgung ist zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.

Grundsätzlich sind mehrere Möglichkeiten der Unterbringung im Heim denkbar, wie beispielsweise die Kurzzeitpflege, eine teilstationäre Versorgung oder eine vollstationäre Pflege. Daneben gilt es noch zwischen den verschiedenen Arten von Heimen zu unterscheiden. Die gängigsten sind das Altenwohnheim, das Altenheim und das Pflegeheim.

Vor allem eine Kostenfrage

In den meisten Fällen entscheiden nicht die Patient*innen selbst über die Art ihrer Pflege, sondern eher die finanziellen Verhältnisse. Denn trotz Pflegegeld kann die Behandlung im Heim sehr kostspielig sein. Wie hoch die Kosten im Einzelnen sind, ist jedoch wieder vom vorliegenden Pflegegrad abhängig.

Deutlich günstiger ist jedoch die Pflege zu Hause. Allerdings muss hier im Einzelfall entschieden werden, welche Art der Pflege möglich und notwendig ist. Bei pflegeintensiveren Betroffenen kann eine 24 Stunden Betreuung sinnvoll sein. Können die Patient*innen noch selbstständig viel erledigen, reicht möglicherweise eine Pflege durch die Angehörigen aus.

Das Sozialamt kann helfen

Sollte das Geld nicht reichen, es aber unbedingt eine Unterbringung im Heim angestrebt wird, gibt es Unterstützungsmöglichkeiten seitens der Sozialhilfeträger. Hier können Angehörige oder Patient*innen die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ oder die „Sicherung im Alter beantragen“.

Diese Hilfen sind geeignet, um fehlende finanzielle Mittel in der häuslichen Pflege auszugleichen. Die Kinder der Betroffenen können seit Anfang 2020 nicht mehr zur Kasse gebeten werden. Allerdings gibt es hier eine Ausnahme.

Verdienen die Kinder jährlich mehr als 100.000 Euro brutto, müssen sie für die Pflege ihrer Eltern aufkommen und fehlende Beträge aus eigener Tasche ausgleichen. Alle, die weniger verdienen, müssen nicht für die Pflege ihrer Eltern aufkommen. Grund hierfür ist das sogenannte „Angehörigen-Entlastungsgesetz“.

Angehörige müssen ebenfalls auf ihre Gesundheit achten

Auch wenn sich Kinder und Enkel*innen und andere Angehörige sich die Pflege zutrauen, sollten sie jedoch ihr eigenes Leben nicht aus den Augen verlieren. Oft sind die Pflegetätigkeiten körperlich, emotional und psychisch sehr belastend. Die Angehörigen sind häufig mit ihren Patient*innen allein und fühlen sich häufig mit der Situation überfordert.

Vor allem die psychischen Probleme sind besonders belastend. Meist leiden die Personen an einer chronischen Überforderung mit der Situation und kommen nur sehr schwer mit der auf ihnen lastenden Verantwortung zurecht. Vor allem in der Zukunft wird es wohl immer wichtiger werden, auch auf die Bedürfnisse pflegender Angehöriger einzugehen und sie, wo immer es nur geht, zu entlasten.

Alternative Pflegemöglichkeiten

Natürlich sind im Fall von Krankheit und Pflegebedürftigkeit im Alter die Kinder und Angehörige wohl die beste Medizin. Allerdings sollten sich Betroffene neben den genannten, auch nach alternativen Pflegemöglichkeiten umsehen.

Betreute Wohngruppen für Seniorinnen und Senioren können sinnvoll sein, wenn die Personen noch sehr gut und selbstständig zurechtkommen. Hier finden sie Anschluss und soziale Kontakte, die sie beispielsweise zu Hause nicht unbedingt bekommen würden.

Ist die Krankheit jedoch so weit fortgeschritten, dass Patient*innen nur noch palliativ behandelt werden können, bietet sich unter Umständen eine Unterbringung in einem Hospiz an.