Ratgeber

Image der Pflege

Archivartikel

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

In den letzten Wochen habe ich mit den unterschiedlichsten Menschen telefoniert. Wir, die Pflegenetzwerke, möchten eine Broschüre mit ausgewählten Anbietern herausgeben, die in den einzelnen Pflegestadien von Bedeutung sein könnten. Wir haben uns auf 40 Anbieter begrenzt wollen aber unterschiedliche Kategorien damit besetzen. Der Hintergrund: Wenn Menschen in eine Pflegesituation kommen, dann geschieht dies oft plötzlich. Es fehlt schlicht und ergreifend die Zeit, sich durch alle Webseiten und Suchportale zu klicken, sich telefonisch erst mal umzuhören, welcher Anbieter in Frage käme etc. Daher möchten wir auf unsere bewährten Pflegenetzwerkpartner und Dienstleister zurückgreifen, die wir schon lange kennen und somit auch ihre Qualität einschätzen können. Unser Ziel ist es, den Pflegenden ‚kurze Wege‘ und ‘schnelle und gute‘ Information an die Hand zu geben.   

Nicht jeder ist im Internet unterwegs 

Wir wollen mit der Broschüre eine breite Zielgruppe erreichen: Natürlich zunächst einmal Menschen, die nicht ständig im Internet unterwegs sind, was vorwiegend ältere Menschen sind. Da wir die Broschüre aber auch in elektronischer Form verbreiten werden, ist sie ebenso für pflegende Menschen gedacht, die noch arbeiten und sich nicht durch alle Anbieter ‚klicken‘ wollen. Also, eine breite Gruppe wird angesprochen. Ich habe in meinen Gesprächen unsere Zielsetzungen ausführlich erklärt aber immer wieder kam im Gespräch auf, dass man nicht so sehr ‚Senioren orientiert‘ sei oder sowieso nur Marketing im Netz betreibt. Die meisten Anbieter haben NICHT auf dem Schirm, dass wir auch Menschen ansprechen wollen, die noch nicht in Rente sind und dennoch Pflege und Unterstützung brauchen. Bei solch einer Denkweise dominiert unsere gesellschaftliche Haltung: Müssen wir alle, auch die jüngeren, immer gesund und topfit sein, um ‚wertvoll‘ zu sein? Wird alles andere, sei es eine Krebserkrankung, ein Schlaganfall oder eine Behinderung nicht als gesellschaftsfähig akzeptiert? Denn das führt dazu, dass wir Pflege nicht in den Alltag mit einbeziehen und Menschen, die davon betroffen sind, als nicht ‚vollwertiges‘ Mitglied unserer Gesellschaft sehen.

PFLEGE KANN JEDEN (BE)TREFFEN

Wir alle können von einem Moment auf den anderen von einer Pflegesituation direkt oder indirekt betroffen sein. Es ist daher schon fast fahrlässig davon auszugehen, dass das Thema ‚Pflege‘ vorwiegend ältere Menschen treffen kann. In einer Welt, die immer stärker von Leistung und Gewinnstreben dominiert ist, sind Krankheiten wie Depression, Burn-out, Herzinfarkt und Bluthochdruck leider schon an der Tagesordnung. Und in solchen Situationen sind diese Menschen pflegebedürftig. Pflege soll auch nicht nur am bewilligten ‚Pflegegrad‘ gemessen werden, sondern dann, wenn der Mensch Unterstützung braucht.

Pflegende Menschen sind wertvoll

Das Fazit für mich ist: pflegende Menschen sind wertvoll und sollen wertgeschätzt werden. Egal, ob sie den Pflegeberuf ausüben, ehrenamtlich arbeiten oder pflegende Angehörige sind. Sie benötigen auch Unterstützung, denn die Tätigkeiten, die in Verbindung mit Pflege gebracht werden, sind nicht immer einfach zu bewältigen. Und Pflege kann alle gesellschaftlichen Schichten treffen. Ein pflegender Angehöriger kann zudem Eigenschaften erwerben, die in seinem beruflichen Alltag auch eingesetzt werden können und er somit sogar noch wertvoller für den Arbeitgeber sein kann. Ich hoffe und wünsche mir, dass mehr Unternehmen diese Chance sehen und den pflegenden Mitarbeitern Unterstützung anbieten.  

Wir alle sind für das Image der Pflege mit verantwortlich. Es liegt in unserer Hand, wie wir solch einen Lebensabschnitt für uns bewerten und welche Weisheiten wir daraus ziehen und mitnehmen. Es kommt auf jeden Einzelnen an, auf seine Erfahrungen und seine Haltung. Erst dann kann das Image der Pflege, wenn es denn wirklich als so negativ empfunden wird, in eine andere Richtung bewegt werden.

Bleiben Sie gesund und behalten Sie Ihre Zuversicht bei.

Ihre Waltraud Gehrig