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Internet Lieferdienste für Lebensmittel und Online-Supermärkte werden immer beliebter / Was dafür spricht – und was dagegen

Lieber klicken statt schleppen?

Archivartikel

Köln.Lieferdienste für Lebensmittel und Online-Supermärkte gibt es nicht erst seit der Corona-Krise. Doch sie hat die Dienste bei vielen Verbrauchern populär gemacht.

Stephanie Rumpff von der Unternehmensberatung PWC Deutschland berichtet, dass die Covid-19-Pandemie in Europa zum Durchbruch des Online-Lebensmittelhandels geführt hat: „Mehr als jeder vierte europäische Konsument hat während der Pandemie den Online-Handel als primären Einkaufskanal genutzt. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als vorher.“

Produkte kosten meist gleich viel

Die Auslieferung der online bestellten Waren erfolgt entweder per eigener Lieferflotte oder durch einen anderen Liefer- oder Paketdienst. Wichtig: Nicht alle Anbieter liefern überall. Auf dem Markt tummeln sich Anbieter wie Amazon, Amorebio.de, Bringmeister.de, Combi.de, Frischeparadies.de, Getnow.com, Mytime.de, Natur.com, Netto-online.de oder Rewe.de.

Lars Hofacker vom EHI Retail Institute meint, dass es der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland vor der Pandemie schwer gehabt habe. Das liege unter anderem daran, dass der Weg zum nächsten Supermarkt in Deutschland nie wirklich weit sei. Hinzu komme, dass die Deutschen recht preisbewusst seien und daher eher vor zusätzlichen Lieferkosten zurückschreckten. Allerdings entfielen diese meist ab einer bestimmten Bestellsumme. Außerdem kosteten die Produkte im Markt und online meist gleich viel.

Ein Grund online einzukaufen, sei der Wunsch, Zeit einzusparen, so Hofacker. Aber: „Manche wollen Obst und Gemüse vor dem Kauf gesehen haben.“ Auf der anderen Seite hätten die Tomaten, die man geliefert bekommt, im Zweifel weniger Menschen in die Hand genommen als im Geschäft um die Ecke.

Online Lebensmittel kaufen ist eine Option für alle, die nicht so schwer tragen können oder wollen, nicht so gut zu Fuß sind, kein Auto oder schlichtweg keine Zeit haben, sagt Ina Bockholt von der Stiftung Warentest. „Wer oben in einem Mehrfamilienhaus wohnt und eine große Menge Lebensmittel und Getränke braucht, kann sich den Einkauf vor die Wohnungstür liefern lassen.“ Bei Getränken verlangen einige Anbieter jedoch Aufschläge.

Beim letzten, zwei Jahre zurückliegenden Test von Lebensmittel-Lieferdiensten habe kein Dienst durchweg gut abgeschnitten, sagt Bockholt. „Damals war die Kühlkette ein Problem. Die Hälfte der kühlpflichtigen Produkte war zu stark erwärmt, einige hatten fast schon Raumtemperatur“.

Ein zusätzliches Problem sei die Verpackung. „Das Müllaufkommen beim Online-Lebensmittelhandel ist bedeutend größer. Einfach dadurch, dass alle Lebensmittel individuell verpackt werden müssen.“ Gerade Zerbrechliches, Frisches oder Tiefgekühltes müsse bei der Paketzustellung stark geschützt werden, damit die Ware keinen Schaden nimmt oder sich nicht zu stark erwärmt.

Viel Verpackungsmüll

Die Probleme mit Verpackungsmüll, Lieferzeiten und der Kühlkette sind bei Anbietern mit eigener Flotte weniger ausgeprägt. EHI-Experte Hofacker betont sogar, dass diese frische und insbesondere tiefgekühlte Produkte besser heil ans Ziel bringen könnten als Verbraucher, die selbst zum Supermarkt gehen.

„Die können etwa Speiseeis und andere gekühlte Waren teilweise besser liefern als man selbst im eigenen Auto“, sagt Hofacker. Zudem bucht man bei diesen Anbietern immer auch gleich ein passendes Lieferfenster mit, so dass man im Idealfall daheim ist und die Waren direkt in Empfang nehmen kann. tmn

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