Ratgeber

Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre im Internet

Archivartikel

Seit Juni 2019 sind neue Phishing-Mails in Umlauf. Vermeintlich stammen sie von großen Online-Dienstleistern wie Amazon oder PayPal, die ihre Kunden vor einem unberechtigten Zugriff auf das eigene Konto warnen. In Wirklichkeit stecken hinter den E-Mails dreiste Betrüger, die auf die Weise an die Daten der nichtsahnenden Betroffenen zu gelangen versuchen. Diese verkaufen sie oder stehlen die Identität ihrer Opfer, um beispielsweise auf fremde Rechnung Einkäufe zu tätigen. Bereits zu Jahresanfang warnte die Verbraucherzentrale vor einem deutlichen Anstieg des Identitätsdiebstahls deutscher Kunden. 

Im Netz ins Netz gegangen: Phishing-Nachrichten sind auf Kundendaten aus

Landet eine Phishing-Mail im digitalen Postkorb, ist sie auf den ersten Blick kaum von einer seriösen Nachricht zu unterscheiden. Obwohl einige der Fake-E-Mails Rechtschreibfehler, Buchstabenverdreher oder fremdsprachige Sätze enthalten, achtet die Mehrzahl der Betrüger vor allem auf ein seriöses Erscheinungsbild der Nachrichten. Einige fügen sogar Logos vermeintlicher Absender wie Amazon und PayPal ein. Diese sehen dem Original zum Verwechseln ähnlich, sodass die Empfänger den Wahrheitsgehalt der Nachrichten falsch einschätzen. Sie klicken auf weiterführende Links, öffnen Anhänge und geben ihre Kundendaten weiter. Persönliche Informationen wie Namen, Adressen und sogar Kontodaten können auf die Weise in die Hände von Verbrechern fallen. Diese nutzen die Daten beispielsweise, um im Internet die Identität ihres Opfers anzunehmen. Gelangen sie in dessen Accounts, können sie Käufe auf fremde Rechnung tätigen. Welche Folgen der Identitätsdiebstahl im Netz hat, hängt maßgeblich von der Fülle der erhaltenen Auskünfte ab.

 

Die Identitätsdiebe können im Internet mit den gestohlenen Kundendaten nach Herzenslust einkaufen und sogar Verträge abschließen. Dabei lassen sich die Geschäfte auf fremde Kosten nur schwer nachweisen. Die Onlineshops senden die Zahlungsaufforderungen zunächst an den vermeintlichen Besteller. Erst zu diesem Zeitpunkt bemerken viele Betroffene, dass sie Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sind. Damit es gar nicht so weit kommt, sollte die Privatsphäre im Internet nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

 

Ausgefallene Passwörter erhöhen die Sicherheit im Netz

Wer im Internet surft, online shoppt oder in einem sozialen Netzwerk aktiv ist, braucht vor allem eines: ein sicheres Passwort. Dieses ist der Schlüssel zu persönlichen Informationen und sollte Unbefugten keinesfalls in die Hände fallen. Vorzugsweise wählen die Nutzer ein langes Passwort, bestehend aus Ziffern, Sonderzeichen und Buchstaben. Auch bei der Groß- und Kleinschreibung kann nach Belieben variiert werden. Übrigens sollten Kombinationen, die zu den häufigsten Passwörtern zählen, vermieden werden. Zahlenfolgen wie 1234 sind nicht nur leicht zu erraten, sondern auch höchst unsicher. Auch der eigene Name, die Lieblingssportmannschaft oder der Arbeitgeber sind als Passwörter aufgrund ihrer Durchschaubarkeit ungeeignet. Sinnvoller ist es, ausgefallene Worte oder ganze Sätze zu verwenden.

 

Öffnet man im Internet eine neue Website, erscheint nicht selten der Warnhinweis: „Wir verwenden Cookies“. Hierbei handelt es sich um Webbrowser-Programme, die persönliche Informationen über die Internetnutzer speichern. Beispielsweise vermerken sie:

  • auf welchen Websites sie unterwegs sind,
  • welche Shops sie öfter besuchen,
  • wann sie im Internet nach welchen Produkten stöbern und
  • wie lange sie auf einzelnen Seiten verweilen.

 

Die Cookies stellen eine Art Internet-Fingerabdruck eines Nutzers dar. Sie weisen Vor- und Nachteile auf. Beispielsweise ersparen sie es den Verbrauchern, Suchinformationen immer wieder aufs Neue einzutippen. Allerdings können die gespeicherten Daten auch vom Browserbetreiber ausgelesen werden. Es besteht ein hohes Risiko für das Eindringen in die Privatsphäre. Aus diesem Grund schreibt die DSGVO  vor, dass Website-Besucher darüber informiert werden müssen, wenn eine Internetseite Cookies verwendet. Um das eigene Surfverhalten unter Verschluss zu halten, empfiehlt es sich, vorhandene Webbrowser-Cookies zu löschen und keine weiteren zu akzeptieren.

 

Alternativ besteht die Chance, unerkannt im Netz zu surfen. Im Inkognito-Modus können sich die Nutzer mit einem verbesserten Schutz der Privatsphäre im Internet bewegen. Wer anonym surfen will, kann ein Virtual Private Network nutzen. Eine entsprechende Software verschlüsselt den gesamten Datenverkehr, sodass Unbefugte keinen Zugriff auf persönliche Informationen erhalten.

Weniger ist mehr: persönliche Informationen unter Verschluss halten

Das beste Schutzprogramm bringt wenig, wenn die Verbraucher eigene Informationen unbedacht im Internet streuen. Werden Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen in sozialen Netzwerken veröffentlicht, können auch Unbefugte die Daten nutzen. Aus dem Grund empfiehlt es sich, die Privatsphäre-Einstellungen auf allen vorhandenen Accounts zu überprüfen. Personenbezogene Auskünfte sollten ausschließlich für Freunde und Verwandte einsehbar sein. Eine bessere Alternative besteht darin, sie gar nicht erst im Netz zu speichern. Vorzugsweise erstellen sich die Verbraucher eine zusätzliche E-Mail-Adresse, mit der sie sich bei Facebook und Co. anmelden.

 

Des Weiteren gilt es, fremden Menschen keinen Einblick in den Alltag zu geben. Wer postet, wann er in den Urlaub fährt, verrät Dieben unter Umständen den perfekten Zeitpunkt für einen Einbruch. Sind auch Heimatort und Straße im Profil einsehbar, ist für die Verbrecher praktisch der rote Teppich ausgerollt. Im Internet empfiehlt es sich, sparsam mit Auskünften zur eigenen Person umzugehen.

 

Obgleich Instagram, Facebook und Twitter dazu verleiten, das gesamte Leben zu digitalisieren, erweist sich ein unbedachter Umgang mit heiklen Informationen als problematisch. Auch das freimütige Klicken auf Links und Buttons kann zur Katastrophe in Form einer Malware führen. Daher gilt es, Links und vermeintliche E-Mails bekannter Online-Dienstleister kritisch zu betrachten. Die Nutzer sollten kontrollieren:

  • ob die Nachricht seriös aussieht,
  • ob sie einen Account bei dem jeweiligen Anbieter besitzen,
  • zu welcher Uhrzeit die Nachricht eintraf,
  • welcher Absender dahintersteckt.

 

Wirft die E-Mail Fragen auf, kann der entsprechende Onlineshop oder Dienstleister kontaktiert werden. Innerhalb von Minuten klärt sich auf diese Weise, ob die Nachricht echt ist oder ob es sich um einen Phishing-Versuch handelt.