Ratgeber

Neues Jahr, neues Glück: wie man aus 2020 das Maximum für sich herausholt

Archivartikel

Das Jahr 2019 neigt sich unaufhaltsam dem Ende entgegen. Zeit für viele, es innerlich Revue passieren zu lassen – und dabei allzu häufig festzustellen, dass man sich selbst 2019 doch wesentlich mehr „verbrannt“ hat, als man es sich beim vergangenen Silvesterfest auch nur im Entferntesten vorgenommen hat. Von wegen mehr Achtsamkeit dem eigenen Ich gegenüber.

Wer jetzt zustimmend nickt, ist nicht allein: Viele von uns leiden an einem eklatanten Mangel an Me-Time. Häufig, weil wir unsere guten Vorsätze viel zu unspezifisch ausformulieren. Unter einem so populären Neujahrsvorsatz wie „mehr Zeit für mich nehmen“ kann man sich alles und gar nichts vorstellen. So wird das nichts, weil man nie messbar sagen kann, ob man sein Ziel erreicht hat. Der folgende Artikel präsentiert deshalb eine Handvoll wesentlich spezifischere Vorsätze, mit denen man den Druck auf sich reduziert und echte Selbstfürsorge betreibt, anstatt sich bloß im gleißenden Raketenschein Dinge vorzunehmen, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.

Keine unerreichbaren Vorsätze

Der erste Neujahrsvorsatz ist gleichsam der wichtigste: Keine (klassischen) Vorsätze mehr. Warum? Weil die in den allermeisten Fällen den Jahresbeginn erst stressig und dann zu einer Enttäuschung machen – weil man sich erst in dieser trüben Zeit übermäßig anstrengt, dann feststellt, dass man es doch nicht schafft und in der Folge bereits ein schlechtes Gewissen hat, bevor die Karnevalszeit eingeläutet wird.

Also: Weg mit den Vorsätzen für Diäten, mehr Sport, weniger Zigaretten und Co. Was man sich vornimmt, sollte ohne Qual zu erreichen sein und einem bei jedem Einzelschritt ein gutes Gefühl vermitteln.

Keine freiwilligen Überstunden mehr

Zwischen der Theorie des Arbeitszeitengesetzes und der Praxis des Angestelltendaseins liegen nicht nur vermutungsweise häufig Welten. Auf der einen Seite die äußerst nüchterne Maßgabe:

„Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.“

Auf der anderen Seite hingegen macht der deutsche Durchschnitts-Arbeitnehmer monatlich mittlerweile rund 20 Überstunden, insgesamt waren es 2018 satte eine Milliarde Stück! Und nicht erst seit gestern wird trotz anhängender Gesundheitsrisiken über aufweichende Gesetzesänderungen diskutiert.

Wenn der Chef Überstunden anordnet, werden sich die wenigsten Arbeitnehmer wehren – selbst wenn sie das Recht voll auf ihrer Seite haben, die Angst vor Jobverlust schwingt schließlich immer mit. Wenn man sich aber für 2020 etwas vornehmen will, dann das: Wenn schon Überstunden, dann nur solche, die befohlen werden. Nicht für das eigene Ego, nicht für Konkurrenzkämpfe, nicht um dem Chef zu schmeicheln.

Jeden Tag eine Verwöhn-Halbstunde

Selbst ohne Überstunden ist der Tag der meisten Menschen prall gefüllt – erst recht, wenn zuhause noch Nachwuchs auf einen wartet. Für nicht wenige ist deshalb der Alltag eine stete Abfolge von Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Schlaf. Einfach mal abschalten? „Wir haben doch keine Zeit“, um es mit Entertainer Stefan Raab zu formulieren.

Doch genau diese Zeit kann und vor allem sollte man sich nehmen – an jedem einzelnen Tag und selbst wenn man dafür etwas Schlafenszeit weghobeln muss. Eine halbe Stunde reicht. Wie man sie füllt, hängt vom eigenen Geschmack ab:

  • Ein ruhiges Hobby
  • Meditation bzw. autogenes Training
  • Ein gutes (Hör-) Buch
  • Wellness
  • Spaziergänge in der Natur 

Wichtig ist nur, dass man es a) allein für sich tut und b) dabei entspannen kann. Diese kleine Halbstunde kann so auf die Dauer ein Vielfaches bewirken.

Maximales Ich-Cocooning

Wie viele von uns können behaupten, sich in den eigenen vier Wänden „wirklich“ urbehaglich zu fühlen? Wer jetzt mit Ja antworten will, sollte innehalten: Ist unser Zuhause wirklich ein Spiegel unserer Seele oder steckt darin nicht auch vieles, das wir nur (angeschafft) haben, weil es derzeit so trendig ist und/oder wir andere damit beeindrucken wollen?

Bei vielen werden beide Gründe ein Gutteil zur Einrichtung beigetragen haben – mit der Folge, dass es zwar „unser Zuhause“ ist, aber doch nicht „unser“ Zuhause. Wer 2020 wirklich etwas ändern will, sorgt dafür, dass letzteres zur Leitlinie wird:

Raus mit allem, was kein Ausdruck des eigenen Ichs ist oder noch schlimmer, nur beeindrucken soll. Rein hingegen soll nur das, was uns mit Freude erfüllt, was unsere Seele streichelt, uns echte Heimeligkeit vermittelt. Ob das jetzt selbstgeschossene Fotos auf Leinwand an den Wänden sind, munter rankende Pflanzen oder urige, selbstgebaute Möbel aus sogenanntem reclaimed Wood – also wiederverwendetem Holz, etwa aus alten Scheunen – spielt kaum eine Rolle.

Wichtig ist nur, dass es nur einen Entscheider über die Einrichtung gibt: Das, was einem wirklich selbst gefällt – niemals das, was andere als schön oder must-have diktieren.

Sinnvolles Digital Detox

Ja, diesen Artikel werden viele auf dem Smartphone lesen. Dennoch ist es kein Gegensatz, in diesen Zeilen fürs neue Jahr digital Detox einzufordern – denn das Lesen von Nachrichten und Ratgebern ist nicht das Problem, um das es geht.

Viel mehr ist es unsere mittlerweile stark ausgeprägte Follower-Neigung, die unsere digitalen Taschenwunderwerke zum Geiselnehmer unseres Ichs macht. Denn egal ob YouTube, Instagram, Facebook, TikTok und Co: All diese Apps animieren uns dazu, andauernd am Gerät zu kleben – nicht etwa zur Informationsgewinnung, zur Wissensvermehrung, sondern zur reinen Befriedigung unseres inneren Gaffers – darin liegt das Problem.  

Daher unterscheidet sich dieser Vorsatz auch vom normalerweise erbetenen digital Detox: Nicht gleich das ganze Handy muss in der Schublade verschwinden; das ist heute vielfach nicht machbar und auch nicht sinnvoll. Bloß die ganzen Follower-Apps müssen verschwinden. Der Facebook-Messenger darf ebenso bleiben wie WhatsApp und der eBook-Reader. Nur die Programme, die nichts tun, außer unsere Sensationslust zu befriedigen, die sollte man löschen – und vielleicht auch die Zeitsteuerung nutzen, um dem Handy zu festen Uhrzeiten automatisch einen Maulkorb zu verpassen.

Shoppen – für andere

Die Bandbreite des Onlineshoppings reicht mittlerweile viel weiter als von Amazon bis Zalando – doch so breit das Spektrum auch ist, hat uns die simple Verfügbarkeit mittlerweile stark dazu getrieben, nur an uns zu denken.

Kunststück, wer auf „seinem“ Handy in „seiner“ Shopping-App in „seinem“ Account herumsurft, denkt währenddessen selten an andere. Doch genau das sollte man tun: Einmal monatlich shoppt man im Netz. Es muss nichts Großes sein, es ist auch nicht für einen selbst. Ziel der Übung ist es, lieben Menschen, die einem nahestehen, eine kleine Freude zu machen.

Das kann ein Shirt für den Gatten sein, ein spottbilliges China-Gadget für die Lieblingskollegin, ein Kuschel-Kumpan für den Junior – vollkommen gleich. Wichtig ist nur, dass wir die Macht des Onlineshoppings zum Guten nutzen, indem wir damit jemand anderem eine Freude machen – denn das ist der perfekte Rückkopplungseffekt und sorgt auch beim Schenkenden für ein richtig gutes Gefühl.