Ratgeber

So sorgen Sie für Liquidität

Archivartikel

Allein im ersten Halbjahr 2019, also für den Zeitraum zwischen Januar bis Juli 2019, gibt es 4343 Eintragungen zu Insolvenzverfahren beim Gericht in Mannheim. Diese sind sowohl privatrechtlicher als auch unternehmerischer Natur und zeigen an, dass Schulden auch in dieser Region ein großes Thema sind. Während Privatschuldner häufig durch einen unachtsamen Umgang mit Geld in die Schuldenfalle schliddern, führen in Unternehmen häufig Liquiditätsengpässe in die Insolvenz.

Es ist erschreckend, bei wie vielen Unternehmen es um die Liquidität so schlecht bestellt ist, dass sie bei unvorhergesehenen Zahlungsschwierigkeiten nicht mehr ihren Verpflichtungen nachkommen können. Wer regelmäßig seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann, muss sich keine Gedanken um eine mögliche Insolvenz machen. Ebenso besorgniserregend ist es, dass nur wenige Unternehmen in der Lage sind, Maßnahmen zu ergreifen, um die Liquidität und den Cashflow zu verbessern. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, die weder kostspielig noch kompliziert sind.

Ausreichende Liquidität ist ein zentrales Thema. Es gibt ein paar Maßnahmen, die eine positive oder negative Entwicklung von Liquidität und Cashflow zur Folge haben können. Die Beschleunigung und Absicherung der Zahlungsabwicklung sind geeignete Maßnahmen, um beide Kennzahlen zu verbessern. Auch die Erhöhung der Einnahmen und das Vermeiden von Zahlungsausfällen haben darauf Auswirkungen.

Liquidität schaffen mit Anlagegütern

Doch nicht immer ist es möglich, noch für ausreichend Liquidität zu sorgen. Die Rechnung ist heute fällig und nicht erst in einer Woche, wenn der Kunde dann endlich bezahlt hat. Im Liquiditätsmanagement haben Sie einen gewissen Spielraum. Das Timing der Maßnahmen ist das Entscheidende: Welche Maßnahmen können ganz konkret den Liquiditätsengpass überstehen helfen? Ein Liquiditätsplan beispielsweise. Zur kurzfristigen Verbesserung der Situation hilft es, die Ausgaben nach Prioritäten zu ordnen oder einen sofortigen Ausgabenstopp anzuordnen. Danach können Anlagegüter helfen, die Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen. Sie können nicht betriebsrelevante Anlagegüter verkaufen oder vermieten. Sie können Anlagegüter leasen anstatt sie zu verkaufen. Eine andere Möglichkeit besteht mit der Sale-and-Lease-Back-Variante.

Zur Beseitigung von Liquiditätsengpässen kann es hilfreich sein, die Vorräte zu optimieren. Dabei helfen eine Bestandsaufnahme von Lagerbeständen und der anschließende Abbau der Bestände. Weitere Maßnahmen könnten sein: Optimierung des Bestellwesens, die Lagerhaltung zum Kunden oder Lieferanten verlagern oder ein Sonderverkauf. Das Reduzieren der Forderungen kann ebenfalls die Liquidität erhöhen. Hier können kleine Maßnahmen schon hilfreich sein, wie

  • die sofortige Rechnungsstellung, wenn die Leistung erbracht ist,
  • ein geringeres Zahlungsziel für die Kunden und
  • die Optimierung des Mahnwesens.
Wenn Unternehmer einen größeren Auftrag haben, ist es sinnvoll, Abschlagsrechnungen für teilfertige Leistungen zu erstellen. Falls es möglich ist, kann die Privateinlage erhöht oder die Privatentnahme reduziert werden. Lebensversicherungen lassen sich pausieren oder sogar kündigen. Eine weitere Möglichkeit an frisches Kapital zu kommen, ist die Erweiterung des Gesellschafterkreises.

Was ist Factoring?

Wenn es um eine Verbesserung der Zahlungsfähigkeit geht, ist auch das Factoring eine heutzutage gängige Methode. Es verbessert kurz- und langfristig die Zahlungsfähigkeit wie fast kein anderes Finanzinstrument. Das dahinterstehende Prinzip ist sehr einfach. Ein Unternehmen hat ausgewählte Forderungen gegenüber einem Klienten. Das Unternehmen braucht das Geld schneller, als der Kunde seine Rechnung bezahlt, und verkauft stattdessen die Forderung. Das Geld für die verkaufte Forderung ist innerhalb weniger Tage auf dem Konto.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Das Unternehmen muss nicht das Zahlungsziel abwarten, das mitunter einen Monat oder länger sein kann, und kann fast sofort über das Geld verfügen.
  • Das Risiko der fehlerhaften Zahlungsabwicklung liegt jetzt nicht mehr beim Unternehmen.
  • Durch den Verkauf der Forderung schützt sich das Unternehmen vor Zahlungsausfällen, weil der Kunde am Ende zahlungsunfähig ist.
  • Durch das Factoring erhöht sich das verfügbare Kapital.

Pleite, obwohl das Unternehmen Gewinne macht

Wenn die Ausgaben dauerhaft die Einnahmen übersteigen, muss das zwangsläufig zu Problemen führen. Ein anderes Problem zeigt sich, wenn das Unternehmen zwar Gewinne macht, aber die Zeitpunkte für Einnahmen und Ausgaben schlecht verteilt sein. Wenn ein großer Teil der Verbindlichkeiten eher fällig sind als mit den Zahlungseingängen zu rechnen ist, kommt ein Unternehmen in akute Zahlungsschwierigkeiten. Die hohen Außenstände helfen in dieser Situation überhaupt nicht. Wenn dann noch hinzukommt, dass die Kreditlinie bei der Bank ausgeschöpft ist, kurzfristig kein frisches Geld zu bekommen ist und die Geschäftspartner anfangen ungeduldig zu werden, kann das sehr schnell in die Insolvenz führen. Und das, obwohl das Unternehmen gesund ist und Gewinne erwirtschaftet.

Hier hilft nur ein professionelles Forderungsmanagement

Für die Sicherung der Zahlungsfähigkeit ist ein Liquiditätsplan wichtig und darüber hinaus das Forderungsmanagement. Wenn Kunden gleich bei der ersten Bestellung einen großen Auftrag formulieren, sollten Unternehmer die Bonität des potenziellen Kunden prüfen. Ist der Auftrag abgewickelt, gilt es zeitnah die Rechnung zu stellen. Kommt der Kunde dann mit der Zahlung nicht in die Pötte, dürfen Geschäftsleute keine Hemmungen haben, die Mahnung zu verschicken und  das Mahnwesen bis zur letzten Konsequenz durchziehen, und zwar bis hin zu den rechtlichen Möglichkeiten, um dann doch noch das Geld zu bekommen. Um das Forderungsmanagement professionell zu überwachen, gibt es zahlreiche Tools, Apps und Software. Dort steht genau geschrieben, wann das Unternehmen die erste Mahnung schicken sollte und wie überhaupt das gesamte Mahn- und Vollstreckungsverfahren funktioniert. Wenn sich der Kunde hartnäckig weigert, seine offene Rechnung zu bezahlen, bleibt oft am Ende nur noch der Mahnbescheid über den Vollstreckungsbescheid bis hin zur Zwangsvollstreckung.