Ratgeber

Um Hilfe bitten ist keine Schwäche

Es wird wieder schwieriger: Mehr Homeoffice, die Schulen und Kitas sind entweder geschlossen oder nur reduziert zugänglich, ein zweiter Lockdown könnte drohen und hinzu kommt, dass man sich eventuell noch um pflegebedürftige Angehörige kümmern muss. Wie soll ich das alles bewältigen?  

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Diese Frage stellen sich heute sehr viele Mitmenschen. Wo soll ich die Zeit für all das nehmen? Hinzu kommt, dass eingekauft werden muss, der Haushalt muss gemacht werden und noch vieles mehr. Und nicht zu vergessen: Besonders der pflegende Mensch braucht seine Auszeiten und sollte sich selbst pflegen. Die Anspannungen in der Familie nehmen aus vielerlei Gründen immer mehr zu. Auch politische Sichtweisen und Akzeptanz oder das Ablehnen der Hygieneregeln und Auflagen spalten nicht nur die Nation, sondern auch immer mehr Familien.  

Wie kann man Aufgaben besser verteilen?

Um die Situation bestmöglich zu meistern können Sie folgendermaßen vorgehen: Setzen Sie sich mit Ihren Angehörigen zusammen und überlegen Sie, was jeder Einzelne machen kann. Zunächst einmal schauen Sie als erstes nach den persönlichen Vorlieben. Zum Beispiel können Sie die jüngere Generation einspannen, dass diese den Großeltern Internet einrichtet oder beibringt, wie man die Videotelefonie mit Hilfe eines Tablets bedient. Da es unterschiedliche Vorkenntnisse gibt und auch die Bereitschaft unterschiedlich ausgeprägt ist, die neuen Medien zur familiären Kommunikation einzusetzen, muss man zunächst das alles in Erfahrung bringen. Aber gerade bei diesem Thema ist die junge Generation Gold wert und vor allem haben sie das Gefühl nützlich zu sein und sind froh, mit ihren Großeltern Kontakt halten zu können. Wer kann beim Putzen oder Einkaufen helfen? Wer kann sich am Besten um Anträge, Versicherungen etc. kümmern? Das kann auch jemand leisten, der z.B. nicht in derselben Stadt wohnt. Fast alles in Verbindung mit Ämtern ist heutzutage online zu bewältigen. Sie sehen, wenn man offen über die Situation spricht, kann man sie gemeinsam managen.  

Was wären wir ohne die vielen Ehrenamtlichen Helfer*Innen?

Wenn die Familie aber nicht sehr groß ist oder sich an ganz vielen verschiedenen Orten befindet, kann man auch fremde Hilfe suchen. Und mal ehrlich: Unsere Gesellschaft würde nicht so reibungslos funktionieren, hätten wir nicht diese zahllosen tollen ehrenamtlichen Helfer*Innen, die in sozialen Bereichen sowie in der Bildung und vielem mehr solche tolle Arbeit leisten. Und eines gilt es zu berücksichtigen: ganz viele junge Menschen engagieren sich heute in vielen Bereichen und teilen ihre Aufmerksamkeit mit den Menschen, helfen bei Hausaufgaben, gehen einkaufen oder leisten Gesellschaft und vieles mehr. Und junge Menschen bringen neuen Schwung und gehen in der Regel unbedarfter an eine neue Aufgabe heran. In Mannheim gibt es ziemlich viele dieser ‚Ehrenamtsbörsen‘ an die man sich wenden kann, wenn es mal wieder an allen Ecken und Enden brennt und jemand braucht, der einspringt, wenn man mal eine Auszeit braucht. Hier mal eine kleine Auswahl:

Die Verhinderungspflege bietet Möglichkeiten

Eine weitere Möglichkeit, um Unterstützung zu bekommen, ist die nähere Nachbarschaft. Gerade auf dem Land gibt es noch einen guten Zusammenhalt und man kennt sich teilweise schon jahrzehntelang. Man kann übrigens für solche Hilfen und Unterstützung im Alltag die Leistungen der ‚Verhinderungspflege‘ einsetzen, wenn der Mensch, den man pflegt, einen Pflegegrad hat. Am besten Sie beantragen die Verhinderungspflege gleich am Beginn des Jahres, dass Sie es nicht vergessen. Dieses Geld können Sie dafür einsetzen, um jemanden formlos zu entlohnen, der sich um den kranken Menschen kümmert, während Sie sich um ihre eigenen Belange kümmern.

Im Ratgeber Pflege und in der Broschüre ‚Pflegeleistungen zum Nachschlagen‘ finden Sie Informationen zu den Leistungen, die Sie in Anspruch nehmen können.

Generell jedoch gilt: Bitten Sie um Hilfe, wenn es Ihnen zu viel wird. Rechtzeitig. Nehmen Sie Angebote, auch Informations- und Beratungsangebote, in Anspruch. Vieles gibt es kostenlos. Doch Sie selbst müssen den ersten Schritt tun.   

Bleiben Sie gesund und bis nächste Woche,

Ihre Waltraud Gehrig