Ratgeber

Veränderungen fallen immer schwer

Archivartikel

Nichts ist mehr, wie es war. Nichts wird mehr so sein, wie es war. Wie gehen Menschen mit Veränderung um und wieviel Veränderung kann der Mensch ertragen? Das fragen sich gerade sehr viele Menschen. Besonders wenn sich jemand in einer Pflegesituation befinden fällt Veränderung, die von außen motiviert ist, zusätzlich schwer.   

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Ich kann mich erinnern, als ich in der Pflegesituation war, dass für mich auf einmal alles anders war. Ich musste mein Leben im Ausland aufgeben und zurückkehren nach Deutschland, um mich um meine Mutter zu kümmern. Ich hatte weniger Aufträge, in der Familie kriselte es und ich hatte keine Ahnung, wie ich das alles bewerkstelligen sollte. Ich muss allerdings sagen, dass ich lange Zeit in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in einer Zeit lebte, als Veränderung die einzige Konstante war. Besonders, da man nie so genau wusste, was der nächste Tag bringt. Internet gab es in den ersten Jahren meines dortigen Aufenthalts nicht, so dass ich auch eine Art der Isolation empfand, denn meine Familie war in Deutschland und ich hingegen ziemlich allein irgendwo in den Weiten einer gänzlich anderen Welt. Diese Jahre waren im Rückblick für mich eine gute Vorbereitung für die heutige Zeit. Wir hatten zudem ziemlich mit Lebensmittelknappheit, Stromausfällen und Defiziten aller Art und aller Ortens zu kämpfen – aber man wird erfinderisch und lernt zu improvisieren.

Wenn Sie in Ihrem Gedächtnis forschen so werden Sie sich vielleicht an eine Situation erinnern, in der Sie gewisse Eigenschaften entwickelt haben, die heute von Nutzen sein könnten. Im Alter zahlen wir durch Erfahrungen ‚Lehrgeld‘. Das macht uns zu dem, was wir heute sind. Die Leichtigkeit des Seins und der Jugend geht beim einen mehr und beim anderen weniger verloren. Auch Kreativität büßen viele Menschen mit der Zeit ein. Doch all dies sind Eigenschaften, die essentiell sind, wenn wir von Veränderung sprechen. Denn Veränderung kann man am besten mit einer gewissen Gelassenheit begegnen. Was mich immer wieder bei meinen Freunden aus der östlichen Welt beeindruckt ist auch die Fähigkeit, Dinge einfach mal zu akzeptieren so wie sie sind. Denn nicht alles können wir selbst beeinflussen oder ändern.

Es hilft nichts - Da müssen wir durch

Ich denke oft diese Tage an meine verstorbene Mutter. Ihre Haltung zu vielen Dingen hat mich immer wieder beeindruckt und ich glaube, dass ist eine Besonderheit der Menschen, die in schwierigen Zeitungen aufgewachsen sind und viele Bedrohungen und Entbehrungen ertragen mussten. Sie würde jetzt sagen: „Es hilft nichts – da müssen wir durch!“. Natürlich muss man mal Luft rauslassen, sich beschweren und lamentieren. Das tut gut und es befreit. Aber dann sollte es mal wieder gut sein, denn es ist einfach nicht zielführend! Überlegen Sie sich besser, wie Sie eine Situation bestmöglich handhaben können? Auch kreative Lösungen sollten willkommen sein. Lassen Sie keine ‚Beschränkungen‘ im Denken zu, wenn Sie ein Problem lösen müssen, selbst wenn der Lösungsweg komplett irre scheint und die ‚besorgte Umwelt‘ sofort auf den Plan ruft, um zu schreien: „Das geht so nicht! Das kannst Du doch nicht machen!“.

Für jedes Problem gibt es eine Lösung!

Mein Lebensmotto: Es gibt IMMER eine Lösung, vielleicht nicht die, die wir uns vorstellen oder gewünscht haben. Natürlich müssen Sie in einer Pflegesituation sowieso flexibel sein und das Ganze ist emotional enorm belastend. Dazu noch die Pandemie mit ihren Beschränkungen und Regeln. Doch gerade starre Regeln und Limitationen machen kreativ und helfen Ihnen, Veränderungen besser zu begegnen. Versuchen Sie sich keine allzu großen Gedanken darüber zu machen, wie es weitergeht. Das wissen Sie in einer Pflegesituation eh nie und zudem nicht in der jetzigen Corona-Zeit. Hier hilft eher: Reagieren statt agieren! Und ja, die Ungewissheit macht den meisten Menschen noch mehr Angst. Das habe ich jedoch in meiner Auslandszeit gelernt: Manchmal ist es sinnvoller in kleinen Schritten zu denken und nicht in großen Maßstäben. Wie meistere ich den Tag oder die Woche? Das reicht erst mal. Seien Sie maximalst flexibel in ihrem Denken. Vertrauen Sie darauf, dass sich alles gut möglichst für alle Beteiligten lösen lässt und vertrauen Sie darin, dass es immer weitergeht. Es ist schwer, ja, und besonders herausfordernd, wenn Sie nicht der Typ dafür sind. Vielleicht sind Sie eher jemand, der im Voraus planen muss, der Sicherheit braucht und feste Punkte in seinem Leben.   

Veränderung ist die einzige Konstante

Versuchen Sie die Sicherheit und den Halt zu begreifen, den diese Worte bieten. Seien Sie für sich selbst der Fels in der Brandung. Seien Sie davon überzeugt, dass Sie den Veränderungen gut gerüstet begegnen und von ihnen sogar noch lernen können. Verzweifeln Sie nicht, denn immer, wenn es schwer wird, kommt irgendwo ein Lichtlein her, das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Um dieses zu erkennen müssen Sie aber offen sein. Arbeiten Sie darauf hin, dass die Zukunft wieder Zuversicht in ihr Leben bringen wird. Begrüßen Sie Veränderung und bekämpfen Sie sie nicht, denn dann kommen Sie in den Fluss und vieles wird sich von selbst regeln.

Kümmern Sie sich besonders um sich, bleiben Sie gesund und bis nächste Woche,

Ihre Waltraud Gehrig