Ratgeber

Was Führerscheinneulinge und deren Eltern wissen sollten

Archivartikel

Zumindest alte „Straßenhasen“ wissen, dass das, was man in der Fahrschule beigebracht bekommt, nur ein Bruchteil dessen ist, was man wirklich über Auto, Verkehr und Co. auch als Laie wissen sollte. Bloß sind auch so manche Eltern mit vielen Kilometern auf dem Lebenstacho ihrem frisch mit „Lappen“ versehenen Nachwuchs keine sonderlich große Hilfe.

Eigentlich ist es ganz einfach: Der Neuling, der naturgemäß noch nicht alles wissen kann, lernt vom Routinier, der schon viele Jahre dabei ist. Doch was in den allermeisten Berufen heute noch perfekt funktioniert, ist bei der Beziehung zwischen Eltern, Kids und dem Thema Auto häufig bloß Flickschusterei – weil nämlich die Eltern selbst häufig nicht alles wissen. Hand aufs Herz: wissen wir beispielsweise alle aus dem FF, wie und wie oft man das Öl an seinem Auto prüfen sollte? Wer jetzt denkt „macht das nicht die Werkstatt bei der Inspektion?“ liegt schon daneben. Fakt ist, bei Führerscheinneulingen bleibt zwischen Fahrschule und Elternwissen vieles unerwähnt. Genau diese Lücke will der folgende Artikel mit sechs besonders wichtigen Punkten füllen.  

1. Das Öl

Und da fangen wir mit der eingangs aufgeworfenen Frage an. Ja, es obliegt dem Fahrer, das Öl zu prüfen, denn zwischen zwei Inspektionen kann viel zu viel geschehen – und zu wenig Öl bedeutet mindestens erhöhten Verschleiß, mit Pech aber auch völligen Motor-Exitus. Und wer es fachmännisch machen will, prüft einmal monatlich oder bei jeder zweiten Tankfüllung, je nachdem, was davon zuerst eintritt. Es ist wirklich kinderleicht:

  • Das Auto muss zumindest halbwegs warmgefahren sein
  • Der Motor sollte zwei, besser fünf Minuten abgeschaltet gewesen sein
  • Das Auto muss auf ebener Fläche stehen
  • Ölmessstab herausziehen (meist hat er makenübergreifend einen gelben Griff) und mit einem Tuch die Spitze gründlich abwischen
  • Messstab wieder ganz einführen, eine Sekunde warten, erneut herausziehen

Die an der Spitze befindliche Ölspur muss zwischen den beiden Markierungen liegen. Das tut sie und das Öl hat auch eine schokobraune Färbung, keine weißlich-schleimigen Spuren? Perfekt, die Fahrt kann weitergehen.

2. Die Versicherung

So sehr man als Jugendlicher oft auch zum Rebellieren tendiert, so sehr neigt man doch häufig dazu, es den Eltern gleichzutun. So gerne auch bei der Versicherung. Da wird das Anfängerauto einfach über die Eltern laufen gelassen, weil die so angenehm niedrige Prozente haben. Logisch zwar, aber nicht sinnvoll. Denn die hohe Einstufung, die man als Fahranfänger hat, wird man dadurch nicht los, man verschiebt sie nur in die Zukunft, wenn man wirklich mal ein Auto auf sich versichert.

Ähnlich sieht es auch bei der Versicherung selbst aus. Auch da wird einfach den Eltern nachgetan – und häufig viel zu viel bezahlt. Dabei ist es so einfach: Alljährlich zum Jahresende hin sollte man einen kompletten Kfz-Versicherung Vergleich durchführen. Preise, Leistungen, Zusatzangebote, Versicherten-Pflichten. Das alles sollte man kritisch mit anderen Anbietern vergleichen und dann auch nicht zögern, zu wechseln. Nachteile hat das keine. Die Einstufung bleibt gleich, man wird nur Geld dabei sparen.

3. Mittelspur und Regen

Je stärker der Regen, desto mehr geht man natürlich auf der Autobahn vom Gas, ganz klar. Und natürlich haben sowohl Neulinge wie Eltern auch noch dieses ominöse Rechtsfahrgebot im Kopf. Ergo rollt man bei Platzregen zwischen den LKW mit wie in einer Elefantenherde.

Ist allerdings nicht ganz richtig. Denn sobald ganz rechts auch nur „einige“ Fahrzeuge rollen, ist es vollkommen legitim, auf der Mittelspur zu bleiben. Und gerade bei starkem Regen sollte man das auch. Denn: Rechts, wo die LKW rollen, ist durch deren Gewicht praktisch immer eine Reifen-Rinne in den Asphalt gedrückt. Darin sammelt sich das Regenwasser, erhöht die Gefahr für Aquaplaning und somit Unfälle. Die Mitte ist also nicht nur die legal dauerhaft befahrbare Spur, sondern bei Regen auch ungleich sicherer.

4. Machen lassen

Für Fahranfänger ist es meist eine ganz persönliche kleine Hölle: Fahren, wenn die Eltern mit im Auto sitzen. Denn einerseits will man natürlich vor denen wie ein routinierter Fahrer wirken, obwohl einem all die Bewegungen selbstverständlich noch nicht so in Fleisch und Blut übergegangen sein können wie jemandem, der schon 500.000 Kilometer gefahren ist. Andererseits erkennen jedoch die fahrerprobten Eltern genau das – aber anstatt zu unterstützen, wird gemeckert. „Fahr nicht so ruckartig“, „so früh musst du noch nicht abbremsen“, „gib doch mal ein bisschen mehr Gas“.

Solche Sätze kommen vielen Eltern in einem Atemzug über die Lippen. Und immer erreichen sie eines: Sie verunsichern jemanden, dem es sowieso noch an Routine mangelt, bloß weiter. Deshalb eine Bitte, Fahranfänger beherrschen die Grundlagen, sonst hätten sie die Prüfungen nicht bestanden. Alles Weitere kann nur die Zeit lehren, nicht Mama oder Papa vom Beifahrersitz aus.

5. Schwachmotorisiert ist nicht immer gut

Nach wie vor sind viele Eltern der Ansicht, das erste Auto müsse vor allem wenig Leistung haben, um der mangelnden Fahrroutine nicht noch die Möglichkeit zum Rasen dazuzugesellen. Klingt zwar zunächst vollkommen sinnig, ist jedoch das absolute Gegenteil.

  • Motorleistung wirkt sich nur auf Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit aus. Auch der berühmte „45PS-Polo“ erreicht spielend Geschwindigkeiten, bei denen Unfälle lebensgefährlich werden, er braucht nur etwas länger dazu.
  • Je schwächer das Auto, desto schwächer ist häufig auch die Bremsanlage ausgelegt, weil sie eben nicht in der Lage sein muss, den Wagen von jenseits der 180 zurückzuholen.
  • Kleinere Motorleistungen bedeuten, dass der Motor in bestimmten Situationen, etwa in gebirgigem Gelände, auf Autobahnen oder autobahnähnlichen Bundesstraßen, viel häufiger am Leistungslimit betrieben werden muss, nur um mitzuschwimmen. Dadurch verbraucht er ungleich mehr als ein Triebwerk mit etwas mehr Power.

Unterm Strich: Es bringt nominell nur sehr wenig, für das Anfängerauto grundsätzlich auf schwache Motoren zu setzen.

6. Wenn es zittert oder dröhnt…

…wissen sowohl Eltern wie Fahranfänger oftmals nicht mehr weiter. Dabei haben typische, plötzliche Vibrationen und/oder Geräusche im Auto meist eine eindeutige Ursache und eine davon abgeleitete Dringlichkeit. Wichtig: Die folgenden Dinge gelten nur, wenn zuvor kein Radwechsel stattfand und somit ausgeschlossen sein kann, dass die Radbolzen nicht richtig angezogen sind.

  • Lenkradschütteln beim Bremsen: Vordere Bremsscheiben haben einen Seitenschlag. Recht bald austauschen.
  • Generelle Lenkradvibrationen, die sich mit steigendem Tempo verstärken: Unwucht in den Vorderreifen. Termin zum Auswuchten anberaumen.
  • Karosserievibrationen, die sich ebenfalls mit steigendem Tempo verstärken: Unwucht in den Hinterreifen. Rasch auswuchten lassen, beeinträchtigt die Kurvenlage.
  • Wummern in Kurven vorne oder hinten: Vorder- oder Hinterachsradlager an der kurvenäußeren Seite ausgeschlagen. Bald austauschen.
  • Knacken beim Einlenken: Spurstangenköpfe der Lenkung ausgeschlagen, zeitnah Termin anberaumen.
  • Knacken/Rumsen beim Überfahren von Bodenwellen: Querlenker- oder -stabilisatoren-Lagerschaden. Mittelfristig austauschen.

Und sollte es plötzlich beim Bremsen scharf-anhaltend knirschen, dann bitte sofort anhalten. Dann wurde versäumt, die Bremsbeläge rechtzeitig zu tauschen und nun bremst Metall auf Metall.