Ratgeber

Was macht wirklich Sinn: Selbst reparieren oder neu kaufen?

Plastikmüll, in 3-Welt-Ländern abgefackelter Elektroschrott und Handys, die seit Jahren in Schubladen liegen – der Müllberg Deutschlands ist gigantisch. Beim Hausmüll war Mannheim mit 250 Kilo Haus- und Sperrmüll pro Kopf Spitzenreiter in Baden-Württemberg. Beim Elektroschrott haben 2015 die bundesdeutschen Haushalte laut BMU mehr als 721.000 Tonnen abgegeben. Und nicht jeder Fernseher und jeder Laptop hätte wirklich auf den Müll wandern müssen. Inzwischen ist es für viele Haushalte leichter, neue Haushaltsgeräte anzuschaffen als sich um Reparaturen zu kümmern. Dabei lassen sich diese durchaus stemmen. Teils sind Defekte einfach zu beheben. Allerdings scheuen Haushalte die Kosten und vertrauen stattdessen darauf, dass Neugeräte vielleicht doch etwas länger halten. Gerade bei einem teuren Fernseher ist zu überlegen, ob sich eine Reparatur nicht doch lohnt. Und auch der Laptop muss nicht in die Wertstofftonne. Im Gegenteil: Versagen nur einzelne Komponenten ihren Dienst, kann ein Reparaturservice hier mitunter schnell – und günstig – Abhilfe schaffen. Und wenn doch alle Stricke reißen, ist das Upcycling vielleicht noch eine Option.Welche Geräte können gut repariert werden?

Aus einem ersten Impuls heraus würde wahrscheinlich jeder Verbraucher zuerst auf den Preis tippen. Was sehr teuer war, lässt sich doch bestimmt leicht wieder reparieren. Wie falsch diese Sichtweise sein kann, zeigt der Blick auf Handys und Tablets. Moderne Smartphones sind heute oft so gefertigt, dass der technische Laie nicht einmal den Akku austauschen kann. Bis vor einigen Jahren war zumindest dies bei vielen Geräten noch möglich.

Das Problem: Akkus gehören – aufgrund verschiedener Faktoren – immer noch zu den Schwachstellen der Geräte. Durch Anforderungen wie:

  • hohe Kapazität
  • Energiedichte
  • hohe Lebensdauer

sind die Akkus so komplex im Aufbau geworden, dass es immer wieder zu technischen Defekten kommen kann. Ist die Gewährleistung abgelaufen, kostet eine Reparatur – sofern sie den technisch überhaupt machbar ist – eine Stange Geld.

Ersatzteilversorgung und Arbeitsaufwand

Generell wird die Frage nach der Reparaturfähigkeit über zwei Parameter beantwortet. Auf der einen Seite steht die Verfügbarkeit von Ersatzteilen – und was diese kosten. Auf der anderen Seite steht natürlich der Arbeitsaufwand.

Gerade bei hochtechnisierten Geräten ist es oft so, dass einzelne Bauteile zu Komponenten und Modulen verschmolzen werden. Ist ein kleines Bausteinchen defekt, muss das komplette Modul getauscht werden – was die Reparatur teuer macht. Braucht es lange, den Fehler zu finden und zu beheben, wird das Ganze natürlich ebenfalls sehr schnell unwirtschaftlich.

Generell muss – um die Reparaturfähigkeit zu beurteilen – der Preis einer Reparatur mit der Neuanschaffung verglichen werden. Bei einem Tablet das gerissene Display zu tauschen, lohnt sich nur bei einem neuwertigen Gerät der aktuellen Modellklasse. Sollte das Tablet bereits mehr als 2 – 3 Jahre in Gebrauch sein, ist die Reparatur nicht mehr sinnvoll. Nutzer können allerdings zumindest versuchen, noch die gespeicherten Daten auf dem Gerät zu retten.

Wer führt Reparaturen durch?

Defekte Küchen- oder Elektrogeräte sind heute oft ein Fall für die Wertstofftonne. Einen Fernseher, der vor 3 Jahren 400 Euro gekostet hat, wird kaum noch ein Haushalt reparieren lassen. Zumindest dann nicht, wenn das Ganze mehr als 200 Euro – 300 Euro kostet. Schließlich sind gute Neugeräte in ähnlicher Qualität wie das Altgerät schon für diesen Preis zu haben.

Teure TV-Geräte sind ein etwas anders gelagerter Fall. Hier lohnt sich die Reparatur schon eher. Wer sehr viel technisches Know-how mitbringt, kann sich an der Reparatur durchaus selbst versuchen. Allerdings wird das Gros der Haushalte wahrscheinlich auf Experten zurückgreifen. Gerade in größeren Städten gibt es nach wie vor den einen oder anderen Reparaturservice, der sich um PC und Laptop, TV-Geräte und hochwertige Küchengeräte kümmert.

Wichtig: Bevor eine Reparatur in Auftrag gegeben wird, ist immer ein Kostenvoranschlag einzuholen. Schließlich wollen sich Haushalte vor teuren Überraschungen schützen.

Elektronikexperten sind aber nicht die einzigen Ansprechpartner für Reparaturen. Gerade in Haushalten mit Kindern passiert das eine oder andere Missgeschick regelmäßig. Besonders, wenn der Nachwuchs die Couch mit dem Esstisch verwechselt, sind Flecken oder Ähnliches vorprogrammiert. Und wer alte Möbel besitzt, wird diese sicher erhalten wollen. Gefragt sind in solchen Situation Tischler oder Polstereien.

Wer bezahlt die Reparatur?

Stellt sich die Frage, wer die Kosten einer Reparatur am Ende stemmen muss? Generell sind in diesem Zusammenhang drei Szenarien denkbar:

  • Eigenleistung
  • Gewährleistung
  • Garantie

Gewährleistung ist gesetzlich auf 24 Monate bei Neuware und 12 Monate bei gebrauchten Artikeln festgeschrieben. Innerhalb der ersten sechs Monate wird automatisch von einem Mangel bei Verkauf ausgegangen. In diesem Fall übernimmt der Verkäufer die Kosten.

Sofern ein Unternehmen Garantieerklärungen abgibt, lassen sich Kosten hierüber tragen. So sind einige Grillhersteller so von ihrer Qualität überzeugt, dass auf den Korpus der Premiumgrills mitunter 10 Jahre Garantie gegen Durchrosten gegeben werden. Greifen weder Garantie noch Gewährleistung, muss in die eigene Tasche gegriffen werden.

Das Thema Repair-Cafe

Reparaturen können teuer werden. Mit den Reparatur-Cafes hat sich eine Gegenströmung entwickelt. Das Ziel: Eine Vermeidung von Müll (besonders im Zusammenhang mit Elektroschrott) und ein Gegenentwurf zur geplanten Obsoleszenz. Dahinter steckt eine Produktion von Gütern mit frühzeitig begrenzter Lebensdauer – was auch der Verbraucherzentrale ein Dorn im Auge ist.

Im Rahmen der Repair-Cafes können defekte Geräte abgegeben werden, die Profis/Techniker anschließend instandsetzen. Diese Reparatur-Cafe basieren im Wesentlichen auf dem Gedanken ehrenamtlicher Arbeit und sind – neben ihrer praktischen Zielsetzung – in den letzten Jahren auch zu sozialen Treffpunkten geworden.

Wie lassen sich Geräte sonst noch nutzen?

Aufgrund der starken Verschmelzung von Bauteilen in kompletten Modulen und Baugruppen sind Reparaturen selbst für Profis mitunter schwierig. Diese Tatsache trifft besonders auf Elektrogeräte, wie:

  • Tablets
  • Smartphones
  • Laptops
  • TV Geräte

zu. Aufgrund dieser Entwicklung werden viele Elektronikgeräte von Haushalten aussortiert – und landen auf dem Müll. Oder besser: Sind ein Fall für den Wertstoffhof. Ein Problem besteht darin, dass der weitere Weg dieser Geräte nicht klar ist.

Eine Möglichkeit, um trotz Defekt die Geräte nicht einfach auf dem Müll landen zu lassen, ist der Verkauf über Kleinanzeigen-/Auktionsportale. Hintergrund: In Deutschland trifft sich die Bastler- und Selbstbauszene nicht nur in den bereits angesprochenen Repair-Cafes.

Gerade als „Ersatzteillager“ sind defekte Haushaltsgeräte immer wieder gefragt. Dabei geht es besonders um Markenprodukte. Aus zwei defekten TV-Geräten kann ein versierter Bastler wieder ein funktionsfähiges Gerät machen. Der Vorteil für den abgebenden Haushalt: Es gibt ein paar Euro für das defekte Gerät.

Upcycling: Klappt besonders bei Möbeln

Ein seit einigen Jahren – mit der Nachhaltigkeitswelle ins mediale Interesse gespült – ist das Upcycling. Kern des Ganzen ist die Idee, „Abfall“ einem neuen Bestimmungszweck zuzuführen. Den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt. Sehr gut sind dafür allerdings:

  • Wohnaccessoires
  • Möbel

geeignet. Ein beliebter Trend ist beispielsweise die Herstellung von Couchtischen und Sitzgelegenheiten aus Holzpaletten. Aber auch Verschnitt aus der Heimwerker-Werkstatt lässt sich miteinander verleimen, abschleifen und lackieren. Das Ergebnis ist eine individuelle Tischplatte oder die Sitzfläche für einen trendigen Stuhl.

Upcycling lässt sich aber auch betreiben, indem:

  • Falschen zu Lampenschirmen
  • Autoreifen zu Gartentischen
  • Blechtonnen zu Vertical Smokern

werden. Was die Fantasie limitiert, sind am Ende nur die eigenen handwerklichen Möglichkeiten und Fertigkeiten.

Fazit: Reparieren oder einfach anders nutzen

Die Industriegesellschaft hat ein gewaltiges Problem. Auf der einen Seite drängen sich Auswirkungen jahrzehntelanger Umweltverschmutzung inzwischen ins Bewusstsein. Auf der anderen Seite soll es immer der neuste Fernseher und das beste Handy sein. Und viele Geräte, die eigentlich mit wenig Aufwand wieder repariert werden könnten, landen auf dem Müll. Reparieren lohnt sich oft – aber nicht immer. Die Kosten spielen in jedem Fall eine Rolle und sollten vorher genau unter die Lupe genommen werden. Aber: Auch was irreparabel ist, kann noch einen Zweck erfüllen. Im Rahmen des Upcyclings lassen sich viele Geräte, Möbel oder „Abfall“ noch über Jahre verwenden.